Nicht auflegen!

Joel Schumachers Ruf hatte nach dem Debakel mit den beiden Batman-Filmen „Batman Forever“ und „Batman & Robin“ einen schweren Stand, gelang es ihm doch in der Folge auch mit ganz anderen Filmen wie „8mm“, „Makellos“, „Tigerland“ und „Bad Company“ nicht mehr, an frühere Erfolge mit den John-Grisham-Verfilmungen „Der Klient“ und „Die Jury“ sowie den erstklassigen Thrillern „Flatliners“ und „Falling Down“ anzuknüpfen. Erst mit dem 2002 entstandenen Echtzeit-Thriller „Nicht auflegen!“ kehrte Schumacher – wenn auch nur kurzfristig – in die Erfolgsspur zurück. 

Inhalt: 

Stuart „Stu“ Shepard (Colin Farrell) rennt mit einem schicken Anzug, einem nicht bezahlten Assistenten im Schlepptau und dem Handy am Ohr durch die New Yorker Straßen und versucht als Medienberater seine Mandanten prominent in Magazinen und Fernsehshows zu platzieren. Dabei spart er nicht an Lügen, falschen Versprechen und Halbwahrheiten, um seine Geschäftspartner gegenseitig auszuspielen. Zu den Höhepunkten seines Tages zählen die regelmäßigen Anrufe, die er aus einer der wenigen noch verbliebenen Telefonzellen tätigt, die sich an der 53. Straße zwischen Broadway und Eighth Avenue befindet, denn diese Anrufe an die Schauspielerin Pamela McFadden (Katie Holmes) kann Stus Ehefrau Kelly (Radha Mitchell) nicht zurückverfolgen, wenn sie die Handyrechnungen ihres Mannes kontrolliert. An diesem Tag läuft es jedoch etwas anders. 
Zunächst wird Stu von einem Pizzaboten gestört, der behauptet, die Pizza in seinen Händen sei für den Mann in der Telefonzelle, also für ihn, bestimmt und auch schon bezahlt, doch Stu schickt den Boten mit einem Trinkgeld fort. Nachdem Stu vergeblich versucht hat, sich mit Pam zu verabreden, klingelt erneut das Telefon und Stu nimmt reflexartig ab. Der Anrufer (Kiefer Sutherland) lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass er Stu anrufen wollte, und zwingt ihn, in der Leitung zu bleiben, sonst würde er sterben. Der anonyme Anrufer kennt Details aus Stus Leben und weiß auch, wo er wohnt und dass er seine Frau mit Pam zu betrügen beabsichtigt. Als einige Prostituierte Stu dazu bewegen wollen, die Zelle zu verlassen, schickt er sie zum Teufel, so dass sie ihren Zuhälter Lou zur Hilfe holen. Stu gelingt es nicht, den Mann fortzuschicken, so dass der Anrufer den Mann auf offener Straße niederschießt. 
Wenig später trifft die Polizei ein. Captain Ramey (Forest Whitaker) will auf jeden Fall verhindern, dass Stu durch einen Polizisten getötet wird, schließlich filmen die Touristen das Spektakel und die Medien sind auch schon vor Ort. Während Stu Ramey deutlich zu machen versucht, dass er keine Waffe in seinem Besitz habe, zwingt der Anrufer Stu, unangenehme Wahrheiten auszusprechen… 

Kritik: 

Nach einem Drehbuch von Larry Cohen („Bestseller“, „Die Wiege des Bösen“), der sich von Alfred Hitchcocks Spannungs-Klassiker „Bei Anruf Mord!“ inspirieren ließ, hat Joel Schumacher einen Thriller inszeniert, der nicht nur in Echtzeit spielt, sondern auch noch nahezu an einem Schauplatz stattfindet. „Nicht auflegen!“ braucht nur wenige Minuten, um den Promoter Stu Shepard als überheblichen Yuppie zu charakterisieren, der sein Leben auf einem Gerüst aus Selbstbetrug und Lügen aufgebaut hat und keine Hemmungen verspürt, andere Menschen für seine Zwecke zu missbrauchen oder gegeneinander auszuspielen.  
Colin Farrell, der bereits in Schumachers Antikriegsfilm „Tigerland“ (2000) überzeugend die rebellische Titelrolle verkörperte, ist die Rolle wie auf den Leib geschrieben. Wie er nicht nur am Telefon die Menschen zu manipulieren versteht, ist toll gespielt. Farrell vermag aber auch den sukzessiven Kontrollverlust über sein Leben hervorragend darzustellen. Daneben kann eigentlich nur noch Forest Whitaker („Ghost Dog“, „Der letzte König von Schottland“) schauspielerische Akzente als Captain setzen, der die undurchsichtige Situation zu eskalieren versucht. Kiefer Sutherland, Schumachers Star aus „The Lost Boys“ und „Flatliners“, ist nur am Ende kurz zu sehen, erzeugt aber allein durch seine bedrohliche Stimme am Telefon eine starke Präsenz, die nicht nur sein ausgesuchtes Opfer einschüchtert. Schumacher versteht auch die Limitierung durch den eingeschränkten Schauplatz gut für den Spannungsaufbau zu nutzen. Durch Splitscreens, Parallelmontagen auch auf der Tonebene verdichtet er geschickt die Atmosphäre und hält die Spannung bis zum Schluss hoch. Da ist es leicht zu verschmerzen, dass Schumacher wie schon in „8mm“ eine fragwürdige Moral zur Schau stellt, wenn der Killer so drastische Mittel verwendet, um seine moralisch verkommenen Opfer wieder in die Spur zu bringen. 

Kommentare

Beliebte Posts