Black Bag – Doppeltes Spiel

Es ist schon eine Weile her, dass das frühere Wunderkind Steven Soderbergh („Sex, Lügen und Video“, „The Limey“, „Traffic – Macht des Kartells“) nach dem äußerst prominent besetzten Blockbuster-Erfolg von „Ocean’s Eleven“ und diversen Sequels wirklich Sehenswertes abgeliefert hat. Nach der Action-Krimi-Komödie „Logan Lucky“ (2017) lockte Soderbergh mit Werken wie „Unsane – Ausgeliefert“, „Let Them All Talk“, „Kimi“ und „Magic Mike’s Last Dance“ kaum noch Fans ins Kino. Dass man den passionierten Filmemacher aber noch nicht abschreiben muss, beweist er mit seinem neuen Film „Black Bag – Doppeltes Spiel“.

Inhalt:

Ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Als ein von den Briten entwickeltes, streng geheimes Computerprogramm namens Severus in russische Hände gelangt, was potenziell den Tod von Tausenden nach sich ziehen könnte, ist der von Arthur Stieglitz (Pierce Brosnan) geleitete britische Geheimdienst SIS in höchster Alarmbereitschaft. Philip Meacham (Gustaf Skarsgård) beauftragt den SIS-Agenten George Woodhouse (Michael Fassbender) damit, einen Maulwurf in den eigenen Reihen zu identifizieren, und überreicht ihm eine Liste mit fünf Namen. Neben Clarissa Dubose (Marisa Abela), Freddie Smalls (Tom Burke), James Stokes (Rege-Jean Page) und Zoe Vaughan (Naomie Harris) steht auch Georges eigene Ehefrau Kathryn (Cate Blanchett) auf der Liste. Während er alle fünf Kandidat*innen zu einem gemeinsamen Abendessen einlädt, fürchtet er, dass er sich womöglich zwischen der Loyalität zu seinem Land und der Liebe zu Kathryn entscheiden muss, warnt seine Frau aber vorher, dass er in eine der Speisen eine Wahrheitsdroge untergemischt hat. Denn wenn George eines nicht leiden kann, sind es Lügner…

Kritik:

Seit den Zeiten von „James Bond“, „Jason Bourne“ und „Mission: Impossible“ wird Spionage vor allem mit halsbrecherischer Action assoziiert. Dass es auch anders geht, beweist Soderberghs neuer Film nach einem raffinierten Drehbuch von David Koepp („Jurassic Park“, „Mission: Impossible“). Hier wird der Verdacht eines Maulwurfs zwar auch auf klassische Weise mit dem Lügentest zu erhärten versucht, aber meistens kommen geschickte Fallen, ausgefallene Gesellschaftsspiele, knallharte Verhöre und klassische Beschattung zum Einsatz, um einen der gut ausgebildeten Agenten als Verräter zu enttarnen. Dabei verzichtet Soderbergh weithin auf spektakuläre Action, sondern setzt stattdessen auf ein charismatisch zusammengesetztes Ensemble, aus dem die beiden Hauptdarsteller Michael Fassbender („The Agency“, „Der Killer“) und Cate Blanchett („Blue Jasmine“, „Carol“) als einander abtastendes Agenten-Ehepaar herausragen. Weit mehr als die Frage, wer der Maulwurf ist, befasst sich „Black Bag“ aber mit der Frage, inwieweit Vertrauen und Liebe in einem auf Misstrauen, falschen Fährten und Desinformation beruhenden Beruf überhaupt möglich sind. Mit pointierten Dialogen, einem cool groovenden Score von David Holmes („Ocean’s Eleven“, „Out of Sight“), grandiosen Bildern und Kulissen, an denen man sich kaum sattsehen kann, zählt „Black Bag“ fraglos zu den besseren Soderbergh-Filmen in den letzten Jahren.

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