Malcolm X
Malcolm Little, besser bekannt als Malcolm X,
zählt sicher zu den schillerndsten, aber auch umstrittensten Figuren der schwarzen
Bürgerrechtsbewegung, plädierte er doch auf unmissverständliche Weise für die
strikte Trennung zwischen Schwarzen und Weißen. Spike Lee („Clockers“,
„Summer of Sam“) setzte der ikonischen Figur der Black-Muslim-Bewegung 1992
mit „Malcolm X“ ein über dreistündiges filmisches Denkmal und
präsentierte Hauptdarsteller Denzel Washington einmal mehr in Bestform.
Inhalt:
Malcolm Little wird als eines von sieben Kindern als Sohn
des baptistischen Reverends Earl Little geboren und wird nach dessen Ermordung
durch die Ku-Klux-Klan-Vereinigung Black Legion von seinen Geschwistern
getrennt, als seine Mutter die Familie nicht mehr versorgen kann und das
Jugendamt die Kinder auf verschiedene Pflegefamilien verteilt. Während die
Mutter in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wird, lernt Malcolm als einziger
Schwarzer in der Schule, dass ihm trotz des besten Notendurchschnitts in der
Schule nicht alle Berufe offenstehen. Als Erwachsener arbeitet Malcolm (Denzel
Washington) zunächst als Kellner im Zug, zieht schließlich nach Harlem und
freundet sich dort mit dem Gangsterboss West Indian Archie (Delroy Lindo)
an.
Malcolm führt einen Lebensstil, der darauf ausgerichtet ist,
die Weißen zu imitieren. Er lässt sich beim Friseur die Haare glätten, um wie
ein Weißer auszusehen, und konsumiert sehr viel Alkohol und Kokain. Nach kurzer
Zeit gerät er mit West Indian Archie aufgrund einer dubiosen Wette aneinander
und muss vor ihm nach Boston fliehen. Dort hält Malcolm sich zusammen mit
seinem besten Freund Shorty (Spike Lee) mit Diebstählen über Wasser,
wobei sie Unterstützung von ihren weißen Freundinnen erhalten. Als sie aufgrund
eines Hinweises verhaftet werden, verurteilt sie der Richter zu zehn Jahren Gefängnis,
wobei nicht die Diebstähle am schwersten wiegen, sondern der vollzogene
Beischlaf mit weißen Frauen.
In der Haftanstalt Norfolk Prison Colony in Massachusetts lernt
Malcolm einen schwarzen Muslim namens Baines (Albert Hall) kennen, der ihn
nach den Richtlinien der „Nation of Islam“, einer Vereinigung von schwarzen
Muslimen in den USA, unterrichtet. Malcolm wird sich zum ersten Mal seiner
Identität und der Tatsache bewusst, dass sein Nachname „Little“ nur auf den
Namen des Sklavenhalters seiner Vorfahren zurückzuführen ist. Baines überzeugt Malcolm
nicht nur davon, dass er seinen Körper nicht mehr mit Drogen vergiften, sondern
anfangen solle, die Werte des weißen Mannes zu hinterfragen und sich zu bilden.
Malcolm hört auf, sich für seine schwarze Herkunft zu schämen, legt den
Sklavennamen Little ab und nennt sich fortan Malcolm X.
Nach seiner vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis sucht
Malcolm den „Ehrenwerten Elijah Muhammad“ (Al Freeman Jr.) auf, den
Führer der Organisation. Malcolm ist ein eifriger Schüler, und schon bald ist
er als mitreißender Redner bekannt und wird von Muhammad als zentraler
Wortführer für die Organisation eingesetzt. Zwischenzeitlich heiratet er die
Krankenschwester Betty Shabazz (Angela Bassett).
Malcolm tritt für eine Absonderung von der weißen
Gesellschaft und die Rückbesinnung auf die afrikanischen Werte ein. Seine Reden
werden zunehmend radikaler und aufrührerischer, gleichzeitig arbeitet er immer
mehr. Er gerät immer tiefer in Abhängigkeit von der Nation of Islam, worunter
auch seine Familie und seine Ehe leiden. Es kommt zu einem Zerwürfnis mit
Muhammad, woraufhin sich Malcolm X fortan öffentlich von der Nation of Islam
distanziert. Er unternimmt eine Pilgerfahrt nach Mekka, um wieder zu sich
selbst zu finden. Durch die Erlebnisse auf der Reise werden seine Überzeugungen
gemildert; er erkennt, dass Moslems aus allen Schichten und Gesellschaften
kommen, darunter auch aus der weißen. Er beginnt sich von der starren Haltung der
„Nation of Islam“ und dem Rassismus zu lösen und will fortan für Weltoffenheit,
Gerechtigkeit und Freiheit eintreten. Jedoch wird seine Abkehr von seinen
ehemaligen Verbündeten als Verrat betrachtet…
Kritik:
Spike Lee inszenierte „Malcolm X“ nach der
Biografie von Alex Haley und zeichnet in seinem episch angelegten Biopic
alle Wegmarken des schwarzen Bürgerrechtlers von der Geburt im Jahr 1925 bis
zur seiner Ermordung 1965 in Manhattan nach. Dabei wird vor allem deutlich, wie
schon der kleine Malcolm von seiner Umgebung und der Diskriminierung durch die
Weißen geprägt wird, so dass er nicht von ungefähr auf die schiefe Bahn gerät.
Interessant ist die Hinwendung zur religiös geprägten Selbstbestimmung und die
krasse Abwendung von den Weißen, denen er als junger Mann noch so eifrig nacheiferte.
Spike Lee ist allerdings nicht daran interessiert, Leben und Wirken des
einflussreichen Mannes zu beurteilen. Er lässt den streitbaren Mann für sich
selbst sprechen und hat in Denzel Washington – der dem echten Malcolm
X auch sehr ähnlichsieht – auch den perfekten Darsteller für die ambivalente
Rolle gefunden. Es ist vor allem Washingtons beherzter Performance zu verdanken,
dass das überlange Biopic nicht komplett als undifferenzierte Heldenverehrung
verkommt. Vielleicht war Spike Lee, der selbst die Rolle von Malcolms
bestem Kumpel Shorty spielt, zu dicht am Stoff dran, um etwas mehr streitbare Spannung
in das Portrait zu bringen.
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