Nacht über Manhattan

Die besten Werke von Sidney Lumet handeln von Mord, Korruption und moralischen Gratwanderungen im Dschungel von New York. Man denke nur an „Serpico“, „Prince of the City“ und „Tödliche Fragen“. 1996 kehrte Lumet einmal mehr in das Genre zurück, das er wie kaum ein Zweiter beherrschte. In „Nacht über Manhattan“, der Verfilmung von Robert Dalys Roman „Tainted Evidence“, glänzt vor allem Andy Garcia in der Hauptrolle eines aufstrebenden Staatsanwalts, der schon zu Beginn seiner steilen Karriere mit erschütternden Korruptionsvorwürfen innerhalb der Polizei konfrontiert wird.

Inhalt:

Seit Monaten warten der altgediente Liam Casey (Ian Holm) und sein Partner Joey Allegretto (James Gandolfini) darauf, den berüchtigten Drogenboss Jordan Washington (Shiek Mahmud-Bey) zu verhaften. Durch einen Informanten erfahren sie, dass sich Washington gerade in einem Apartment in Harlem befindet. Während Casey darauf drängt, den Drogenboss allein hochzunehmen, fordert Allegretto beim 74. Revier Unterstützung an, als sich Casey bereits auf den Weg gemacht hat. Washington bleibt das Treiben der Cops nicht verborgen, und als Casey das Türschloss aufschießt, antwortet er mit einer Salve aus seiner Maschinenpistole und flüchtet über die Feuertreppe in den Keller, um seine Tasche mit Bargeld dort zu deponieren. Mittlerweile treffen Streifenwagen von drei Revieren ein. Die Suche nach Washington endet in einem Desaster, bei dem drei Cops getötet werden. Im Auftrag von Bezirksstaatsanwalt Morgenstern (Ron Leibman) soll ausgerechnet Caseys Sohn, der junge Pflichtverteidiger Sean Casey (Andy Garcia), den schwarzen Drogenboss hinter Gitter bringen. Der stellt sich im Beisein seines Anwalts Abe Vigoda (Richard Dreyfuss) der Polizei. Bereits beim Eröffnungsplädoyer bestreitet Vigoda die Taten seines Mandanten nicht, bringt aber eine breit angelegte Korruption innerhalb der Polizei zur Sprache, die Casey auch nach dem gewonnenen Prozess beschäftigt. Da Morgenstern während einer Veranstaltung zu seiner Wiederwahl zusammenbricht, wird Casey zum neuen Bezirksstaatsanwalt gewählt, der zudem eine Beziehung mit Vigodas Partnerin Peggy Lindstrom (Lena Olin) eingeht. Casey wird von der Internen Ermittlung auf ein Notizbuch aufmerksam gemacht, das bei einem früheren Cop gefunden wurde, der als Mittelsmann zwischen Washington und der Polizei fungierte. In dem Notizbuch finden sich Namen von Cops, die Washington bestochen hat, darunter auch Liam Caseys Partner Allegretto. Für den jungen Bezirksstaatsanwalt geht es nun darum, wie weit er für die Einhaltung seiner Prinzipien, dass jeder vor dem Gesetz gleich zu behandeln sei, zu gehen bereit ist…

Kritik:

Robert Daley war stellvertretender Polizeichef des New York City Police Department (NYPD), bevor er Romanautor wurde und die Vorlage zu Filmen wie Michael Ciminos „Im Jahr des Drachen“ und Sidney Lumets „Prince of the City“. Wie in diesen Filmen geht es auch in „Nacht über Manhattan“ um Korruption in Polizeireihen. Die Saat dazu wird zu Beginn der Verhandlung gegen Washington gesät, als der Anwalt des Drogenbosses behauptet, die Cops wollten Washington töten, weil sie ein besseres Angebot als die 600.000 Dollar auf den Tisch bekommen hatten, die Washington pro Jahr den Cops von gleich drei Revieren zahlte, dass er in Ruhe seinen Geschäften nachgehen konnte. Der Prozess nimmt keine größere Rolle in dem Film ein. Der Aufstieg des gerade mal 33-jährigen Casey vom Pflichtverteidiger zum Bezirksstaatsanwalt wird ebenso schnell abgehandelt. Interessant wird es mit der Entdeckung des verräterischen Notizbuchs, das sowohl die dort erwähnten Cops als auch Casey in Verlegenheit bringt. Lumet konzentriert sich auf gewohnt meisterhafte Weise mit der Art und Weise, wie einerseits die Interne Ermittlungsabteilung bei der Polizei mit der Korruption beschuldigten Cops umgeht und wie andererseits der Bezirksstaatsanwalt abwägen muss, inwieweit er der Gerechtigkeit Vorzug vor Freunden und Familien gibt, die mit Vorwürfen konfrontiert werden, das Gesetz gebrochen zu haben. Andy Garcia („Jennifer 8“, „Modigliani“) liefert eine Meisterleistung als mit seinem Gewissen und seiner hohen Stellung bei der Strafverfolgung hadernder Staatsanwalt, der sich selbst treu zu bleiben versucht. Allein die Romanze mit einer von Vigodas Partnerinnen fügt dem Thema nichts Wertvolles hinzu und hätte gestrichen werden können.

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