Polizeirevier 21

Seit seinem Spielfilmdebüt in Lewis Milestones Film-noir-Klassiker „Die seltsame Liebe der Martha Ivers“ (1946) hat Kirk Douglas immer wieder eindrucksvolle Leistungen in diesem Genre gezeigt, so auch in Jacques Tourneurs „Goldenes Gift“ (1947) und Billy Wilders „Reporter des Satans“ (1951). Einen starken Eindruck hinterließ er auch in William Wylers Adaption des erfolgreichen Broadway-Stücks „Detective Story“. „Polizeirevier 21“ gilt es Klassiker des Polizeifilms und überzeugt vor allem als feines Ensemble-Stück, das seine Bühnen-Herkunft kaum verbergen kann. 

Inhalt: 

An einem warmen Sommermorgen führt Detective Pat Callahan (William „Bill“ Phillips) eine namenlose Ladendiebin (Lee Grant) aufs New Yorker Polizeirevier 21, wo sich der Anwalt Endicott Sims (Warner Anderson) bei Detective Gallagher (Frank Faylen) anmeldet und zu Lieutenant Monaghan (Horace McMahon) vorgelassen werden möchte, um mit ihm über seinen Mandanten, den Abtreibungsarzt Karl Schneider (George Macready) aus New Jersey, zu sprechen. Er beharrt darauf, seinen Mandanten nicht an den ermittelnden Detective James McLeod (Kirk Douglas) zu überstellen gedenkt, da dieser für seine gewalttätige Art bekannt sei und seit einem Jahr Schneider das Leben zur Hölle mache. McLeod ist ohnehin noch nicht auf dem Revier. Nach einer weiteren durchwachten Nacht hat er Arthur Kindred (Craig Hill) des Diebstahls überführt und will ihn gerade aufs Revier bringen, als er zufällig seiner Frau Mary (Eleanor Parker) begegnet. Sie ziehen sich kurz auf die Rückbank eines Taxis zurück, wo Mary ihrem Mann berichtet, dass der Besuch bei ihrem Arzt leider erneut nicht die erhoffte Nachricht einer Schwangerschaft brachte. Auf dem Revier geht es indes turbulent zu. Als er den Arzt, der offiziell eine Farm unterhält, ins Krankenhaus fahren soll, um eine Gegenüberstellung mit einer mutmaßlichen Zeugin für Schneiders illegale Machenschaften zu erwirken, erfährt McLeod, dass die Dame ihren Verletzungen erlegen ist, worauf er Schneider in dem Polizeitransporter brutal zusammenschlägt. Als dieser im Revier wieder zu Atem kommt, beschuldigt Schneider den Detective, einen persönlichen Rachefeldzug gegen ihn zu führen, denn vor Jahren habe er auch bei Mary eine Abtreibung vorgenommen … 

Kritik: 

Das dem Film zugrunde liegende Bühnenstück von Sidney Kingsley wurde zwischen März 1949 und August 1950 insgesamt 581 Mal am Broadway aufgeführt und wurde von William Wylers älteren Bruder Robert und Philip Yordan („Jagd auf Dillinger“, „Die gebrochene Lanze“) für die Leinwand adaptiert. Bis auf wenige Außenaufnahmen spielt sich die Handlung wie auf einer Bühne auch in dem Polizeirevier ab, das William Wyler („Die Erbin“, „Die besten Jahre unseres Lebens“) nach dem Bühnenvorbild nachbauen ließ. 
Wyler nimmt sich viel Zeit, den Trubel in den beengten Räumen des Reviers darzustellen, in denen verschiedene Detectives ihre Berichte schreiben, den Telefondienst versehen oder sich mit ständig neu eintreffenden Ganoven abgeben müssen. Die unscheinbare wie völlig verunsicherte Ladendiebin wartet auf ihren Termin für ein Schnellverfahren bei Gericht und beobachtet fasziniert, wie die Polizisten mit den Gesetzesbrechern umgehen. Während Detective Lou Brody (William Bendix) eher zur gutmütigen Sorte gehört und Kindred, der seinen gutmütigen Chef um 480 Dollar erleichtert und das Geld in verschiedenen schicken Lokalen bereits ausgegeben hat, eine zweite Chance geben würde, erweist sich sein Kollege McLeod als knallharter Vertreter des Gesetzes, für den es nur Schwarz und Weiß gibt, und wenn er erst einmal von der Schuld eines Verdächtigen überzeugt ist, braucht er auch keine weiteren Beweise. 
Diese misanthropische Weltsicht wird ihm allerdings zum Verhängnis, als er von einer frühen Verfehlung seiner Frau erfährt, was ihn und die Beziehung in ihren Grundfesten erschüttert. William Wyler erweist sich als Meister der authentischen Schilderung des Polizeialltags auf einem ganz gewöhnlichen Großstadtrevier. Indem er nur wenige Stunden auf engstem Raum mit einem begrenzten Figuren-Arsenal abbildet, präsentiert er nicht nur verschiedene Ermittler-Typen, sondern auch ihre moralischen Grundsätze und Charakterstärken und -schwächen. Kirk Douglas fällt in seiner Rolle des Detective McLeod besonders aus dem Rahmen. Er ist raffiniert genug, dem ihm verhassten Schneider in einem vermeintlich lockeren Gespräch die Information zu entlocken, dass er als Farmbesitzer längst nicht so viel Geld verdienen kann, wie er auf seinen Konten aufweist. Es zeigt sich aber auch, dass in ihm eine rohe Kraft schwärt, die jeden Moment gewaltig zur Explosion kommen kann, weshalb die Sorgen von Schneiders Anwalt schon früh als berechtigt wirken. 
Das eigentliche Drama spielt sich aber im letzten Drittel des Films ab, wenn McLeod die Verbindung zwischen Schneider und seiner Frau bekannt wird. Dieses Ringen um gegenseitiges Verständnis und Verzeihen hat Wyler großartig in Szene gesetzt und wird sowohl von Douglas als auch Eleanor Parker („Frauengefängnis“, „Der nackte Dschungel“) mitreißend gespielt. 
So wurde der Film für vier Oscars nominiert, doch weder Wyler für seine Regie, noch das Drehbuch sowie die Darstellerinnen Eleanor Parker und Lee Grant erhielten die begehrte Trophäe.  

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