Bernadette

Richard Linklater zählt seit seinem selbstproduzierten, selbstgeschriebenen Regie-Debüt „It's Impossible To Learn To Plow By Reading Books“ (1988) zu den umtriebigsten wie vielseitigsten Autorenfilmern in Hollywood. Zu seinen größeren Erfolgen zählt vor allem die „Before Sunrise“-Trilogie mit Ethan Hawke und Julie Delpy in den Hauptrollen, das preisgekrönte Langzeitprojekt „Boyhood“, der animierte Science-Fiction-Film „A Scanner Darkly“ nach der Vorlage von Philip K. Dick und die Komödien „School of Rock“ und „Bernie – Leichen pflastern seinen Weg“. 2019 verfilmte Linklater den Roman „Wo steckst du, Bernadette?“ der ehemaligen Sitcom-Autorin Maria Semple („Verrückt nach Dir“), der hierzulande unter dem schlichten Titel „Bernadette“ in den Kinos lief und Cate Blanchette in einer ihrer besten Rollen präsentiert.

Inhalt:

Seit die preisgekrönte Architektin Bernadette Fox (Cate Blanchett) der Liebe wegen von Los Angeles ins triste Seattle gezogen ist, lebt sie mit ihrem für Microsoft arbeitenden Mann Elgie (Billy Crudup) und ihrer 15-jährigen Tochter Bee (Emma Nelson) in einer heruntergekommenen Villa, die von unbezähmbar wirkenden Brombeerbüschen umgeben ist, die eine natürliche Grenze zu der Villa ihrer Nachbarin Audrey (Kristen Wiig) bildet. Die hat bereits einen Gartenbau-Spezialisten angeheuert, der den tief verwurzelten Brombeeren mit einem Bagger den Garaus bescheren soll. Doch die mittlerweile sehr exzentrisch gewordene und streitlustige Ehefrau und Mutter denkt gar nicht daran, sich auf diese Weise bevormunden zu lassen, und kommt ihrer Nachbarin zuvor – allerdings mit der Folge, dass eine Schlammlawine deren Haus überflutet. Als auch noch das FBI auftaucht, weil Bernadette naiverweise alle Zugangsdaten zu den Familienkonten einer für die Russenmafia arbeitende Hackerin zugespielt hatte, die Bernadette für ihre angeblich in Indien ansässige Assistentin Manjula hielt, nimmt sie den geplanten Familienausflug in die Antarktis zum Anlass, ihr frustrierendes Leben hinter sich zu lassen und abzutauchen. Doch damit will sich vor allem ihre Tochter Bee nicht abfinden und folgen Bernadettes Spuren in die Antarktis, wo sie eine erstaunliche Entdeckung machen...

Kritik:

Richard Linklater hat an der Filmadaption von Maria Semples Romanvorlage mitgeschrieben und vor allem das innige Verhältnis seiner Protagonistin Bernadette zur Architektur einerseits und zu ihrer Tochter Bee andererseits in den Mittelpunkt der Geschichte gesetzt. Bereits die gemeinsame Autofahrt von Mutter und Tochter erdet den Film, wenn die beiden lauthals Cindy Laupers Power-Ballade „Time After Time“ mitgrölen, denn davon abgesehen präsentiert sich die bestens aufgelegte Cate Blanchett („Banditen!“, „Blue Jasmine“) als tablettensüchtige Exzentrikerin, die auf die Meinung ihrer Mitmenschen pfeift, seit ein Investor ihre preisgekrönte Villa abgerissen hatte, um auf dem Grundstück Parkplätze zu bauen. Herrlich sind auch die Auseinandersetzungen mit der Nachbarin Audrey und die Rückblicke auf Bernadettes Karriere, die aufzeigen, was für eine kreative Frau die Architektin gewesen ist, bevor sie den künstlerischen Schmelztiegel Los Angeles gegen das provinzielle Seattle eingetauscht hat. Mit den amüsant konstruierten und erzählten Pannen, die Bernadette schließlich zum Ausreißen animieren, beginnt ein Road-Trip der ungewöhnlichen Art. Hier hat Linklater einige Schwierigkeiten, dem Tempo, den wechselnden Schauplätzen und der wachsenden Komplikationen, denen sich seine Protagonistin gegenübersieht, Herr zu werden, und das allzu glattgebügelte Happy End trübt ebenfalls den Gesamteindruck, aber allein Cate Blanchett bei ihrer emotionalen Tour de Force zu beobachten, lohnt den Film allemal.

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