A Killer Romance

Richard Linklater war noch nie bequem in einer Schublade unterzubringen. Zwar ist er vor allem durch die „Before“-Trilogie mit Ethan Hawke und Julie Delpy in den Hauptrollen als Liebespaar auf sehr begrenzte Zeit bekannt geworden, doch hat er mit der Science-Fiction-Animation „A Scanner Darkly“, dem Neo-Western „Die Newton Boys“ und der anarchischen Familienkomödie „School of Rock“ auch schon ganz andere Genres bedient. 2023 inszenierte Linklater mit „A Killer Romance“ schließlich eine Mainstream-taugliche, sehr vergnügliche Action-Liebes-Komödie mit nachdenklichen Untertönen.

Inhalt:

Gary Johnson (Glen Powell) ist eigentlich ein nerdiger Psychologie- und Philosophie-Professor in New Orleans, der vor seinen Studenten zwar mitreißend über Nietzsches Philosophie der Selbstverwirklichung doziert, selbst aber ein denkbar unverwirklichtes Vorstadtleben mit zwei Katzen und einem Faible für Vogelkunde führt. Da er aber auch technisch begabt ist, hilft er der örtlichen Polizei dabei aus, die Tonaufnahmen zu übernehmen, wenn sein Kollege Jasper (Austin Amelio) als vermeintlicher Auftragskiller die potenziellen Auftraggeber in die Falle tappen lässt. Doch als Jasper ausfällt und für 120 Tage vom Dienst suspendiert wird, muss er plötzlich den Ersatzmann spielen und einen Verdächtigen in die Falle locken, der ihn zur Beseitigung eines Rivalen anheuern will.
Entgegen allen Erwartungen macht Gary sich als eiskalter Killer ganz hervorragend – und wird nun regelmäßig als Lockvogel eingesetzt. Sehr schnell findet er an dem Rollenspiel so großen Gefallen, dass er sich für jede Zielperson als adäquater Killertypus verkleidet. Er entwickelt eine diebische Freude daran, für kurze, dramatische Auftritte in die sinistre Gestalt eines angeblichen Killers zu schlüpfen. Er überlegt sich immer neue Identitäten samt der dazugehörigen äußeren Erscheinung. Aufgemalte Narben und Tätowierungen, Kontaktlinsen und Zahnprothesen, Akzente und Ticks kommen virtuos zum Einsatz, um (in jeglicher Hinsicht) eine Killer-Performance abzuliefern.
Mal ist er ein tätowierter Redneck, mal ein androgyner Schnösel, mal ein smarter Charmeur.
Gary mag behaupten, durch sein „Method Undercover Acting“ das Vertrauen seiner Zielpersonen gewinnen zu wollen, tatsächlich aber scheint er vor allem verdrängte Facetten seiner eigenen Persönlichkeit auszuloten. So auch als cool gestylter, ebenso abgebrühter wie sensibler Killer namens Ron. In diesem Part verliebt er sich in eine junge Frau namens Madison ­(Adria Arjona), die ihren gewalttätigen Mann loswerden will. Anstatt sie zu überführen, überzeugt Ron sie davon, sich einfach scheiden zu lassen und die für ihn selbst bestimmte Prämie zu nutzen, sich woanders eine neue Existenz aufzubauen. Kurz darauf treffen die beiden sich wieder und werden heimlich ein Paar. Die Vorstellung, dass ihr neuer Freund ein Profikiller ist, findet Madison eher erregend als ängstigend. Doch da Jasper seinen Job zurückwill, kommt er Garys Gebaren bald auf die Schliche…

Kritik:

Richard Linklater, der zusammen mit Hauptdarsteller Glen Powell („Top Gun: Maverick“, „Hidden Figures“) das Drehbuch auf einem Artikel basierend geschrieben hat, den Skip Hollandsworth über den echten Gary Johnson verfasst hatte, inszenierte mit „A Killer Romance“ eine flotte Action-Comedy-Romanze, die eigentlich mit dem Bild des Auftragskillers, den Schauspiel-Legenden wie Charles Bronson, Alain Delon, Jean Reno und Tom Cruise im Kino verkörpert haben, aufräumen will. Offensichtlich ist es auch ganz einfach für die Polizei, die Auftraggeber für endgültige Problemlösungen in die Falle zu locken, sodass die bezahlten Killer gar nicht erst zum Einsatz kommen. Indem er den unbedarften Uni-Dozenten Gary Johnson aber ins kalte Wasser wirft, entwickelt dieser vom ersten Moment an einen tierischen Spaß daran, die Rolle des vermeintlichen Auftragskillers auszufüllen und dabei in immer neue Kostümierungen zu schlüpfen und sich entsprechend zu stylen. Mit diesem Rollenspiel bewegt sich Gary in seinen Fachbereich, denn als er sich mit seiner Ex-Frau trifft, unterhält er sich mit ihr ausführlich über Möglichkeiten, seinem Leben eine andere Wendung zu geben, und auch seine Student:innen konfrontiert er mit dem Ansinnen, Risiken einzugehen, aus dem Vollen zu schöpfen und neue Wege einzuschlagen. Es ist vor allem Hauptdarsteller Glen Powell zu verdanken, dass dieses Spiel mit Schein-Identitäten so gut funktioniert, und Linklater betont den philosophischen Kontext auch nicht zu stark, um das leichte Vergnügen der leidenschaftlichen Liaison zwischen „Ron“ und Madison nicht zu trüben. Das macht einfach bis zum vergnüglichen Finale ungemein Spaß und macht Lust auf eine Fortsetzung…

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