1978 adaptierte Édouard Molinaro das Bühnenstück „La
Cage aux folles“ von Jean Poiret mit Ugo Tognazzi und Michel
Serrault in den Hauptrollen für das Kino. „Ein Käfig voller Narren“ –
so der deutsche Kinotitel – war so erfolgreich, dass 1980 und 1985 nicht nur zwei
Sequels folgten und eine Musical-Version den Broadway eroberte, sondern Mike
Nichols („Die Reifeprüfung“, „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“) 1996
mit „The Birdcage – Ein Paradies für schrille Vögel“ auch ein
Hollywood-Remake mit Robin Williams, Nathan Lane, Gene Hackman und Dianne
Wiest inszenierte.
Inhalt:
Der homosexuelle Armand Goldman (Robin Williams)
besitzt mit „The Birdcage“ einen bekannten Drag-Nachtclub in South Miami Beach.
Sein langjähriger Liebhaber Albert (Nathan Lane) tritt dort als Sabrina
auf. Ihre Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt, als Armands aus einer
heterosexuellen Affäre hervorgegangener Sohn Val (Dan Futterman) zu
Besuch kommt, um ihm mitzuteilen, dass er heiraten wird. Das Problem ist nur,
dass seine Verlobte, Barbara Keely (Calista Flockhart), die Tochter von Kevin
Keely (Gene Hackman) ist, der als Senator und Vizepräsident des Komitees
für moralische Ordnung gerade unter Druck gerät, weil sein Parteigenosse
Senator Jackson in einen Sexskandal verwickelt wurde. Damit er die Hochzeit
nicht vornherein torpediert, hat Val ihm mitgeteilt, dass sein Vater griechischer
Kulturattaché sei. Durch den Druck der Presse und das Zureden seiner Frau Louise
(Dianne Wiest) beginnt er die Hochzeit zu befürworten, da sie die
traditionellen Werte symbolisieren und gut für das Image sein könnte. Die
Keeleys schleichen sich an der vor dem Haus lauernden Presse vorbei und machen
sich auf den Weg nach Miami Beach. Währenddessen wird die Wohnung umdekoriert
und willigt Vals leibliche Mutter Katharine (Christine Baranski) ein,
bei der Scheininszenierung für den Senator mitzumachen und die Ehefrau von
Armand zu spielen. Da sie allerdings im Verkehr steckenbleibt und es nicht
rechtzeitig zur Familienzusammenkunft schafft, springt Albert in
Frauenverkleidung in die Bresche. Doch es ist nicht leicht, die Illusion
aufrecht zu erhalten…
Kritik:
Mike Nichols, selbst erfolgreicher Regisseur am Broadway,
blieb mit seiner Neuverfilmung des französischen Bühnenstücks und dessen Leinwandadaption
sehr nahe am Original, verlegte die Handlung nur von der Riviera der Siebziger
ins Miami der Neunziger. An der famosen Grundidee gab es auch nicht viel Sinnvolles
zu ändern: Der ganze Spaß basiert auf der ungewöhnlichen Konstellation, dass der
Sohn eines homosexuellen Vaters die Tochter eines konservativen Patriarchen
heiraten will und daher alles in die Wege leitet, um bürgerliches Familienglück
vorzutäuschen. Robin Williams („Mrs. Doubtfire“, „Good Morning,
Vietnam“), der es gewohnt ist, einen Film komplett zu prägen, tritt hier ungewohnterweise
sehr zurückhaltend auf, während die große Show dem Theaterdarsteller Nathan
Lane gehört, der seine Rolle als affektierte Tunte mit großer Bravour und
allen vorstellbaren Manierismen verkörpert. Aber auch Gene Hackman („Der
Dialog“, „French Connection“) beweist als erzkonservativer Politiker komödiantisches
Talent, vor allem beim Finale, als er sich verkleiden muss, um einmal mehr der
Pressemeute zu entkommen. Interessant ist, dass eine an sich glückliche Kleinfamilie
ihre Andersartigkeit verbergen muss, um eine Verbindung mit einer anderen glücklichen
Kleinfamilie zu ermöglichen, womit am Ende die konservativen amerikanischen
Werte hochgehalten werden. Die temporeiche Inszenierung, die herrlich
spritzigen Dialoge und Nathan Lanes sehr physische Darstellung machen „The
Birdcage“ zu einer herrlichen Screwball-Komödie.
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