Sodbrennen

Bevor Nora Ephron mit ihren Drehbüchern zu Romedys wie „Harry und Sally“ (1989), „Schlaflos in Seattle“ (1993) und „e-m@il für Dich“ (1998) zum Erfolgsphänomen Hollywood avancierte, feierte sie mit Regisseur Mike Nichols bereits 1983 ihren Durchbruch, als er mit Meryl Streep, Kurt Russell und Cher in den Hauptrollen ihr Drehbuch zu dem Drama „Silkwood“ verfilmte. Drei Jahre später wirkten Nichols, Streep und Ephron auch bei „Sodbrennen“ zusammen, doch trotz hochkarätiger Besetzung entwickelt der Film überhaupt kein Esprit. 

Inhalt: 

Auf einer Hochzeit verguckt sich die New Yorker Ernährungsredakteurin Rachel Samstat (Meryl Streep) in den charismatischen Politik-Journalisten Mark Foreman (Jack Nicholson) aus Washington. Rachel verliebt sich nicht nur in den Playboy, sondern schafft es sogar, ihn zur Heirat zu bewegen. Zwar bekommt sie kurz vor der Trauung ernsthafte Zweifel, zieht die Sache aber durch und bezieht in der US-Hauptstadt mit ihrem Mann ein heruntergekommenes Haus, in dem die Handwerker nur entfernt das tun, was ihnen aufgetragen worden ist. 
Rachel wird mit einer Tochter, Annie, schwanger und muss erkennen, dass die Probleme ihres Alltagslebens durch das Baby nur notdürftig kaschiert werden. Als sich im Freundeskreis herumspricht, dass eine befreundete Fernsehjournalistin, Thelma, offenbar eine Affäre hat, wird zwar wild spekuliert, mit wem sie dieses Tête-à-Tête unterhält, doch kommt Rachel erst bei einem Friseurbesuch auf die Idee, dass Mark dieser Jemand sein könnte. Beim Durchwühlen seiner Schreibtischschublade stößt sie tatsächlich auf die eindeutigen Beweise seiner Untreue und konfrontiert ihn damit. Zwar will Mark nicht mit ihr darüber reden, gibt die Affäre aber zu, worauf die bereits wieder schwangere Rachel mit ihrer Tochter zu ihrem Vater (Steven Hill) nach New York zieht und darauf wartet, dass Mark sich bei ihr meldet. Tatsächlich bittet er Rachel um Verzeihung und bittet sie, zu ihm zurückzukommen, muss aber versprechen, Thelma nicht wiederzusehen. Doch auch der Neubeginn ihrer Ehe gestaltet sich problematisch, denn Mark kann nicht aufhören, anderen Röcken nachzujagen… 

Kritik: 

Nora Ephron hat in ihrem 1983 veröffentlichten Roman „Heartburn“ ihre eigenen Erfahrungen mit Ehebruch verarbeitet und ihre Geschichte auch zu einem entsprechenden Drehbuch verarbeitet. Mit Mike Nichols („Die Reifeprüfung“, „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“) wurde auch ein namhafter Regisseur verpflichtet, mit Meryl Streep, Jack Nicholson, Jeff Daniels, Catherine O’Hara, Maureen Stapleton und Richard Masur auch ein prominenter Cast, so dass eigentlich nichts schief gehen konnte. Doch Ephron hat offenbar zu wenig Distanz zu ihrer eigenen Geschichte und Mike Nichols nicht den rechten Ansatz gefunden zu haben, die Story mit Witz und Pep zu inszenieren. 
Meryl Streep und Jack Nicholson bemühen sich zwar redlich, ihren stereotypen Rollen etwas Charisma zu verleihen, doch können sie die träge inszenierte und weder tragische noch witzige Story nicht retten. Zu selten zünden Momente, in denen Jack Nicholson als frisch gebackener Ehemann einen Temperamentausbruch ausleben darf, wenn die Handwerker den Zugang zur Küche nur von draußen vorgesehen haben, und Meryl Streep als betrogene Ehefrau ihrem Mann eine Sahnetorte ins Gesicht wirft oder ihrer Kontrahentin eine Geschlechtskrankheit andichtet. 
So kommt „Heartburn“ (der deutsche Titel „Sodbrennen“ passt kurioserweise besser zur Qualität des Films, auch wenn er nichts mit der Geschichte zu tun hat) recht unspektakulär ohne echte Höhepunkte daher. Immerhin durften Streep und Nicholson ein Jahr darauf zusammen überzeugender in Hector Babencos Obdachlosen-Drama „Wolfsmilch“ spielen und ihre Schmach etwas ausmerzen. Für Fans beider Schauspieler ist „Sodbrennen“ jedoch eine herbe Enttäuschung. 

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