Die Schlange im Regenbogen

"Im Voodoo-Kult ist die Schlange ein Symbol für die Erde, der Regenbogen symbolisiert den Himmel. Dazwischen liegen Leben und Tod aller Geschöpfe. Der Mensch aber kann an einem schrecklichen Ort gefangen werden. Dort ist der Tod erst der Anfang. Die folgende Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit ..." Mit diesem Vorspann lädt Horror-Meister Wes Craven ("A Nightmare On Elm Street", "The Hills Have Eyes", "Scream"-Trilogie) den Zuschauer zu einem unvergesslichen Trip in die geheimnisvolle Welt des Voodoo ein.
Der junge Anthropologe Dennis Alan (Bill Pullman) unternimmt im Jahre 1985 eine Forschungsreise ins Amazonasbecken, wo er von einem bedeutenden Schamanen eine Art Medizin mitbekommt, von der Alan sich erhofft, sie auch in der Schulmedizin als Heilmittel einsetzen zu können. Bevor er das Zelt des Schamanen mit der kostbaren Mixtur verlassen kann, wird er aufgefordert, ein Schluck von dem Gebräu zu probieren. Wenig später taumelt der junge Amerikaner durch den Dschungel und einen Albtraum, in dem er von unzähligen Händen in ein dunkles Erdloch gezogen wird. Als er wieder zu Sinnen kommt, findet er seinen Piloten tot im Helikopter vor und wandert 200 Meilen durch den Urwald, bis er die Zivilisation erreicht und nach Boston zurückkehren kann. Dort wird er von seinem alten Professor Earl Schoonbacher (Michael Gough) zum Pharmakonzern Biocorp bestellt, wo er einen interessanten Auftrag erhält: In Port-au-Prince ist ein gewisser Christophe aufgetaucht, der vor sieben Jahren von seiner Familie beerdigt worden ist. Alan soll die Droge beschaffen, die möglicherweise dafür verantwortlich ist, dass Christophe keine Lebenszeichen mehr aufwies, beerdigt wurde und nun wieder zum Leben erweckt worden ist. Man erhofft sich dann Erkenntnisse, mit denen Patienten in Zukunft vor einem Anästhesieschock geschützt werden können.Alan macht sich also auf den Weg nach Haiti, lernt dort die attraktive Psychiaterin Marielle Duchamp (Cathy Tyson) kennen, die in ihrem Krankenhaus weitere Zombie-Patienten ruhigstellen muss. Christophe finden die beiden schließlich auf dem nahegelegenen Friedhof.
Er erzählt dem Anthropologen, dass er von seinem Bokor in die Träume von Menschen geschickt wird, um dort schlimme Dinge anzurichten. Verantwortlich sei dafür ein Pulver, das durch Hautkontakt ins Gehirn eindringt und offensichtlich den totenähnlichen Zustand herbeiführt. Alan lernt schließlich Mozart kennen, einen jungen Mann, der ihm die Zubereitung des giftigen Pulvers zeigt. Doch je mehr Alan sich für das Wesen der Voodoo-Kultur interessiert, umso verdächtiger wird er für Captain Peytraud (Zakes Mokae), einen mächtigen Schwarzmagier und Chef der Geheimpolizei, der auch nicht davor zurückschreckt, den Amerikaner körperlicher und psychischer Folter zu unterziehen, um ihn zur Abreise zu bewegen.
Als Alan der Mord an Christophes Schwester angehängt wird, ist es für eine Rückreise aber schon zu spät. Basierend auf dem Buch "The Serpent And The Rainbow", das der kanadische Anthropologe E. Wade Davis 1985 geschrieben hat, inszenierte Wes Craven einen Voodoo-Schocker, der wirklich unter die Haut geht. Was "Die Schlange im Regenbogen" so authentisch wirken lässt, ist nicht nur der semidokumentarische Stil, in dem Dennis Alan seine Erlebnisse als Logbucheintragungen aus dem Off erzählt, sondern auch die lebendige Schilderung des Alltags auf Haiti, der in Zeiten des Diktators Duvalier vor allem durch die Angst vor den Ton Ton Macoute geprägt ist, der mächtigen Geheimpolizei. Da tritt die Horrorstory fast schon in den Hintergrund, wobei die Schockeffekte, die meist in den unvermittelt auftauchenden Traumsequenzen zum Tragen kommen, sehr gut gelungen sind. Der Cast ist ausgesprochen gut gewählt. Bill Pullman überzeugt als unscheinbarer Sunnyboy, der den Voodoo-Praktiken sehr skeptisch gegenübersteht. Und Cathy Tyson vermittelt perfekt die Schnittstelle zwischen einer leidenschaftlichen Frau, die der Göttin der Liebe geweiht ist, und der Wissenschaft, während Paul Winfield als weißer Magier Lucien Celine dem bösen Bokor Peytraud entgegenwirken muss. Passend zum Thema ist auch Brad Fiedels elektronischer Percussion-Score gelungen, so dass Wes Craven mit "Die Schlange im Regenbogen" viel mehr als ein konventioneller Horrorschocker gelungen ist, nämlich ein auch inhaltlich ansprechender Thriller, der dem Voodoo-Thema auch eine wissenschaftliche Komponente verleiht. 
"Die Schlange im Regenbogen" in der IMDb

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