Pi – System im Chaos
Mit seinem Drehbuch- und Regiedebüt „Pi – System im Chaos“
(1998) räumte Darren Aronofsky international ordentlich ab. Beim
renommierten Sundance Film Festival wurde er für seine Regie ebenso
ausgezeichnet wie bei den Film Independent Spirit Awards für sein
Drehbuch. Das gerade mal 80-minütige Drama fasziniert gleichermaßen durch seine
grobkörnigen Schwarzweiß-Bilder, seinen zwischen Trance und TripHop
changierenden Soundtrack als auch sein faszinierendes Portrait eines einzelgängerischen
Mathe-Genies, der einer geheimnisvollen Formel auf der Spur ist.
Inhalt:
Das Mathematikgenie Max Cohen (Sean Gullette) ist vor
allem von drei Dingen überzeugt: 1. Mathematik ist die Sprache der Natur. 2.
Alles um uns herum lässt sich durch Zahlen wiedergeben und verstehen. Und 3.
Stellt man die Zahlen eines beliebigen Systems grafisch dar, entstehen Muster.
Bestimmte Muster sind nicht nur bei der Entwicklung der
Aktienkurse erkennbar, sondern machen selbst die Natur vorhersehbar, sodass die
Zukunft mithilfe einer universellen Weltformel berechnet werden kann. Dieser
allgegenwärtigen „Universalformel“ jagt Max seit Jahren hinterher. Er ist
überzeugt, dass dieses immer wiederkehrende Muster mit der wohl mysteriösesten
Zahl der Mathematik zu tun hat: der unendlichen Kreiszahl Pi, deren Erforschung
sein früherer Mentor Sol Robeson (Mark Margolis) abgebrochen hatte, seit
sein System von einem Virus befallen wurde. Als Max kurz vor dem Durchbruch
steht, werden skrupellose Wall-Street-Makler auf Max und seine Formel
aufmerksam. Kein Wunder, denn wer die Aktienkurse bereits im Voraus kennt,
beherrscht die Weltwirtschaft. Aber auch die Anhänger einer radikalen jüdischen
Glaubensgemeinschaft haben es auf Maxs Rechenkünste abgesehen, denn mithilfe
seiner Weltformel könnten sie den göttlichen Code in der Thora entschlüsseln
und Gottes wahren Namen herausfinden. Je tiefer Max in den Sog von Pi gerät,
desto mehr leidet er unter Anfällen, Halluzinationen und Paranoia, die er nur
durch eigene Medikamenten-Cocktails in den Griff zu bekommen scheint. Bald
kommen ihm Zweifel, ob Pi und somit seine ganze Forschungsarbeit jemals zu
einem Ergebnis führen kann…
Kritik:
Auch wenn „Pi – System im Chaos“ vor allem das Portrait
eines genialen Mathematikers ist und zwangsläufig viel von Zahlen und ihren
Zusammenhängen gesprochen wird, fasziniert das eigenwillig inszenierte Drama
vor allem als Charakterstudie eines Mannes, der trotz der eindringlichen
Warnung seiner Mutter im Alter von sechs Jahren in die Sonne gesehen hatte und seither
mit den physischen wie psychischen Folgen der Sinnüberreizung zu kämpfen hat. Aronofsky
hat für seinen ersten Film künstlerische Mitstreiter gefunden, die ihn für
viele Jahre begleiten sollten: Clint Mansell komponierte den
elektronisch treibenden Score, der von hippen Electro-Acts wie Aphex Twin,
Massive Attack, Orbital, Autechre, Banco de Gaia und Spacetime Continuum
ergänzt wird. Und Kameramann Matthew Libatique schuf den einzigartigen
grobkörnigen Schwarzweiß-Look mit den einengenden Bildern von Max‘ Apartment,
das quasi nur aus Rechnern zu bestehen scheint. So wie Max als kleiner Junge seine
Augen den zerstörenden Sonnenstrahlen ausgesetzt hat, wird nun der Zuschauer
durch Max‘ Perspektive in einen Taumel der Sinne gezerrt, der den Verstand
ebenso überbeansprucht wie die Sinne. Der Plot und die Zahlen werden dabei fast
schon zur Nebensache. Durch Max‘ Augen und Gedanken werden wir Zeuge einer
gewaltigen Erosion des Verstandes – bis zum Abstieg in die ganz persönliche
Hölle.


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