Die Akte Jane

Es ist schon erstaunlich, wie ein so visionärer Filmemacher wie Ridley Scott, der uns die Science-Fiction-Meilensteine „Alien“ (1979) und „Blade Runner“ (1982) geschenkt hat und mit „Thelma & Louise“ (1991) auch eine erzählerische Reife demonstrieren konnte, zwischenzeitlich immer wieder so unausgegorene, teilweise sogar schwache Werke wie „Legende“ (1985), „1492 – Die Eroberung des Paradieses“ (1992) und „White Squall“ (1996) abgeliefert hat. Seinen Tiefpunkt erreichte Scott 1997 mit dem vermeintlich feministischen, letztlich sexistischen Navy-SEALs-Drama „Die Akte Jane“.

Inhalt: 

Die ambitionierte Senatorin Lillian DeHaven (Anne Bancroft) ist der sexistische Charakter der US-Militär-Truppen mehr als nur ein Dorn im Auge. Sie setzt sogar alles daran, der Öffentlichkeit zu beweisen, dass Frauen ebenso wie ihre männlichen Kollegen das brutale Ausbildungsprogramm bei den Navy SEALS absolvieren können, das gemeinhin als eines der härtesten der Welt betrachtet wird. Unter den möglichen Vorzeigekandidatinnen entscheidet sie sich für die ebenso intelligente wie attraktive Jordan O'Neill (Demi Moore), die gemeinsam mit ihrem Freund Royce (Jason Beghe) in der Army unaufgeregten Innendienst versieht. 
Dass sich seine Freundin den Strapazen einer Navy-SEALS-Ausbildung unterziehen will, findet alles andere als seine Begeisterung. Von einer gleichberechtigten Behandlung erfährt O’Neill aber nicht viel. Bei ihrer Ankunft auf der Catalano Naval Base in Florida rückt ihr Vorgesetzter, C.O. Salem (Scott Wilson), ihr nicht nur den Stuhl zurecht, sondern sorgt auch für eine separate Unterkunft mit eigenem Waschraum. Doch die größte Herausforderung begegnet ihr in ihrem sadistischen Ausbilder Master Chief John James „Jack“ Urgayle (Viggo Mortensen), der nichts unversucht lässt, die legendäre Statistik zu erfüllen, nach der gut sechzig Prozent des Trainingsprogramms vorzeitig aufgeben. 
Dabei betrachtet der Master Chief O’Neill als vermeintlich leichtes Opfer, doch nach dem ersten Tag ist es ein Mann, der zuerst die Ausbildung abbricht. Und auch in den nächsten Tagen beißt sich O’Neill tapfer durch, bis Urgayle den Bogen zu überspannen droht… 

Kritik: 

Demi Moore wurde in den 1980er Jahren in Filmen wie „St. Elmo’s Fire“ und „Das siebte Zeichen“ bekannt und durch den Blockbuster „Ghost – Nachricht von Sam“ (1990) zu Hollywoods größtem weiblichen Star. Doch nach Filmen wie „Eine Frage der Ehre“, „Enthüllung“ und „Ein unmoralisches Angebot“ an der Seite von Stars wie Michael Douglas, Tom Cruise, Robert Redford und Jack Nicholson wollte sie ihrer Karriere nach den Flops mit „Der scharlachrote Buchstabe“ und „Striptease“ ein neues Profil verleihen und brachte das Drehbuch von Danielle Alexandra zu Scott, der nach den Flops mit „1492 – Die Eroberung des Paradieses“ und „White Squall“ sich ebenfalls neu aufstellen musste. 
Allerdings haben sich sowohl Moore als auch Scott mit „Die Akte Jane“ keinen Gefallen getan. Moore, die sich bereist in „Striptease“ einer körperbetonten Rolle annahm, schlüpfte für „G.I. Jane“ in die Rolle einer Frau, die es nicht nur sich selbst, sondern vor allem den Männern beweisen will, dass sie ebenso taff ist. Ihre mit Silikoneinsätzen aufgepeppte Oberweite kann Moore natürlich kaum verstecken, aber davon abgesehen inszeniert Scott sie als androgynes Wesen mit männlicher Stoppelfrisur und vor Schweiß glänzenden Muskeln. Das Absolvieren des Körper und Geist herausfordernden SEALs-Programms spitzt sich in dem Duell zwischen O’Neill und ihrem offensichtlich homosexuellen Master Chief, der Mozart hört und „Lady Chatterley“ liest, zu, wobei es an sexistischen Gesten und Ausdrücken wahrlich nicht mangelt. 
Dass O’Neill es durchaus mit ihrem Ausbilder aufnehmen kann, beweist sie eindrucksvoll nach seinem Versuch, sie durch das Eintauchen in ein Wasserfass zur Kapitulation zu zwingen, worauf sie ihn – mit auf dem Rücken gefesselten Händen – zu Boden tritt und ihn auffordert, „ihren Schwanz zu lutschen“. Mit einem feministischen Ansinnen hat Scotts Film absolut nichts zu tun. Er stellt eine letztlich sehr aufdringlich inszenierte Sadomaso-Phantasie dar, in der homophoben und sexistischen Ansätzen freier Lauf gewährt wird. Das vermeintliche Happy End, bei dem sich die harte Ausbildung im tatsächlichen Kampfeinsatz zu rechtfertigen scheint, setzt dem verklärenden Navy-SEALs-Propaganda-Filmchen noch die Krone auf. Daran ist Co-Autor David Twohy („Auf der Flucht“, „Waterworld“) sicher nicht ganz unschuldig, sollte er das ursprüngliche Skript doch mit etwas Action aufpeppen. 
Demi Moore wurde schließlich mit der „Goldenen Himbeere“ als schlechteste Schauspielerin „geehrt“, Ridley Scott feierte drei Jahre nach diesem Tiefschlag mit „Gladiator“ ein unerwartetes Comeback. 

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