The Alto Knights

Barry Levinson hat bereits mit „Bugsy“ (1991) mit eher mäßigem Erfolg einen Mafia-Film zu drehen versucht, sich meist aber in unterschiedlichsten Genres ausprobiert. Mit seinem Regiedebüt „American Diner“ (1982) und teils Oscar-prämierten Meisterwerken wie „Good Morning, Vietnam“ (1987), „Rain Man“ (1988) und „Sleepers“ (1996) hat Levinson auf jeden Fall seine Klasse ausgiebig unter Beweis gestellt, auch wenn sich in seiner Werksbiografie etliche Rohrkrepierer tummeln. Mit seinem neuen Film „The Alto Knights“ versucht er, das eigentlich schon auserzählte Kino des Mafiafilms wiederzubeleben, und präsentiert den neben „Der Pate“-Darsteller Marlon Brando wohl berühmtesten Leinwand-Mafioso Robert De Niro („GoodFellas“, „Es war einmal in Amerika“) in einer ungewöhnlichen Doppelrolle.

Inhalt:

Frank Costello (Robert De Niro) und Vito Genovese (ebenfalls Robert De Niro) waren seit ihrer Kindheit beste Freunde. Gemeinsam haben sie sich als Söhne italienischer Immigrantenfamilien aus ärmlichen Verhältnissen bis an die Spitze der New Yorker Mafia hochgearbeitet. Als Vito 1937 wegen einer Mordanklage nach Italien fliehen musste, hat er Frank die Geschäfte in den USA überlassen. Durch den Zweiten Weltkrieg hat sich Vitos Rückkehr immer wieder verzögert, doch hat er die Zeit genutzt, um in Italien den von seinen US-amerikanischen Kollegen verdammten Drogenhandel aufzuziehen. Mit seiner Rückkehr nach New York in den 1950er Jahren verlangt der ebenso hitzköpfige wie paranoide Vito vom diplomatisch agierenden Frank die Führungsposition, die er vor seiner Flucht innehatte, wieder zurück.
Mit seinen Talenten hat Frank die New Yorker Mafiafamilien in eine ruhige Phase großen Wohlstands geführt – ohne interne Kriege fällt das Geldverdienen eben direkt sehr viel leichter. Aber Vito droht den Frieden zu zerstören – und tatsächlich wird Frank im Jahr 1957 von Vitos Handlanger Vincent Gigante (Cosmo Jarvis) niedergeschossen, obwohl es in Mafiakreisen streng verboten ist, einen Boss ins Visier zu nehmen, ohne dazu die Zustimmung der anderen Bosse zu haben. Frank überlebt das Attentat wie durch ein Wunder – die Kugel ist zwar in seinen Kopf eingedrungen, aber ohne größeren Schaden anzurichten auf der anderen Seite am Ohr wieder ausgetreten. Er entwickelt einen raffinierten Plan, die ganze Sache doch so zu regeln, ohne einen massiven Mafiakrieg vom Zaun zu brechen, doch Genoveses Misstrauen steigert sich zu offener Aggression, als er den brutalen Mord an Albert Anastasia (Michael Rispoli), Costellos designiertem Nachfolger, inszeniert, während er auf einem Friseurstuhl sitzt. Dieser Akt schockierender Gewalt zerstört den fragilen Frieden und zwingt Costello, sich einer erschreckenden Realität zu stellen: Sein Leben und das seiner geliebten Frau (Debra Messing) hängen am seidenen Faden. Ihm wird klar, dass der einzige Weg, ihre Sicherheit zu gewährleisten, darin besteht, die gesamte Operation, die er mühsam aufgebaut hat, zu zerschlagen und das Imperium zu zerstören, das ihn nun zu verschlingen droht…

Kritik:

Levinsons auf wahren Begebenheiten beruhendes Mafia-Drama „The Alto Knights“ (dessen Titel sich auf den „Alto Knights Social Club“ bezieht, einen ehemaligen Club in New York, der als Treffpunkt für Mitglieder der italo-amerikanischen Gemeinschaft diente und eng mit den Aktivitäten der Mafia in der Mitte des 20. Jahrhunderts verbunden war) beginnt mit einem Paukenschlag – einem fehlgeschlagenen Attentat auf die New Yorker Mafia-Größe Frank Costello. Im weiteren Verlauf wird die Geschichte der beiden Kindheitsfreunde Frank Costello und Vito Genovese in Rückblenden und grobkörnigen Schwarzweiß-Fotos rekapituliert, wobei unklar bleibt, warum Robert De Niro in der Doppelrolle beider später offen rivalisierender Mafia-Bosse zu sehen ist. Er ist auf jeden Fall das Anschauen wert, denn einem Vergleich mit Mafia-Epen wie „Der Pate“, „GoodFellas“ oder „The Irishman“ hält „The Alto Knights“ trotz der großartigen Bilder des legendären Dante Spinotti („L.A. Confidential“, „Public Enemies“) und der wunderbaren Dialoge von Drehbuchautor Nicholas Pileggi („GoodFellas“, „Casino“, „The Irishman“) nicht stand. Dafür ist die Handlung dann doch zu fragmentiert, wobei die vielen Nebenfiguren recht blass bleiben. Zwar wartet „The Alto Knights“ mit einem großartigen Finale auf, doch Fans des Genres werden von der uninspirierten Inszenierung eher enttäuscht sein.

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