Das Gangster-Syndikat

Nachdem die britische Produktionsgesellschaft Hammer Films Ende der 1940er Jahre angefangen hatte, die erfolgreiche BBC-Hörspielreihe „Dick Barton“ mit mehreren Filmen zu adaptieren, waren es Anfang der 1950er Jahre Krimis wie „Vom Täter fehlt jede Spur“ (1952), „Teufel in Blond“ und „Todesroulette“ (beide 1953) sowie die von Terence Fisher („Dracula“, „Frankensteins Fluch“) inszenierten Filme „Erpresserin“ (1952), „Four Sided Triangle“, „Spaceways“ und „Blood Orange“ (alle 1953), mit denen Hammer seine Brötchen verdiente. Für Montgomery Tullys „Das Gangster-Syndikat“ (der in den USA unter dem Titel „Terror Street“ in die Kinos kam) konnte sogar Hollywood-Darsteller Dan Duryea („Der blonde Tiger“, „Straße der Versuchung“) gewonnen werden. 

Inhalt: 

Der britische Pilot Major Bill Rogers (Dan Duryea) kehrt nach neun Monaten in den USA für 36 Stunden in seine Heimat zurück, nachdem er überraschend lange nichts von seiner Frau Katie (Elsie Albiin) gehört hatte. Als er das gemeinsame Apartment aufschließt, entdeckt er einen Haufen von ihm geschriebene, nicht geöffnete Briefe von ihm an sie hinter der Tür auf dem Boden und mit Laken abgedeckte Möbel. Eine weitere Inspektion ergibt, dass Katie offensichtlich ihre Sachen gepackt und ohne eine Nachricht an ihn verschwunden ist. 
Von seiner Nachbarin, der gemeinsamen Freundin Pam Palmer (Marianne Stone) erfährt Bill, dass Katie in ein Apartment im West End gezogen sei. Als er sich durch den Portier dort Zugang verschafft, wartet er auf Katies Ankunft, wird kurz nach ihrem Eintreffen aber von einem Unbekannten ausgeknockt. Als Bill wieder erwacht, liegt Katie erschossen neben ihm, die Tatwaffe ist mit seinen Fingerabdrücken versehen. Da der eigentliche Täter bereits die Polizei informiert hat, tritt Bill die Flucht an und dringt durch das Fenster in das Apartment einer Küchen-Angestellten Jenny (Gudrun Ure), die sich bereit erklärt, den Flüchtigen bei sich zu verstecken, nachdem sie seine Geschichte gehört hat. Gemeinsam finden sie heraus, dass Katie offensichtlich in eine Diamanten-Schmuggel-Affäre verwickelt war, deren Drahtzieher alles daran setzen, Rogers aus dem Verkehr zu ziehen … 

Kritik: 

Nach einem Drehbuch des Oscar-nominierten Steve Fisher („Bestimmung Tokio“) hat der ebenso umtriebige Montgomery Tully („Die blinde Spinne“, „Nachts am Teufelspunkt“) in der Tradition des US-amerikanischen Film noir ein recht konventionelles Krimi-Drama inszeniert, in dem ein unschuldig Verdächtigter 36 Stunden – also bis zu seinem Rückflug in die USA – Zeit hat, seine Unschuld zu beweisen und den Mörder seiner Frau zu finden. 
Viel Mühe mit der Charakterisierung geben sich Fisher und Tully dabei nicht. Die Liebesgeschichte zwischen Bill und Katie wird im kurzen Rückblick und anhand von ein paar nichtssagenden Schnappschüssen rekapituliert, bevor die eigentlich für nur drei Monate geplante Fortbildung in den USA erste Schatten über das Eheglück wirft und Katie nach mehreren Monaten schließlich ein neues, luxuriöseres Leben angestrebt hat. 
Arg konstruiert und wenig glaubwürdig wirkt dann das unmittelbare Verständnis und die damit einhergehende Hilfsbereitschaft von Jenny, der es überhaupt nichts auszumachen scheint, dass ein Fremder bei ihr durchs Fenster eingestiegen ist. Die Suche nach Katies Mörder bzw. die Aufdeckung des Schmuggler-Rings gestaltet sich annehmbar, aber wenig originell, so dass „Das Gangster-Syndikat“ zwar mit Dan Duryea einen Noir-erfahrenen, aber irgendwie lustlos spielenden Hollywood-Hauptdarsteller und mit Elsie Albiin, Marianne Stone und Gudrun Ure drei ansehnliche weibliche Rollen präsentiert, die aber kaum die Möglichkeit haben, ihren Figuren etwas Profil zu verleihen. 

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