Mit seinen ersten Regiearbeiten hat der langjähriger Stand-up-Comedian
und Gagschreiber Woody Allen noch seine herausragende Fähigkeit für
pointierte Witze in die Waagschale geworfen, um meist ironisch gefärbte Aneinanderreihungen
von Sketchen zu allgemeinen Themen wie politische Revolutionen („Bananas“)
oder sexuelle Aufklärung („Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber
bisher nicht zu fragen wagten“) zu inszenieren. Mit „Der Stadtneurotiker“
(1977), dem Auftakt seiner New-York-Trilogie, bewies Allen aber die
Qualitäten eines gereiften Filmemachers, der in dem Film auf selbstironische Weise
autobiografische Züge verarbeitet. Zu seinen besten Werken zählt der 1986
inszenierte, mit drei Oscars ausgezeichnete Film „Hannah und ihre Schwestern“.
Inhalt:
Hannah (Mia Farrow), Lee (Barbara Hershey) und
Holly (Dianne Wiest) sind Töchter eines Künstlerehepaars und begeistern
sich für die New Yorker Künstlerszene, in der sie sich wie selbstverständlich bewegen.
Während die Schauspielerin Hannah nach ihrer Trennung ihres unfruchtbaren
Mannes Mickey Sachs (Woody Allen) seit vier Jahren mit Elliott (Michael
Caine) verheiratet ist, zwei Kinder großgezogen hat und ihre eigenen
Bedürfnisse zurückstellt, um für andere da zu sein, hat sich Elliott in ihre
Schwester Lee verliebt, die früher ihren Selbsthass
mit Alkohol betäubt hatte und durch ihre Beziehung mit dem Maler Frederick (Max
von Sydow) wieder gefestigt worden ist. Als Elliott sie mit seiner Liebe
konfrontiert, ist sie zwar zunächst verwirrt, lässt sich aber auf eine Affäre
mit ihm ein, will ihre Schwester aber auch nicht verletzen. Holly wiederum
kämpft vergeblich darum, Rollen als Sängerin oder Schauspielerin zu bekommen,
auch ein Catering-Service, den sie mit ihrer Freundin April (Carrie Fisher)
aufziehen will, kommt nicht an den Start, weil April Hollys Verabredung zu
daten beginnt. Als sich Mickey mit der koksschnupfenden Holly verabredet, endet
das Date in einem Desaster, doch dann starten die beiden nach einer zufälligen
Begegnung in einem Plattenladen einen zweiten Versuch…
Kritik:
Mit seinem 14. Film nach seinem Debüt mit „Woody, der
Unglücksrabe“ (1969) hat Woody Allen einen klassischen Episodenfilm
inszeniert, in dem er selbst zwar auch eine Rolle einnimmt, die allerdings
weitaus kleiner ausfällt als die der titelgebenden drei Schwestern. Er nimmt eine
Cocktail-Party zum Anlass, um seine Figuren einzuführen und in einem Monolog aus
dem Off Elliotts Liebe zu seiner Schwägerin zu thematisieren. Dieses moralische
Dilemma bildet nicht nur den Auftakt, sondern auch den Kern von „Hannah und
ihre Schwestern“. Allen dringt in abwechselnden Episoden, die durch
eingeblendete Überschriften eingeführt werden, in die Lebensräume der drei
Frauen und ihrer Liebesbeziehungen ein, schlägt dabei ebenso humorvolle wie
nachdenkliche Töne an, die wunderbar im Gleichgewicht sind, während er selbst einmal
mehr den hypochondrischen Neurotiker verkörpert, der nicht nur seine
vermeintliche Impotenz, sondern auch den Verdacht auf einen Gehirntumor verarbeiten
muss. So unspektakulär die einzelnen Episoden für sich sind, so gewinnen sie
doch durch ihre geschickte Verknüpfung im weiteren Verlauf der Handlung, wobei Woody
Allen die Atmosphäre in der New Yorker Künstlerszene wunderbar einfängt und
auf ein starkes Ensemble bauen darf, das wunderbar den Kampf der Menschen gegen
die Anonymität und um Anerkennung thematisiert.
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