The Wrestler

Mit seinen ersten drei Werken „Pi – System im Chaos“ (1998), „Requiem For A Dream“ (2000) und „The Fountain“ (2006) entwickelte Darren Aronofsky eine individuelle künstlerische Handschrift, die ihn in die Nähe ähnlich ambitionierter junger Filmemacher wie David Fincher, Christopher Nolan und Steven Soderbergh brachten. Mit seinem vierten Film „The Wrestler“ (2008) überraschte Aronofsky umso mehr, als er einen fast schon dokumentarischen, völlig ungekünstelten Stil wählte, um das Portrait eines abgehalterten Wrestling-Stars zu inszenieren, und damit Mickey Rourke zu einer seiner stärksten Leistungen auf der Leinwand inspirierte.

Inhalt:

Der abgehalfterte Wrestler Randy „The Ram“ Robinson (Mickey Rourke) hat manche physische und psychische Narbe davongetragen, seine Frau und seine mittlerweile erwachsene Tochter Stephanie (Evan Rachel Wood) längst aus den Augen verloren. Er haut in einem Trailerpark und kommt mit der Miete für seinen Wohnwagen kaum hinterher. Denn das meiste Geld geht für Anabolika und andere Aufputschmittel drauf, die er benötigt, um sich halbwegs im Ring auf den Beinen halten zu können.
Eines Tages bricht Randy nach einem besonders blutigen Schaukampf kotzend zusammen, worauf er mit einem diagnostizierten Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert wird. Die ausdrückliche ärztliche Anweisung, nie wieder in den Ring zu steigen, wenn ihm sein Leben lieb ist, wird er nicht beherzigen, so viel ist ihm klar, denn das ihm zujubelnde Publikum ist alles, was The Ram noch geblieben ist.
Während er sich jedoch langsam erholt und sich vor allem zu langweilen beginnt, versucht er nicht nur, Überstunden im Supermarkt hinter der Delikatessen-Theke zu schieben, sondern auch die lose Freundschaft zur Stripperin Cassidy (Marisa Tomei) und zu seiner über die Jahre sträflich vernachlässigte Tochter zu intensivieren, doch das klappt jeweils nicht so gut wie erhofft, weshalb Randy unbedingt wieder in den Ring steigen will…

Kritik:

Nach dem esoterisch überhöhten Sinnesrausch von „The Fountain“ findet man sich bei „The Wrestler“ auf der anderen Seite der Skala wieder. Nicht das Ringen um dass ewige Leben steht hier im Vordergrund, sondern das schlichte Überleben im Hier und Jetzt. Mickey Rourke („Sin City“, „Johnny Handsome“) verkörpert einen in vielerlei Hinsicht vernarbten Wrestling-Star, der seine Hochzeit in den 1980er Jahren hatte, jetzt aber ein Hörgerät trägt und nur mit einem bunten Cocktail von Aufputschmitteln über die Runden kommt. Aronofsky und seine Kamerafrau Maryse Alberti („When We Were Kings“, „Velvet Goldmine“) verfolgen The Ram in jeder Szene und zeichnen ein tristes Bild seines verkorksten Lebens, das er nicht mehr allein durch seine Wochenendkämpfe finanzieren kann. Stattdessen schiebt er im Supermarkt Überstunden in einem verhassten Job und schlägt sich die Zeit mit Oldschool-Nintendo-Spielen und mies besuchten Autogrammstunden tot, die er mit anderen, ebenso abgehalfterten Wrestlern abhält. Aronofsky nimmt sich viel Zeit, um die tristen Lebensumstände seines Protagonisten zu dokumentieren, die nur kurzzeitig Farbe annehmen, als er sich mit der hübschen Stripperin Cassidy auch außerhalb des Clubs, in dem sie arbeitet, zu treffen beginnt, auch mit seiner Tochter wieder Kontakt hat. Doch für ein Happy End reicht es natürlich nicht. Auch wenn der Filmemacher dabei mit seinen Wiederholungen etwas dick aufträgt, ist ihm ein emotional packendes, psychologisch tiefes Drama in einem ungewöhnlichen Milieu gelungen. 

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