Der Tod kennt keine Wiederkehr

1946 schufen Regisseur Howard Hawks, Drehbuchautorin Leigh Brackett und natürlich Schauspieler Humphrey Bogart mit der Raymond-Chandler-Verfilmung „Tote schlafen fest“ die Blaupause für den Typus des deprimierten und gebrochenen Privatdetektivs. 1973 schlüpfte Elliott Gould in Robert Altmans „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ in die Rolle von Chandlers Kultfigur des Philip Marlowe, doch darüber hinaus hat Altmans Film nicht mehr viel gemein mit der Atmosphäre des Film noir. 

Inhalt: 

Mitten in der Nacht wird der in den 1970er Jahren in Los Angeles lebende Privatdetektiv Phillip Marlowe (Elliott Gould) von seiner Katze geweckt, die Hunger leidend miauend durch die Wohnung streicht. Da die Essensreste, die Marlowe in der Küche zusammenpanscht, von dem Kätzchen verschmäht werden, fährt Marlowe in den nächsten Supermarkt, wo er seiner Nachbarin auch noch den gewünschten Schokokuchen besorgt. Das einzig akzeptierte Katzenfutter ist allerdings gerade ausverkauft, das Ersatzprodukt wird wiederum von dem Vierbeiner nicht angerührt. 
Während sich die Katze draußen nach Ersatz umschaut, erhält Marlowe Besuch von seinem alten Kumpel Terry Lennox (Jim Bouton), der nach einer Auseinandersetzung mit seiner Frau Sylvia leicht lädiert aussieht und Marlowe bittet, ihn nach Mexiko zu fahren. Als Marlowe zurückkehrt, wird er von Detective Farmer (Stephen Coit) darüber in Kenntnis gesetzt, dass Lennox verdächtigt wird, seine Frau umgebracht zu haben. Da Marlowe sich zu dem Vorwurf, Lennox zur Flucht verholfen zu haben, nicht weiter äußert, wandert er kurzerhand für drei Tage ins Gefängnis. 
Als er freigelassen wird, erfährt Marlowe, dass Lennox in Otatoclan, Mexiko, Selbstmord begangen habe, womit der Fall abgeschlossen sei. Doch bevor Marlowe seinen Zweifeln nachgehen kann, wird er von Eileen Wade (Nina van Pallandt) damit beauftragt, ihren exzentrischen und alkoholabhängigen Mann, den einstmals berühmten Schriftsteller Roger Wade (Sterling Hayden), ausfindig zu machen. Die Wades wohnen interessanterweise wie Terry und seine Frau in der schmucken Malibu Colony. Marlowe entdeckt Wade in einer Entziehungsklinik und bringt ihn nach Hause, obwohl dessen behandelnder Arzt Dr. Verringer (Henry Gibson) darauf besteht, dass Wade seine Schulden in Höhe von 4.400 Dollar begleicht. Schließlich wird der Privatdetektiv von dem Gangster Marty Augustine (Mark Rydell) bedroht, der ihn dazu zwingt, die 350.000 Dollar wiederzubeschaffen, mit denen Terry über die Grenze nach Mexiko abgehauen ist… 

Kritik: 

Auch wenn Leigh Brackett, die Drehbuchautorin von „Tote schlafen fest“, die Adaption von Chandlers Roman „The Long Goodbye“ übernommen hat, spielen Hawks‘ „Tote schlafen fest“ und Altmans „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ in komplett anderen Welten. Das liegt nicht nur an den beiden so unterschiedlichen Darstellern, die die Hauptfigur Philip Marlowe verkörpern, sondern vor allem am Setting und der Inszenierung. Brackett und Altman verorten die Geschichte ganz bewusst in der Gegenwart, lassen Marlowe in ausgewaschener Farbe mehr schlecht als recht sein Leben verpfuschen. Elliott Gould, der bereits in Altmans „M.A.S.H.“ eine der Hauptrollen verkörperte, überzeugt als irgendwie gelassener, aber gutmütiger Verlierer, der nicht mal seine Katze versorgt bekommt und sich mit Gelegenheitsaufträgen gerade so über Wasser hält. 
Die Kriminalgeschichte wird kaum ernsthaft verfolgt. Das Schicksal von Terry und Sylvia Lennox rückt erst zum Ende hin wieder in den Mittelpunkt. Bis dahin schlägt sich Marlowe sowohl mit den offensichtlichen Eheproblemen der Wades herum und mit dem Gangster Marty Augustine, in dessen Truppe auch der junge Arnold Schwarzenegger kurz zu sehen ist. 
Mit dem Film noir hat „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ nichts mehr zu tun. Altman und sein begnadeter Kameramann Vilmos Zsigmond liefern verwaschene Bilder aus ungewöhnlichen Perspektiven, präsentieren Marlowe als einen zynischen Mann, der sich mit seinem Schicksal arrangiert hat und nichts Großes mehr vom Leben erwartet. Eileen Wade hätte im Film noir die klassische Femme fatale verkörpert, hat aber überhaupt kein Interesse an Marlowe. Und Noir-Darsteller Sterling Hayden („Asphalt-Dschungel“, „Von der Polizei gehetzt“) mimt eher die Karikatur einer Ernest-Hemingway-Figur, als dem Plot wesentliche Impulse zu verleihen. Das übernimmt dafür der Score von John Williams, der für Johnny Mercer den Titelsong „The Long Goodbye“ komponiert hat, der wie ein Leitmotiv in immer anderen Versionen durch den Film gleitet. 
„Der Tod kennt keine Wiederkehr“ stellt einen melancholischen Abgesang auf den Film noir dar und parodiert ihn gleichermaßen, was dem Film eine interessante Ambivalenz verleiht, die erst im Finale eindeutig Stellung bezieht. Marlowe-Fans dürften dabei enttäuscht werden, doch hängen sie dann wohl eher an Humphrey Bogarts Darstellung, als Altmans Neuinterpretation würdigen zu können.  

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