Mördersyndikat San Francisco

Eigentlich ist der mit 130 Regie-Credits überaus produktive Joseph Kane (1894-1975) vor allem für seine Western bekannt geworden, die er mit Stars wie John Wayne, Roy Rogers und Gene Autry in den 1940er Jahren für das kleine Studio Republic realisierte, aber hin und wieder waren auch sehenswerte Film noirs dabei, wie der 1952 entstandene „Hoodlum Empire“, der hierzulande unter dem irreführenden Titel „Mördersyndikat San Francisco“ bekannt wurde – schließlich spielt das Krimi-Drama in New York … 

Inhalt: 

Der New Yorker Senator William J. Stevens (Brian Donlevy) empfängt in seinem Büro mit seinen Kollegen Blake (Don Beddoe) und Tower (Gene Lockhart) den Police Commissioner Garrison (Charles Trowbridge) sowie Police Inspector Willard (John Halloran). Ihnen wird durch Ralph Foster (Damian O’Flynn), Chief Counselor ihres Komitees zur Bekämpfung des organisierten Glücksspiels, eine Liste mit 23 Zeugen vorgelegt. Unter ihnen befindet sich neben Joe Gray (John Russell), der mit Stevens in Frankreich gegen die Nazis gekämpft hatte, vor allem dessen Onkel, der Gangsterboss Nicholas Mancani (Luther Adler), der seinem Anwalt Benjamin Lawton (Taylor Holmes) zufolge allerdings außerhalb des Landes sein soll. Tatsächlich fährt Mancani aber am nächsten Morgen mit Connie Williams (Claire Trevor) zu einem Bürogebäude, in der die von Mancini geleitete National Finance & Realty Company residiert. Während Connie etwas zum Frühstücken organisieren soll, aber heimlich die Gespräche in dem Büro mithört, erörtert Mancani mit seinem Anwalt und seiner rechten Hand, Charley Pignatalli (Forrest Tucker), das weitere Vorgehen in der geplanten Anhörung. 
Charley zweifelt daran, dass Joe wirklich dicht hält. Er hat sich nach der Rückkehr aus dem Krieg nicht nur von Mancanis kriminellen Machenschaften abgewendet, um als Besitzer einer Tankstelle einem ehrbaren Beruf nachzugehen, sondern auch von Connie, um mit Marte Dufour (Vera Ralston), in die er sich während seiner Dienstzeit in Frankreich verliebt hat, ein neues Leben zu beginnen. 
Während Mancani auf diplomatische Weise versucht, Joe in seine Organisation zurückzuführen, räumt Charley im Hintergrund jeden möglichen Zeugen aus dem Weg, der Mancani belasten könnte … 

Kritik: 

Zugegeben, Joseph Kane („Der letzte Indianer“, „Schach dem Mörder“) wartet in dem im semi-dokumentarischen Stil gedrehten Noir „Hoodlum Empire“ mit einer illustren Ensemble-Auswahl auf. Neben Brian Donlevy („Der gläserne Schlüssel“, „Reiter ohne Gnade“) sorgen vor allem Claire Trevor („Mord, mein Liebling“, „Hafen des Lasters“) und Luther Adler („Opfer der Unterwelt“, „Liebesnächte in Sevilla“) für darstellerische Glanzpunkte, auch wenn ihre Figuren nicht besonders vielschichtig angelegt sind. Am interessantesten ist noch die Rolle von John Russell („Rio Bravo“, „Der Texaner“) angelegt, steckt er doch in der Zwickmühle, sich von den verbrecherischen Aktivitäten seines Onkels zu lösen oder ein ehrbares Leben mit einer neuen Frau an seiner Seite zu führen. 
Die Fronten zwischen Gut und Böse sind schnell sehr klar konturiert. So werden die moralisch verwerflichen Aktivitäten des schmierigen Mobsters Mancani noch durch den Umstand dämonisiert, dass er sogar nicht davor zurückschreckt, Schulkinder vor Glücksspielautomaten zu setzen. Joes Wandlung vom Kriminellen zum ehrbaren Mann wird durch eine Rückblende erklärt, die schildert, wie er in Frankreich Seite an Seite mit ganz einfachen Männern kämpfte und dabei die freundliche Marte kennen und lieben lernte. Rückblenden werden immer wieder eingesetzt, um einzelne Schicksale und Standpunkte deutlich zu machen, doch wirkt die Handlung dadurch etwas zerfahren. Dazu trägt auch die uneinheitliche Inszenierung der dokumentarisch wirkenden Szenen bei der Anhörung und die dramatischen Vorgänge hinter den Kulissen bei, wo der aufbrausende Charley Joe am liebsten aus dem Weg räumen würde. 
Neben der wechselhaften Inszenierung fällt vor allem John Russells hölzerne Darstellung negativ ins Gewicht. Seine emotionslose Mimik lässt nur erahnen, dass er sich von der kriminellen Seite seines Lebens verabschieden und ein bürgerliches Leben führen will. So bietet „Hoodlum Empire“ trotz bekannter Darsteller nur leidlich spannende Noir-Unterhaltung.  

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