Blut im Schnee

Zwar hat der amerikanische Filmemacher Louis King (1898-1962) unzählige Filme („Die Hölle der Südsee“, „Scotland Yard greift ein!“) und Folgen für Fernsehserien wie „Rauchende Colts“ und „Der zweite Mann“ inszeniert, hat dabei aber kaum nennenswerte Arbeiten hervorgebracht. Auch sein 1954 produzierter Film „Blut im Schnee“ kommt als eher unausgegorener, aber immerhin interessant besetzter Genre-Mix aus Film noir, Love-Story, Katastrophendrama und Abenteuerfilm daher. 

Inhalt: 

In New York wird die Nachtclub-Angestellte Louise Graham (Piper Laurie) Zeugin, wie ein Mafiakiller in dem verlassenen Etablissement einen Auftrag erledigt, worauf sie schreiend flüchtet. Um nicht selbst ins Visier der Mafia zu geraten, versteckt sie sich nach ihrer Aussage bei der Polizei im bergigen Hochland von Montana, wo sie in einem Hotel im Glacier National Park als Verkäuferin arbeitet. Damit sie den Killer nicht vor Gericht identifizieren kann, wird ein Kollege des Angeklagten in den Park geschickt, wo er die unliebsame Zeugin ausschalten soll. Im Hotel werben gleich zwei Gäste, Matt Hallett (Victor Mature) und Paul Adams (Vincent Price), um die Gunst der sympathischen Blondine. Beide nutzen die Gelegenheit, auf einer privat ausgerichteten Kostümparty für die Hotelgäste, engere Bande zu knüpfen, doch dann sorgt eine Steinlawine für das vorschnelle Ende der Party. Immerhin avanciert Hallett durch sein beherztes Auftreten zum Helden des Abends, als er die defekte Starkstromleitung vom Netz nimmt. 
Während sich vor allem Louises Kollegin Mary (Betta St. John) um den charismatischen Adams bemüht, versucht Hallett wiederum, Louise vor den Avancen durch Adams zu bewahren. Als ein Großfeuer im Wald des Nationalparks ausbricht, sind die beiden Kontrahenten aber gezwungen, Chief Ranger Joe Parker (William Bendix) bei der Bekämpfung des sich rasch ausbreitenden Brandes zu unterstützen. Auch hier demonstriert Hallett seinen Heldenmut und rettet Adams sogar das Leben. Zu einer weiteren Aufregung führt der Umstand, dass Marys Vater, der Indianer Katoonai Tiller (Steve Darrell), als Mörder gesucht wird … 

Kritik: 

Auch wenn „Blut im Schnee“ unter dem Etikett Film noir geführt wird und bereits als dritter Titel in der neuen Film-noir-Edition von Artkeim veröffentlicht worden ist, passt er nur zum Teil in das Genre. Das liegt nicht nur an den Technicolor-Farben und der ungewöhnlichen Kulisse, sondern auch an den Elementen des Katastrophenfilms, die vor allem dem Umstand geschuldet sind, dass der Film damals auch in 3D in den Kinos lief. 
Die Story bietet an sich genügend Stoff für einen packenden Thriller, denn zunächst sind weder die Zeugin des Mafiamordes noch der mit dem Mord an der Zeugin beauftragte Killer für den Zuschauer zu sehen. Nach der kurzen Eröffnungsszene mit dem Mafiamord und der ebenso kurzen Nachfolgesequenz, in der sich der angeklagte Killer mit seinem Anwalt berät und kurz den nicht im Bild erscheinenden dritten Mann mit der Suche nach der Zeugin beauftragt, wird das Publikum erst im Hotel des Nationalparks mit dem Rätsel konfrontiert, wer hier Jagd auf wen macht, denn als mögliches Opfer kommen sowohl Louise als auch Mary in Frage, während Hallett und Adams um die Rolle des Auftragsmörders buhlen. Leider werden beide Geheimnisse früher als nötig gelüftet, so dass die Spannung schnell auf der Strecke bleibt. 
Statt bei der Charakterisierung der Figuren in die Tiefe zu gehen, werden unnötigerweise mit der Steinlawine und dem Waldbrand künstliche Spannungsmomente eingestreut, die der Dramaturgie eher schaden als nützen. Erst zum Ende hin, mit der Jagd auf den Mörder und dem Versuch, sein Zielobjekt zu retten, nimmt die Story wieder an Fahrt auf und präsentiert dazu wunderschöne Aufnahmen in der verschneiten Bergen. Hier erhält „Blut im Schnee“ seinen deutlichen Abenteuer-Drama-Touch, der den Genremix zusammen mit der ebenfalls noch vertieften Lovestory komplettiert. 
Von den Darstellern überzeugt vor allem Western- und Film-noir-Spezi Victor Mature („Der Todeskuss“, „Endstation Mord“) als ebenso temperamentvoller wie charismatischer Ex-Marine, während Vincent Price („Laura“, „Todsünde“) und William Bendix („Die blaue Dahlie“, „Der gläserne Schlüssel“) ihren Rollen kaum Profil verleihen können und Piper Laurie („Haie der Großstadt“, „Twin Peaks“) mit Betta St. John („Stadt der Toten“, „Du und keine andere“) eher schmückendes Beiwerk sind.  So wird das heterogene Drama eher durch die prachtvolle Kulisse als durch Story und Darstellerleistungen dominiert.

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