Benny & Joon

Seit seinem märchenhaften Auftritt in Tim Burtons zauberhaften „Edward mit den Scherenhänden“ (1990) hat sich der „21 Jump Street“-Star Johnny Depp für die Darstellung skurriler Charaktere hervorgetan, so in Emir Kusturicas „Arizona Dream“, Lasse Halmströms „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“ und auch in dem ebenfalls 1993 inszenierten Außenseiter-Drama „Benny & Joon“, das nun von StudioCanal digital remastered neu auf DVD und Blu-ray veröffentlicht wird.
Seit ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind, kümmert sich Benny (Aidan Quinn) aufopferungsvoll um seine jüngere, psychisch kranke Schwester Joon (Mary Stuart Masterson). Während er tagsüber eine Autowerkstatt leitet, vertreibt sich Joon zuhause meist mit Malerei die Zeit und wird dabei von einer Betreuerin beaufsichtigt, die Joon aber regelmäßig durch ihre Temperamentsausbrüche vergrault. Spätestens jetzt sei es an der Zeit, so empfiehlt ihre Psychiaterin Dr. Garvey (CCH Pounder), dass Benny Joon in eine psychiatrische Einrichtung bringt, doch davon will er nichts wissen. Allerdings beschränkt ihn die Fürsorge für seine Schwester in seinem Privatleben. Obwohl er sich mit der Diner-Angestellten Ruthie (Julianne Moore) verabredet, kann er sich nicht auf eine Beziehung mit ihr einlassen. Selbst zu seinem einzigen Privatvergnügen, der mit ungewöhnlichen Einsätzen wie Taucherbrillen, Baselball-Karten, Langspielplatten und Schraubenschlüsseln spielenden Pokerrunde mit seinen Freunden Thomas (Dan Hedaya), Eric (Oliver Platt) und Mike (Joe Grifasi) nimmt Benny Joon mit.
Als eines Abends Joon die dezimierte Pokerrunde ergänzt, verliert sie trotz eines Flushs mit Herzen und muss dafür Mikes kauzigen Cousin Sam (Johnny Depp) zuhause aufnehmen. Davon ist Benny alles andere als begeistert, aber als Ehrenmann löst er natürlich die Spielschuld seiner Schwester ein. Tatsächlich scheint Joon in der Gegenwart des talentierten Pantomimen regelrecht aufzublühen. Doch als Benny merkt, dass sich Joon in den Stummfilm-Fan verliebt hat, setzt er Sam auf die Straße …
Nachdem sich der kanadische Regisseur Jeremiah S. Chechik mit Musikvideos für Van Halen und Hall & Oates einen Namen gemacht hatte, durfte er 1990 mit John Hughes‘ „Hilfe, es weihnachtet sehr“ sein Hollywood-Langfilmdebüt feiern. Drei Jahre später inszenierte er mit „Benny & Joon“ eine warmherzige Außenseiter-Liebeskomödie, die vor allem ganz auf Johnny Depps Darstellung eines filmbegeisterten Pantomimen fokussiert ist und mit seinen Slapstick-Darbietungen im Stile eines Charlie Chaplin oder Buster Keaton nicht nur das Publikum im Park begeistert, sondern auch Joons Herz gewinnt.
An seiner Seite überzeugt aber auch Mary Stuart Masterson („Ist sie nicht wunderbar?“, „Grüne Tomaten“) als hochintelligente, künstlerisch veranlagte und sprachgewandte, aber von unkontrollierbaren Temperamentsausbrüchen geplagten junge Frau, die sich durch Sams Bekanntschaft nicht mehr so isoliert von ihrer „normalen“ Umwelt fühlt. Statt jedoch tiefer in die psychischen Befindlichkeiten der Protagonisten einzutauchen, fokussiert sich Chechik auf die humorvollen Elemente der Geschichte, so dass der anderen zarten Liebesgeschichte in dem Film, der zwischen Benny und Ruthie, kaum Raum zur Entfaltung gegeben wird.
Abgesehen von Bennys Fürsorge-Problem ist diese Romanze aber natürlich auch weit weniger interessant. Dank der flotten Inszenierung, des bis in die Nebenrollen toll besetzten und gespielten Plädoyers für einen normalen Umgang mit Außenseitern und des gelungenen Soundtracks (der Titelsong „I’m Gonna Be (500 Miles)“ verhalf den Proclaimers sogar zum internationalen Durchbruch) bietet „Benny & Joon“ mal heitere, mal melancholische, aber stets vergnügliche Filmkost.
"Benny & Joon" in der IMDb

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