Der Boss

Anfang der 1980er konnte Jean-Paul Belmondo mit Filmen wie „Der Profi“ (1981), „Das As der Asse“ (1982), „Der Außenseiter“ (1983) und „Die Glorreichen“ (1984) noch seine Fans bei Laune halten, doch spätestens mit der Beziehungskomödie „Fröhliche Ostern“ (1984) waren die Ermüdungserscheinungen des Bebel-Phänomens deutlich zu spüren. In der 1985 von Alexandre Arcady inszenierten Action-Komödie „Der Boss“ darf Belmondo wieder lockere Sprüche am Fließband klopfen und sich ausnahmsweise mal in Montreal und Rom verlustieren. 

Inhalt: 

Für seinen nächsten Coup hat der ausgebuffte Gangster Grimm (Jean-Paul Belmondo) sich die größte Bank Montreals ausgesucht, die er in einem Clowns-Kostüm betritt und Belegschaft und Kundschaft nach dem Auslösen des Polizeialarms als Geiseln nimmt. Während der sichtlich überforderte Polizeichef Lefèvre (Jean-Pierre Marielle) versucht, mit dem Clown die Verhandlungen zu führen, vermittelt Grimm sowohl den Polizisten als auch den Medien das Bild eines geistesgestörten Verbrechers, mit dem nicht zu spaßen ist. Was niemand ahnt: Unter den mutmaßlichen Geiseln befinden sich auch Grimms Komplizen, neben George (Guy Marchand) auch noch dessen attraktive Freundin Lise (Kim Cattrall), die als Schwangere getarnt die Aufgabe übernimmt, die zwei Millionen kanadische Dollar aus der Bank zu transportieren. Durch ein geschicktes Manöver gelingt den drei Gaunern die Flucht, doch schon sitzt ihnen auf dem Weg zum Flughafen Grimms alter Gefängniskumpan Lasky (Tex Konig) im Nacken, der auch einen Teil der Beute für sich beansprucht, während Lefèvre die Schmach nicht auf sich sitzen lassen will und den Flughafen von Montreal zusammen mit dem einzigen Zeugen absucht, der die drei Bankräuber identifizieren kann… 

Kritik:

Bereits mit seinen ersten drei Filmen („Le coup de sirocco“, „Der Superboss“ und „Le grand carnaval“) hat sich der in Algerien geborene Alexandre Arcady nicht gerade mit Ruhm bekleckert, weshalb man sich wirklich fragen muss, warum er mit diesem Belmondo-Film beauftragt worden ist. Die Story ist zunächst einmal gar nicht so uninteressant und wurde 1990 von und mit Bill Murray unter dem Titel „Ein verrückt genialer Coup“ neu verfilmt. 
Belmondo darf als genialer Bankräuber im Clownskostüm vor allem in der ersten Hälfte des Films voll aufdrehen und die hilflosen Polizisten gnadenlos vorführen. Wie der „Boss“ mit seinen beiden Komplizen das Geld aus dem Safe in seine Wohnung schafft, ist amüsant anzusehen, doch hätte ein besserer Regisseur wahrscheinlich mehr aus der Beziehung zwischen Grimm, George und Lise gemacht. Das Liebesgeplänkel zwischen George und der attraktiven Blondine beginnt nämlich schnell zu nerven, und überhaupt wird die Beziehung zwischen den drei Bankräubern nicht sorgfältig genug charakterisiert. Gänzlich unklar ist die Rolle von Lasky, der eher wie ein grimmiger Sidekick dafür sorgt, die Handlung voranzutreiben und sich wilde Verfolgungsjagden mit den Gaunern zu liefern. 
In der zweiten Filmhälfte beschränkt sich die Story nämlich fast allein auf die Flucht nach Paris, bei der allerdings immer neue Hürden genommen werden müssen. Kim Cattrall („Sex and the City“), die zuvor erst in „Police Academy“ ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen konnte, dient hier nur als adretter Hingucker und wirkt ebenso austauschbar wie die früheren Frauenrollen in Belmondos Filmen. Schade drum, da hätte mehr draus werden können.  

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