Black Swan
Darren Aronofsky hat offenbar ein Faible für Filme,
in denen seine Protagonist:innen an ihre psychischen wie physischen Grenzen
stoßen. Bereits in seinem Regiedebüt „Pi – System im Chaos“ (1998) versuchte
seine mathematisch begabte Hauptfigur die Stimmen in seinem Kopf mit selbstgemixten
Medikamenten-Cocktails in den Griff zu bekommen. In der Verfilmung von Hubert
Selbys Roman „Requiem For A Dream“ (2000) sind es gleich vier
Figuren, die über Drogenmissbrauch in ihrer eigenen Hölle landen. In „Black
Swan“ (2010) hat Natalie Portman als Primaballerina mit ungeheurem
Leistungsdruck, Konkurrenzdenken und einer allzu fordernden Mutter zu kämpfen.
Inhalt:
Um dem New Yorker Ballett neuen Esprit zu verleihen, kündigt
Ausnahmeregisseur Thomas Leroy (Vincent Cassel) eine leidenschaftliche Interpretation
von Tschaikowskis Klassiker „Schwanensee“ an.
Um die Geschichte einer Prinzessin, die in einen weißen
Schwan verwandelt wird und nur durch die Liebe eines Prinzen gerettet werden
kann, wobei das düstere Ebenbild der Prinzessin, der schwarze Schwan, den
Prinzen verführt, aufregend neu auf die Bühne zu bringen, verordnet er dem einstigen
Superstar Beth (Winona Ryder) zum Ende der Spielzeit ein vorzeitiges
Karriereende. Wie so viele ihrer Kolleginnen hofft auch Nina (Natalie
Portman) darauf, als neue Primaballerina die Hauptrolle in der Eröffnung
der neuen Ballettsaison zu bekommen. Dabei wird sie von ihrer Mutter Erica (Barbara
Hershey), der selbst aufgrund ihrer Schwangerschaft die große Karriere
verwehrt blieb, immer wieder angetrieben, ihr Bestes zu geben. Tatsächlich darf
sie für Thomas in der Rolle vortanzen. In seinen Augen ist Nina zwar die ideale
Besetzung für den weißen Schwan, aber zu leidenschaftslos und zu wenig
verführerisch für den Part des schwarzen Schwans, den die Hauptrolle ebenfalls
verkörpern soll. Als Thomas zudringlich wird und sie wild zu küssen versucht,
beißt sie ihm in die Zunge und glaubt, damit ihre Chance verspielt zu haben.
Doch dann kündigt Thomas sie überraschend als neuen Star an. Doch in der
Folgezeit stürzen Thomas‘ Bemerkungen über ihre mutmaßliche Frigidität, seine
ständige Kritik an ihrer Performance, das Unbehagen über das neue
Ensemblemitglied Lily (Mila Kunis) und merkwürdige Kratzspuren an ihrem
Rücken Nina immer weiter in tiefen Selbstzweifel...
Kritik:
Bereits in seinem gefeierten Drama „The Wrestler“ beleuchtete
Darren Aronofsky die Schattenseiten des Sports und trieb Hauptdarsteller
Mickey Rourke als ausgebrannten Wrestler, der sich nur noch mit einem
bunten Amphetamin-Cocktail im Ring halten kann, zu Höchstleistungen an. Ganz ähnlich
dürfte es Natalie Portman („Léon – Der Profi“, „V wie Vendetta“)
ergangen sein, die sich lange auf ihre Rolle vorbereitete, indem sie ihren früheren
Ballett-Unterricht wieder aufnahm und der als ehrgeizige, bevormundete und
unsichere Ballerina Nina die körperlichen wie seelischen Strapazen anzusehen
sind, denen sie bei den unermüdlichen Trainingseinheiten und in den aufrüttelnden
Begegnungen sowohl mit ihrem fordernden Regisseur als auch der so entspannt
wirkenden Lily ausgesetzt ist.
Die märchenhafte Dimension des bekannten Stückes, das immer
wieder mit anderen Enden ausgestattet worden ist, meist aber mit dem Freitod der
Prinzessin endet, formt Aronofsky in einen mystischen Psychothriller um,
in dem die Rollen klar verteilt sind. Vincent Cassel, der selbst auf
Ballett-Erfahrungen verweisen kann, mimt überzeugend den Maestro, der bekanntermaßen
gern mit seinen Mädchen schläft, aber eben auch die unsichere Nina dahin führt,
wo er sie haben will. Nina wiederum lebt eigentlich noch in der pinkfarbenen
Welt aus Kindertagen, behütet von ihrer Mutter, die den verpatzten Traum ihrer
eigenen Karriere nun mit ihrer Tochter zu realisieren versucht. Männer sind in
dieser Welt nicht vorgesehen. Entsprechend entrüstet reagiert sie auf Thomas‘ leidenschaftlichen
Annäherungsversuche, lässt sich dann aber nach anfänglichen Zweifeln mit ihrer
Konkurrentin Lily auf Drogen-Erfahrungen ein und wird auch sonst lockerer, wenn
sie sich in sexuelller Hinsicht selbst zu entdecken scheint. Auch wenn Aronofsky
wenig subtil mit den Symbolen umgeht, erzeugt er doch zusammen mit den Bildern seiner
Kameramanns Matthew Libatique und dem Score von Clint Mansell
einen unwiderstehlichen Sog, der die Schattenseiten des Balletts aufzeigt.
Neben der visuell berauschenden Inszenierung bestechen vor allem Natalie
Portman in der Hauptrolle und Winona Ryder („Edward mit den
Scherenhänden“, „Bram Stokers Dracula“) in der Nebenrolle als geschasste
Primaballerina durch ihre Leistungen auf der Leinwand.


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