Inside Hollywood

Bereits 1997 hat Barry Levinson mit der starbesetzten Mediensatire „Wag the Dog“ einen erfrischenden Blick hinter die Kulissen von Politik und Medien geworfen. Mehr als zehn Jahre später versuchte er sich erneut an einer kritischen Auseinandersetzung, diesmal mit dem Filmgeschäft. Dabei versprüht „Inside Hollywood“ nach einem Buch und Drehbuch des bekannten Hollywood-Produzenten Art Linson („Die Verdammten des Krieges“, „The Untouchables – Die Unbestechlichen“, „Heat“) zwar nicht den giftig-bissigen Charme von „Wag the Dog“, fesselt aber durch die großartigen Darstellungen von Robert De Niro, Michael Wincott und Robin Wright sowie den Cameos von Sean Penn und Bruce Willis

Inhalt: 

Der einflussreiche Produzent Ben (Robert De Niro) sieht mit Sorge der bevorstehenden Testvorführung seines neuen Films „Fiercely“ mit Sean Penn in der Hauptrolle entgegen, denn für die Regie ist mit Jeremy Brunell (Michael Wincott) ein tablettensüchtiges Enfant terrible verantwortlich, und die Studiochefin Lou Tarnow (Catherine Keener) ist bekannt dafür, keine Kompromisse zu dulden. Tatsächlich zeigen sich etliche Zuschauer bei dem Test Screening entsetzt, als im Finale von „Fiercely“ nicht nur die von Sean Penn dargestellte Figur erschossen wird, sondern auch deren Hund. Natürlich beharrt Lou auf eine Überarbeitung des Endes, um nicht mehr Millionen bei dem Film zu verlieren als nötig, doch Jeremy will sich in seine künstlerische Freiheit nicht reinreden lassen. 
Das würde allerdings auch bedeuten, dass der Film nicht wie geplant in knapp zwei Wochen seine Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes feiern kann. Ben kann Jeremy zum Glück doch noch davon überzeugen, seinen Film neu zu schneiden, so dass alle erwartungsvoll der Premiere in Cannes entgegensehen. Ben hat allerdings noch andere Probleme an der Backe. So weigert sich Bruce Willis, der Star seines zweiten Projekts, seinen Bart abzunehmen, den er sich in den letzten sechs Monaten wachsen ließ, so dass man ihn kaum wiedererkennt. Für die 20 Millionen Dollar, die Willis für den Film einstreicht, soll er allerdings auch die Forderungen des Studios erfüllen. Nimmt er den Bart nicht ab, werde der Film nicht gedreht, mahnt das Studio und setzt damit gleichermaßen Ben und Willis‘ Agenten Dick Bell (John Turturro) unter Druck. 
Auch privat schleppt Ben Probleme mit sich herum. Mit seiner zweiten Ehefrau Kelly (Robin Wright), mit der Ben in Scheidung lebt, besucht er regelmäßig eine Trennungsberaterin, auch wenn beide noch Gefühle füreinander hegen, und Zoe (Kristen Stewart), die 17-jährige Tochter aus Bens erster Ehe, scheint eine Affäre mit einem Produzenten gehabt zu haben, der sich gerade erst das Hirn aus dem Schädel geschossen hatte, und Kelly erwischt er beim Tête-à-Tête mit dem Drehbuchautor Scott Solomon (Stanley Tucci)… 

Kritik: 

Im Jahr 2002 veröffentlichte der bekannte Hollywood-Produzent Art Linson seine entwaffnend ehrliche Autobiografie „What Just Happened? Bitter Hollywood Tales From The Front Line“, die einen amüsanten Einblick hinter die Kulissen der Filmbranche präsentierte und von Linson selbst zu einem Drehbuch adaptiert wurde. Mit Barry Levinson („Sleepers“, „Bugsy“) fand sich schließlich ein versierter Filmemacher, der bereits mit „Wag the Dog“ unter Beweis gestellt hatte, dass er gekonnt mit so bissigen Themen umzugehen weiß. 
Davon ist bei „Inside Hollywood“ allerdings nicht viel zu merken. Als Rahmen für die Geschichte fungiert ein Fotoshooting des Branchenblatts „Vanity Fair“, das Ben zu den dreißig einflussreichsten Produzenten zählt. Doch sein Einfluss in Hollywood scheint zu schwinden, was daran abzulesen ist, dass er nicht wie geplant zwischen dem „O“ und „W“ des Wortes POWER platziert werden soll, sondern ganz am Rande vor dem „P“ und so fast schon droht, seinen ganzen Einfluss zu verlieren. 
Tatsächlich wirkt der von Robert De Niro stark gespielte Produzent etwas verbraucht und mit wenig Einfluss auf seine Stars und Filmemacher. Wirklich Erhellendes gibt „Inside Hollywood“ nicht preis. Dass Schauspieler teilweise überbezahlt sind und ihre Extravaganzen ausleben, ist ebenso wenig überraschend wie die künstlerischen Ansprüche von Regisseuren. Unterhaltsam wirken vor allem die Cameo-Auftritte von Sean Penn und Bruce Willis, aber auch Michael Wincotts exzentrische Verkörperung des unberechenbaren Regisseurs, der bei seiner Ansprache vor der Premiere seines Films in Cannes ordentlich vom Leder zieht. Doch von Wincotts und Willis‘ herrlich inszenierten Wutausbrüchen abgesehen bildet „Inside Hollywood“ nur das ab, was Filmbegeisterte ohnehin schon wissen, dass Filmproduktionen von Geld und Einfluss bestimmt werden und Namen nur so lange ziehen, wie sie im Kino erfolgreich sind.  

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