Parthenope

Der aus Neapel stammende Filmemacher Paolo Sorrentino scheint wie besessen von der Trias Schönheit, Vergänglichkeit und den italienischen Metropolen Rom und Neapel. Nicht zuletzt sind zwei seiner bekanntesten Filme - „Die große Schönheit“ und „Ewige Jugend“ – von diesem Themenkomplex geprägt, und so verwundert es kaum, dass auch sein 2024 erschienener Film „Parthenope“ sich ausführlich damit auseinandersetzt.

Inhalt:

Neapel, 1950. In jenen Wassern vor Posillipo, in denen der Legende nach einst die titelgebende Sirene ertrank, wird ein Baby geboren. Das Mädchen, das die wohlhabende Familie Di Sangro bereichert, wird folgerichtig von ihrem vermögenden Paten Achille Lauro auf den Namen Parthenope getauft und erstrahlt nach einem Zeitsprung ins Jahr 1968 in atemberaubender Schönheit. Ihrem Bruder Raimondo (Daniele Rienzo) gelüstet es ebenso nach ihr wie Sandrino (Dario Aita), dem Sohn eines der vielen Dienstmädchen in dem schmucken Haus, in dem die Angehimmelte aufwächst. Doch Parthenope (Celeste Dalla Porta) ist nicht nur attraktiv, sondern auch klug und gewitzt, womit sie ihren zukünftigen Anthropologie-Professor und Mentor Devoto Marotta (Silvio Orlando) schon bei der Aufnahmeprüfung zur Universität beeindruckt. Im Sommer 1973 überredet Raimondo Parthenope und Sandrino zu einer Reise nach Capri. Parthenopes ungezwungenes Verhalten zieht viele Blicke auf sich, unter anderem die des alternden US-Schriftstellers John Cheever (Gary Oldman), den sie für seine Erzählungen bewundert. Während Raimondo versucht, sich einer reichen Erbin anzunähern, erkennt er schließlich, dass er nur Parthenope liebt. Als Sandrino sie zu einem Kuss verführt, stürzt sich Raimondo von den Klippen Capris.
1974, von den Eltern für Raimondos Tod verantwortlich gemacht, möchte Parthenope ihre Abschlussarbeit über Suizid verfassen. Marotta überredet sie jedoch, die kulturelle Bedeutung von Wundern zu untersuchen. Sie unterbricht das Studium zeitweise, um Schauspielerin zu werden. Die Begegnung mit der gealterten Diva Flora Malva (Isabella Ferrari) und der aus Neapel stammenden Schauspielerin Greta Cool (Luisa Ranieri) – die eine durch Schönheitsoperationen entstellt und hinter einer Maske verborgen, die andere stets mit Perücke – lässt sie diesen Plan verwerfen…

Kritik:

„Neapel ist eine Stadt, die zu meinen Gefühlen passt. Jeden Tag erfinden die Neapolitaner ihr Leben neu, sie beschließen, dass das Leben sie überraschen sollte“, beschrieb Drehbuchautor und Regisseur Paolo Sorrentino im Interview zum Cannes Filmfestival sein Faible für seine Heimatstadt. Dass er seinen aktuellen Film nach der Parthenope benannt hat, die der Legende zufolge nach einem Sprung ins Meer ertrank, weil sie Odysseus nicht mit ihrem Gesang verführen konnte, worauf ihr lebloser Körper schließlich an die Küste von Neapel gespült wurde, wo man sie bestattete, wundert also nicht. Auch nicht der Umstand, dass er mit Celeste Dalla Porta eine wunderschöne Newcomerin in der Hauptrolle besetzte, deren vornehmlicher Lebenszweck darin zu bestehen scheint, die unterschiedlichsten Männer um den Verstand zu bringen, ihren eigenen Bruder ebenso wie einen Mafioso und einen freimütigen Geistlichen mit Ambitionen auf das Amt des Papstes. Parthenope bewegt sich allerdings recht statisch durch die malerisch gestalteten Kulissen und legt es überhaupt nicht darauf an, den begehrlichen Blicken und Ansinnen ihrer Bewunderer nachzugeben. Vielmehr treibt sie die Frage um, was genau eigentlich Anthropologie eigentlich ist, doch diese Frage will ihr nicht mal ihr kauziger Professor beantworten, der der Einzige zu sein scheint, der Parthenopes intellektuellen Fähigkeiten zu schätzen versteht. Den intellektuellen Anspruch und den Reiz der jungen Schönheit bringt Sorrentino allerdings nicht sinnvoll zusammen. Vielmehr verliert er sich in dem mit über zwei Stunden viel zu langen Drama in bedeutungsschwangeren Dialogen und episodenhaften Begegnungen, die den Figuren kaum Raum geben, Kontur zu entwickeln. Dafür begeistert „Parthenope“ mit einer einnehmenden Hauptdarstellerin und vorzüglichen Bildern.

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