Die Folgen der Liebe

 Nach seinem erfolgreichen Debüt mit „L'uomo in più“ (2001) realisierte der italienische Autorenfilmer Paolo Sorrentino („Ewige Jugend“, „Loro – Die Verführten“) auch seinen nächsten Film „Die Folgen der Liebe“ (2004) mit dem charismatischen Hauptdarsteller Toni Servillo, der auch später immer wieder in seinen Werken zu sehen ist und hier einen undurchsichtigen Geschäftsmann verkörpert, der aus zunächst unerfindlichen Gründen über Jahre schon in einem kleinen Hotel residiert.

Inhalt:

Seit acht Jahren lebt der italienische Geschäftsmann Titta di Giralimo (Toni Servillo) in einem eleganten Hotel im schweizerischen Lugano. Wann und wie er einer Arbeit nachgeht, ist dem Direktor des Hotels (Diego Ribon) nicht bekannt, und solange der wortkarge Mann ihm jeden Monat pünktlich seine Miete zahlt, ist es ihm auch egal. Annäherungen durch andere Gäste lässt di Giralimo so gut wie nicht zu, während er seine Tage meist bei Kaffee und Zigaretten in der Hotelbar verbringt. Er straft sogar die hübsche Kellnerin Sofia (Olivia Magnani) mit Schweigen, die ihn nicht nur bedient, sondern ihn auch stets freundlich grüßt. Seine sozialen Kontakte beschränken sich auf den Rezeptionisten, der ihm stets mitteilt, dass keine Nachrichten und keine Post für ihn hinterlegt seien, und die einzigen anderen Stammgäste, den vormals reichen, nun verarmten Berufsspieler Carlo (Raffaele Pisu) und seine Frau Isabella (Angela Goodwin), mit denen er zu Abend isst und hin und wieder sogar Karten mit ihnen spielt. Regelmäßig kommt auch noch eine Unbekannte mit Sonnenbrille (Mabnuela Lamanna) vorbei, die einen Koffer in seinem Zimmer abstellt, den di Giralimo stets zum vereinbarten Ziel bringt. Als Sofia ihn eines Tages wegen seines unhöflichen Benehmens zur Rede stellt, beginnt sie seine Routine auf gefährliche Weise durcheinanderzubringen, denn schon bald stehen Leute von der Mafia in seinem Zimmer…

Kritik:

Auch wenn Paolo Sorrentinos Filme erst später die überbordende Eleganz, die kühnen Bildkompositionen und Kameraeinstellungen aufweisen, die ihn berühmt gemacht haben, ist schon sein Frühwerk von einer stilistischen Prägnanz gezeichnet, die wunderbar zu dem fast phantomhaften, mysteriösen Einsiedlerleben des Protagonisten mit dem ungewöhnlichen Namen Titta di Giralimo passt. Sorrentino lässt sich viel Zeit, sein Publikum mit dem undurchsichtigen Geschäftsmann bekanntzumachen, dem jede Art von Abweichung von seiner Routine ebenso verhasst ist wie er Kontaktversuche anderer Menschen rigoros abblockt. Die eigentliche Handlung des Films lässt sich fast in zwei Sätzen zusammenfassen. Dem Filmemacher geht es vielmehr darum, die – wie sich später zeigt – erzwungene Isolationshaft des Mannes in Bildern zu konservieren, die die ganze Tristesse seines Daseins einfangen. Erst die unorthodoxe Bekanntschaft mit der ebenso jungen wie attraktiven Kellnerin löst die Fesseln seiner Gefangenschaft und leitet das Ende seines bislang gewohnten Lebens ein. Sorrentino fokussiert sich dabei ganz auf die beiden Hauptfiguren und lüftet erst nach und nach das dunkle Geheimnis, das Titta di Giralimo umhüllt. Dabei sorgen das nuancenreiche Spiel gerade Toni Servillos („Il Divo – Der Göttliche“, „Der Nebelmann“), die verführerische Leichtigkeit von Olivia Magnani („Aria“, „Alles Geld der Welt“), die passend ausgesuchte Musik und die stark komponierten Bilder für ein besonderes Filmerlebnis.

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