Domino

Im Jahr 2001 landete Drehbuchautor und Regisseur Richard Kelly mit dem Mystery-Drama „Donnie Darko“ für einen echten Überraschungshit, weshalb man sehr gespannt sein durfte, was er aus der Lebensgeschichte der Kopfgeldjägerin Domino Harvey machen würde. Er bekam den Zuschlag, nachdem Tony Scott die Story bereits mit anderen Autoren wie Steve Barancik („Die letzte Verführung“) und Tarantino-Kumpel Roger Avery („Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“) entwickelt hatte. Am Ende ist „Domino“ (2005) ein visuell überfrachtetes, glänzend besetztes Action-Movie geworden, bei dem die Story schnell zur Nebensache wird. 

Inhalt: 

Als Tochter des Hollywoodstars Lawrence Harvey („The Manchurian Candidate“, 1962) und des Topmodels Sophia Wynn (Jacqueline Bisset) hätte Domino (Keira Knightley) durchaus ein Leben in sorgenfreiem Luxus genießen können, doch daran war sie nie interessiert. Nach dem Tod ihres Vaters hatte ihre Mutter sie in ein Internat gesteckt, um sich einen neuen reichen Mann zu angeln, während der Tod ihres Goldfischs sie schon als Kind gelehrt hat, nicht zu viele Emotionen in eine Sache zu investieren. 
Nach einer kurzen Karriere als Model schlägt Domino einen ganz anderen Weg ein, nimmt an einem 99$-Dollar-Seminar für angehende Kopfgeldjäger bei Claremont Williams (Delroy Lindo) und Ed Moseby (Mickey Rourke) teil. Domino wird Zeuge, wie sich Moseby mit seinem Compagnon Choco (Edgar Ramírez) während der Pause mit den Einnahmen verdrückt, versperrt ihnen erst keck den Fluchtweg und zwingt sie dann, sie mit ins Team zu nehmen. 
Tatsächlich erweist sich Domino bei den oft gefährlichen Einsätzen als äußerst taffe Kopfgeldjägerin, auf die auch Reality-TV-Produzent Mark Heiss (Christopher Walken) aufmerksam wird. Doch ausgerechnet als sich ein Fernsehteam an ihre Fersen heftet, werden Domino, Moseby und Choco in einen Deal hineingezogen, den Williams eingefädelt hat. Bei einem Raubüberfall haben vier als First Ladys maskierte Gangster einen Geldtransporter überfallen, der zehn Millionen Dollar enthielt, die dem Casino-Besitzer Drake Bishop (Dabney Coleman) gehörten. 
Williams bietet Bishop an, das Geld gegen einen Finderlohn von 300.000 Dollar, die seine Geliebte Lateesha (Mo’Nique) für eine Operation ihrer Enkelin benötigt, wiederzubeschaffen. Allerdings sorgt der Umstand, dass zwei Personen der vier „First Ladys“ die Söhne des Mafiabosses Anthony Cigliutti (Stanley Kamel) sind, für unvorhergesehene Komplikationen… 

Kritik: 

Auch wenn es sich bei „Domino“ um die Lebensgeschichte von Domino Harvey (1969–2005) handelt, die die Rechte an ihrer Lebensgeschichte 1995 für 360.000 US-Dollar verkauft hatte, macht Tony Scott schon im Vorspann klar, dass es sich nur um eine „fast wahre“ Geschichte handelt. Die von Kelly und Scott inszenierte Story ist schließlich auch zu wild und abgefahren, als dass sie sich so zugetragen haben könnte, doch der halluzinative Bilderrausch drängt den Plot ohnehin bald in den Hintergrund. Wie in bester Film-noir-Tradition wird Domino als Ich-Erzählerin eingesetzt, die im Verhör mit einer FBI-Agentin (Lucy Liu) die Geschehnisse im Rückblick rekapituliert. 
Doch schon die übersättigten Gelb- und Grün-Töne machen deutlich, dass Scott ansonsten recht wenig mit den Stilmitteln des Noir zu schaffen hat. Im Schnelldurchlauf skizziert er Dominos Werdegang, friert immer wieder Bilder ein, wechselt zum Schnelldurchlauf, spielt mit dem Wechsel von Farbe und Schwarzweiß, mit Perspektiven und Kameraeinstellungen. Keine Frage, in visueller Hinsicht zeigt der ehemalige Werbefilmer einmal mehr, was er draufhat. In dem nachfolgenden, etwas unübersichtlich und hektisch inszenierten Heist-Plot sorgt vor allem Keira Knightley („Fluch der Karibik“, „Stolz & Vorurteil“) mit einer ebenso sexy wie kraftvollen Bad-Ass-Performance für starke Momente, die von einem starken Cast mit Mickey Rourke, Christopher Walken, Jacqueline Bisset und Lucy Liu wunderbar ergänzt wird. 
Doch die können allesamt ihre Talente kaum ausspielen, so sehr ist Scott mit der Inszenierung eines wahren Fiebertraums beschäftigt, der weder Platz für Figurenzeichnung noch für eine glaubwürdige Story hat. „Domino“ funktioniert vor allem als ekstatischer Trip wie im Drogenrausch, wobei Harry Gregson-Williams (dessen Hauptthema aus „Mann unter Feuer“ ebenfalls verwurstet wurde) elektronisch pochender Score und ein funkig-rappig-rockige Songs von Tom Jones, Da Diggler, Nitty, Shantel, Xzibit, Brad Hatfield, Bahamadia, Tom Waits u.a. für den passenden Soundtrack sorgen. 

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