Carnal Knowledge – Die Kunst zu lieben
Mike Nichols hat bereits mit seinen ersten beiden
Filmen „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ (1966) und „Die
Reifeprüfung“ (1967) zwei kontrovers diskutierte Werke inszeniert, die ungewöhnliche
Liebesbeziehungen thematisierten. Mit „Carnal Knowledge – Die Kunst zu
lieben“ (1971) blieb sich der in Deutschland geborene Filmemacher diesem
Topos treu und schuf ein Drama um eine Männerfreundschaft, die sich vor allem
über ihre Beziehungen zu Frauen definiert.
Inhalt:
In den späten 1940er Jahren besuchen die beiden Freunde
Sandy (Art Garfunkel) und Jonathan (Jack Nicholson), die am Amherst
College studieren und sich dort ein Zimmer teilen, eine Veranstaltung auf dem
Campus und lernen eine Studentin namens Susan (Candice Bergen) kennen,
mit der Sandy eine Beziehung beginnt. Während Sandy sich jedoch nach Sex mit
Susan sehnt, sieht sie in ihm eher einen Freund, an den sie nicht ihre
Jungfräulichkeit verlieren will. Als Sandy seinem Freund jedoch erzählt, dass
Susan freiwillig seine beiden Hände auf ihre Brüste gelegt und sich mit ihren
eigenen Händen an seiner Hose zu schaffen gemacht hat, erwacht auch Jonathans
Interesse an ihr, worauf er Susan heimlich auflauert und eine Affäre mit ihr
beginnt.
Einige Jahre nach dem College ist Sandy mit Susan
verheiratet, während Jonathan immer noch auf der Suche nach der „perfekten
Frau“ ist. Jonathan beginnt eine Beziehung mit Bobbie (Ann-Margret),
einer hübschen und gut gebauten, aber sehr oberflächlichen Frau, die Jonathan
bald zu langweilen beginnt. Als sie auf Jonathans Drängen hin ihren Job kündigt,
wird sie depressiv und verbringt viele Stunden damit, nichts anderes zu tun,
als in der Wohnung zu schlafen, die sie mit Jonathan teilt.
Aber auch in Sandys Beziehung zu Susan läuft es nicht
besser. Sandy ist mit dem körperlichen Teil ihrer Beziehung unzufrieden und
gelangweilt, obwohl er und Susan „alles richtig machen“. Er erzählt, dass sie
„geduldig miteinander sind“ und schließt mit der Bemerkung, dass Sex vielleicht
nicht dazu da ist, „Spaß mit der Person zu haben, die man liebt“.
Sandy und Susan trennen sich. Sandy fängt eine Beziehung mit
Cindy (Cynthia O’Neal) an. Sandy, Cindy, Jonathan und Bobbie treffen
sich in Jonathans Wohnung, wo sich Sandy unter vier Augen bei Jonathan über
sein Sexleben mit Cindy beschwert. Jonathan schlägt Sandy vor, die Partner zu
tauschen, um „etwas Schwung in die Sache zu bringen“…
Kritik:
Jules Feiffer hatte „Carnal Knowledge“ eigentlich
fürs Theater geschrieben, entschied dann aber, dass das Stück als Film besser
funktionieren würde. Tatsächlich ist der kammerspielartige Charakter der
Bühnenvorlage in Nichols‘ Film allgegenwärtig. Bis auf wenige Szenen spielt sich
die Handlung auf dem College-Campus und später in den jeweiligen Apartments von
Jonathan und Sandy ab. In den Gesprächen zwischen ihnen geht es ausschließlich um
ihre Beziehungen zu Frauen, wobei der sexuelle Part von Beginn an eine tragende
Rolle einnimmt. Während es zunächst darum geht, wer zuerst seine Unschuld
verliert und die eindrücklichsten Erfahrungen macht, klagen sie sich später vor
allem ihr Leid, dass es nicht so läuft, wie sie es sich vorgestellt haben. Für
einen Film Anfang der 1970er Jahre war Nichols‘ Film sehr freizügig. Die
gewandelten Moralvorstellungen in der Gesellschaft der 1960er Jahre waren im
Kino noch nicht recht angekommen. Auch wenn es keine Sex-Szenen im engeren Sinn
zu sehen gab und sich die Nacktheit in Grenzen hielt, wurde der Film zwischenzeitlich
sogar unter Berufung auf das örtliche Obszönitätsgesetz beschlagnahmt. Es geht Feiffer
und Nichols auch weniger darum, Sex zu zeigen, sondern die Vorstellungen
über Beziehungen und Sex gerade aus männlicher Perspektive zu thematisieren. Zwar
sind Jack Nicholson und Art Garfunkel eigentlich zu alt, um noch
als College-Studenten durchzugehen, aber zumindest als Erwachsene geben sie überzeugend
gegensätzliche Sichtweisen über ihre Frauenbilder und Beziehungsvorstellungen
ab.

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