Dreamcatcher

Seit Brian De Palma 1976 Stephen Kings Debütroman „Carrie“ verfilmte, ist der „King of Horror“ zum mit Abstand meistverfilmten Schriftsteller avanciert, auch wenn man sagen muss, dass der Großteil der Leinwand- und vor allem Direct-to-Video-Adaptionen (oft genug von weniger bekannten Kurzgeschichten) kaum als gelungen zu bezeichnen ist. Das trifft leider auch auf Lawrence Kasdans „Dreamcatcher“ zu, obwohl Kasdan mit seinen Drehbüchern zu „Das Imperium schlägt zurück“, „Jäger des verlorenen Schatzes“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ und eigenen Filmen wie „Der große Frust“, „Heißblütig – Kaltblütig“ und „Grand Canyon“ eindrucksvoll bewiesen hat, dass er emotional mitreißende Werke zu inszenieren vermag. 

Inhalt: 

Schon als Kinder waren Jonesy (Damian Lewis), Henry (Thomas Jane), Pete (Timothy Olyphant) und Beaver (Jason Lee) unzertrennliche Freunde, deren Bündnis durch die Rettung eines geistig eingeschränkten Jungen namens Duddits vor jugendlichen Rowdys noch gefestigter wurde. Zwar haben die vier Freunde den mittlerweile erwachsenen Duddits (Donnie Wahlberg) etwas aus den Augen verloren, doch treffen sich die allesamt übersinnlich begabten Freunde nach wie vor jedes Jahr in einer einsamen Hütte in den Wäldern von Maine, um der Monotonie des Alltags zu entkommen und ihre außergewöhnliche Bindung zueinander zu feiern. In diesem Jahr laufen die Dinge allerdings etwas anders. Als ein desorientierter Jäger in ihre Waldhütte stolpert, nimmt das Grauen seinen Lauf. Der unnatürlich aufgeblähte Mann rülpst und furzt stinkende Gase aus, bis der außerirdische Organismus, der ihn befallen hat, seinen Wirt verlässt und zum Angriff auf die vier Freunde bläst. Beaver und Pete werden von Neunaugen-ähnlichen Monstern getötet, während Jonesy von einem Außerirdischen „übernommen“ wird. In der Hütte breitet sich eine Art Pilz aus, der sich als Krankheitserreger über die ganze Welt zu verbreiten droht. Das versuchen die Blue Boys, eine auf die Jagd nach Außerirdischen spezialisierte Einheit des US-Militärs unter dem Kommando des skrupellosen Colonels Abraham Curtis (Morgan Freeman), mit allen Mitteln zu verhindern. 
Nachdem das gesamte Gebiet zum militärischen Sperrgebiet erklärt worden ist, plant Curtis die Auslösung allen Lebens in dem Gebiet, nachdem bereits das UFO entdeckt und zerstört worden ist. Als sich Curtis‘ Offizier Lieutenant Underhill (Tom Sizemore) der Aktion nicht anschließen will, berichtet er einem befreundeten General davon, der das Militär anrücken lässt, um die Bevölkerung vor den Blue Boys zu retten. Henry, der inzwischen an Leukämie erkrankte Duddits und der abtrünnige Underhill verfolgen Jonesy, der, gelenkt von einem der außerirdischen Wesen, das Bostoner Wasserreservoir mit dem außerirdischen Pilz verseuchen will. Auf einmal wird Henry bewusst, dass er und seine Freunde diese übersinnlichen Kräfte von Duddits erhielten, um die Welt zu retten. Doch die Zeit läuft ihnen davon… 

Kritik:

Was Lawrence Kasdan bewogen haben mag, ausgerechnet „Duddits – Dreamcatcher“, Stephen Kings fast 900 Seiten umfassendes erstes Werk nach dessen schweren Verkehrsunfall im Jahr 1999, zu verfilmen, mutet wie ein Mysterium an. Während der Roman, den King komplett mit der Hand schrieb, ähnlich wie „Es“ immer wieder zwischen der Kindheit der Protagonisten und der Gegenwart hin und her springt und den Ereignissen in der Vergangenheit sehr viel Raum einräumt, reduzieren Kasdan und sein Co-Autor William Goldman („Misery“, „Der Marathon-Mann“) diesen Part auf ein Minimum, indem sie die Auseinandersetzung mit den Halbstarken und die daraus resultierende Freundschaft mit Duddits skizzieren. 
Die Autoren nehmen sich auch die Zeit, die mittlerweile Erwachsenen mit ihren Problemen und übersinnlichen Fähigkeiten ausführlich einzuführen, doch mit den ungewöhnlichen Ereignissen in der verschneiten Waldlandschaft nimmt „Dreamcatcher“ zunehmend skurrilere Züge an. Was mit den stinkenden Rülpsern und Fürzen des desorientierten Jägers anfangs noch witzig wirkt, entwickelt sich zum handfesten Science-Fiction-Trash, sobald die außerirdischen Monster das Heft in die Hand nehmen und eine blutige Spur der Zerstörung hinter sich herziehen. 
Morgan Freeman („Outbreak“, „Im Netz der Spinne“) ist als völlig verbohrter Alien-Jäger ebenso unterfordert wie die bemühten Damian Lewis („Homeland“, „Once Upon a Time… In Hollywood“), Thomas Jane („Boogie Nights“, „Der schmale Grat“) und Jason Lee („Almost Famous“, „Vanilla Sky“) in den Rollen der mit der Situation völlig überforderten Freunde. So stimmungsvoll sowohl die Kameraarbeit von John Seale („Der einzige Zeuge“, „Der englische Patient“) als auch der Score von James Newton Howard („The Sixth Sense“, „Red Sparrow“) gelungen sind, so fragmentarisch zusammengeflickt und unglaubwürdig wirkt der Plot, der in einen unerklärlich enttäuschenden Horror-Trash mündet. Von diesem Debakel hat sich Kasdan als Regisseur nicht mehr erholt. Dabei wäre bei der Adaption von Kings Roman weit mehr drin gewesen. 

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