Liebe hat zwei Gesichter

Als Schauspielerin und Musikern feierte Barbra Streisand bereits seit den frühen 1960er Jahren große Erfolge, doch trieb es sie in den 1980er Jahren auch hinter die Kamera. Mit dem sehr musikalischen Drama „Yentl“ (1983) und der Bestseller-Verfilmung „Der Herr der Gezeiten“ (1991) bewies sie auch in diesem Bereich großes Geschick. 1996 inszenierte sie mit „Liebe hat zwei Gesichter“, einem Remake des französischen Films „Der Tag und die Nacht“ von André Cayatte aus dem Jahr 1958, ihren bislang letzten Film.

Inhalt:

Die an der Columbia University lehrende Literaturdozentin Rose Morgan (Barbara Streisand) lebt noch bei ihrer Mutter (Lauren Bacall) und ist Brautjungfer bei der Hochzeit ihrer attraktiven Schwester Claire (Mimi Rogers), die Roses früheren Freund Alex (Pierce Brosnan) heiratet. Damit Rose auch die Liebe kennenlernen kann, über die sie in ihren gut besuchten Seminaren so leidenschaftlich doziert, antwortet Claire in ihrem Namen auf eine Kontaktanzeige des ebenfalls an der Columbia lehrenden Mathematikprofessors Gregory Larkin (Jeff Bridges), der sich nach einigen herben Enttäuschungen in Liebesdingen nur auf eine platonische Beziehung einlassen will.
Als Rose sich auf ein Rendezvous mit Gregory einlässt, lässt sie sich von dieser Idee überzeugen, und schließlich heiraten die Beiden. Doch schon bald merkt die Romantikerin Rose, dass ihr in der auf Vernunft statt auf Leidenschaft aufgebauten Ehe etwas fehlt. Als Gregory wegen einer Vorlesungsreihe auf Reisen geht, verändert sie ihr Aussehen und ihren Lebensstil auf grundlegende Weise. Aber dadurch gefährdet Rose ihre Ehe…

Kritik:

Dass Hollywood gern Remakes von erfolgreichen europäischen Filmen produziert, ist hinlänglich bekannt. Selten gehen dabei jedoch mehr als dreißig Jahre ins Land. Barbra Streisand jedenfalls ist nicht nur in der Rolle des vermeintlich hässlichen Entleins perfekt besetzt, sondern macht auch als Regisseurin eine gute Figur. „Liebe hat zwei Gesichter“ setzt sich auf amüsante, doch feinsinnige Weise mit der Frage auseinander, inwieweit Sex eine Beziehung am Leben erhält oder am Ende doch zerstört. Dass sich dabei ausgerechnet zwei Intellektuelle aus verschiedenen Fachbereichen darüber streiten, macht den Plot interessant. Dabei fängt der Film recht albern an, wenn der etwas steife Gregory öffentlich sein Buch vorstellt und dabei ins Stottern gerät, als er seine alte Flamme im Publikum entdeckt, mit der er anschließend noch einen One-Night-Stand genießt, bevor sie ihn endgültig abschießt. Auch die Dreiecksgeschichte zwischen Alex und den beiden Schwestern Claire und Rose wirkt sehr aufgesetzt. Erst als sich Gregory und Rose aufeinander einlassen und sogar heiraten, nimmt die Geschichte an Fahrt auf, weil die Diskussion um Sex in der Beziehung am Ende über das Glück in dieser Beziehung entscheidet. Das ist von Jeff Bridges („Fearless – Jenseits der Angst“, „König der Fischer“) und Barbra Streisand („So wie wir waren“, „Funny Girl“), aber auch von Lauren Bacall („Haben und Nichthaben“, „The Shootist“) großartig gespielt, außerdem großartig fotografiert und von Marvin Hamlisch toll musikalisch vertont. 

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