Verdammt in alle Ewigkeit

2001 schuf Michael Bay mit dem schwülstigen wie actionlastigen Kriegs- und Liebesdrama „Pearl Harbor“ einen Blockbuster, bei dessen Getöse fast unterging, dass Fred Zinnemann 1953 mit „Verdammt in alle Ewigkeit“ die weitaus gehaltvollere, besser gespielte und packender inszenierte Vorlage geliefert hat. Dieser Klassiker war für insgesamt 13 (!) Oscars nominiert, von denen er immerhin auch acht gewinnen konnte – darunter in den wichtigen Kategorien für den Besten Film und den Besten Regisseur sowie für die Beste Kameraarbeit (Schwarzweiß), das Beste Drehbuch und den Besten Schnitt. 

Inhalt: 

Nachdem der Soldat Robert E. Lee Prewitt (Montgomery Clift) als bester Boxer seiner Einheit bei einem Kampf einen seiner Gegner blind schlug, ließ er sich nicht nur 1941 nach Hawaii versetzen, sondern hängte auch seine Boxhandschuhe an den Nagel. Der Captain seiner neuen Einheit, Dana „Dynamite“ Holmes (Philip Ober), will davon aber nichts hören. Schließlich wäre Prewitt die ideale Ergänzung für Holmes‘ Boxstaffel, die bei einem Gewinn der Meisterschaften seine Beförderung beflügeln würde. Um Prewitts Verweigerungshaltung aufzubrechen, lässt Holmes seine Offiziere anweisen, den eigensinnigen Soldaten Strafdienste und schikanöse Militärübungen zu absolvieren, doch lässt Prewitt das nahezu stoisch über sich ergehen, was dem Kompaniefeldwebel Milton Warden (Burt Lancaster) imponiert. Der ist allerdings so damit beschäftigt, die Aufgaben zu erledigen, die sein fauler und meist abwesender Captain ihm überträgt, dass er sich um Prewitts Wohl nicht groß kümmern kann. Das verhält sich bei der Ehefrau des Captain, Karen (Deborah Kerr), anders. 
Da sie ihren Mann bei den Besuchen in der Kaserne selten antrifft, kommen sich Karen und Warden näher, beginnen eine Affäre und träumen sogar davon, woanders ein neues Leben zu beginnen. Dafür erwartet Karen allerdings, dass sich Warden um eine Laufbahn bei den Offizieren bemüht. Als Warden sie auf ihren Ruf als leichte Beute anspricht, erfährt er, wie ihr Mann sie mit einer anderen Frau betrog, während sie ihr Kind verloren bei der Geburt verloren hat. Da sie keine Kinder mehr bekommen konnte, tröstete sie sich mit anderen Männern, doch für Warden würde sie erstmals echte Gefühle empfinden. Während Prewitt von seinen Kameraden gemieden wird, hält der stets fröhliche, italienischstämmige Maggio (Frank Sinatra) fest zu ihm und nimmt ihn an den freien Abenden mit in den Gentlemen’s Club, wo sich Prewitt in die Hostess Lorene (Donna Reed) verliebt, die sich mit der Arbeit in dem Club ein besseres Leben in den USA verdienen möchte. Als Maggio unerlaubt seinen Wachdienst verlässt und von der Militärpolizei völlig betrunken aufgelesen wird, verurteilt ihn das Kriegsgericht zu sechs Monaten Arrest. Dort hat er unter dem sadistischen Sergeant des Armeegefängnisses, „Fatso“ Judson (Ernest Borgnine), schmerzlich zu leiden, wofür sich Prewitt an Fatso rächen will. Doch der Angriff der Japaner auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 lässt alles in den Hintergrund treten … 

Kritik:

Fred Zinnemann („12 Uhr mittags“, „Der Schakal“) verfilmte mit „Verdammt in alle Ewigkeit“ die 1951 veröffentlichte Romanvorlage des Soldaten James Jones, doch sträubte sich Hollywood lange, den Stoff zu verfilmen. Daniel Taradash („Morituri“, „Die Gejagten“) reduzierte in seiner Drehbuchadaption nicht nur das Figurenensemble und die vielschichtigen Handlungsstränge, sondern auch das hohe Maß an Gewalt und Sex. Nichtsdestotrotz enthielt Zinnemanns Film eine gehörige Portion an Hinweisen auf außereheliche Affären und käuflichen Sex. 
Interessanterweise gliedert sich der Film in drei thematisch separate Teile. Zunächst beschreibt er ausführlich den Alltag der auf Hawaii stationierten US-Soldaten und die unnachgiebige Art und Weise, wie mit Befehlsverweigerung und dem Ausscheren aus dem Ehrenkodex der Soldaten umgegangen wird. Mit Karen und Lorene kommen schließlich Frauen ins Spiel, die jeweils kein leichtes Leben haben und sich nichts sehnlicher wünschen, als mit dem richtigen Mann an ihrer Seite das Leben führen zu können, das sie sich von Herzen erträumen. 
Zinnemann und Taradash nehmen sich viel Zeit, in dem Wechsel vom Soldaten-Drama zum Liebesdrama die schwierigen persönlichen Beziehungen der Protagonisten untereinander aufzuarbeiten, ihre Sehnsüchte, traumatischen Erfahrungen, Bindungsängste und Moralvorstellungen zu thematisieren. Vor allem die gut ausgearbeiteten Dialoge zwischen Warden und Karen auf der einen sowie Prewitt und Lorene auf der anderen Seite machen deutlich, wie schwer die Figuren darum auch innerlich zu kämpfen haben, ihre Träume mit Hilfe von Menschen zu verwirklichen, die ganz andere Hürden zu nehmen haben. 
Die Tragik mancher Ereignisse lässt sich dabei durchaus voraussehen, der überraschende Angriff der Japaner auf Pearl Harbor drängt alle Beteiligten aber wieder in die raue Wirklichkeit zurück. Die Chemie zwischen den beiden Leinwandpaaren ist perfekt, und auch Frank Sinatra, um dessen Engagement sich wilde Geschichten ranken, konnte seine Karriere durch den beherzten Auftritt als lebenslustiger Maggio wieder in Schwung bringen. Die großzügige Beachtung des Films bei der Verleihung der Academy Awards geht also völlig in Ordnung.  

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