Pancho Villa reitet

Manche Filme sind durch ihre Entstehungsgeschichte oft interessanter als der Film selbst. Das trifft auch auf „Pancho Villa reitet“ (1968) zu, der immerhin mit Stars wie Robert Mitchum, Charles Bronson und Yul Brynner aufwartet. Yul Brynner ist es schließlich gewesen, der das Drehbuch von Sam Peckinpah („Wer Gewalt sät“, „Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia“), der eigentlich auch Regie führen sollte, doch störte sich der von Paramount bereits festgelegte Hauptdarsteller Brynner an dem eher negativen Licht, in das Peckinpah die legendäre Figur der mexikanischen Revolution tauchte. Am Ende wurde Peckinpah gegen Buzz Kulik („In 80 Tagen um die Welt“, „Jeder Kopf hat seinen Preis“) ausgetauscht, das Drehbuch von Robert Towne („Chinatown“, „Mission: Impossible“) umgeschrieben.

Inhalt:

In der langen Zeit, in der in Mexiko Krieg zwischen den Regierungstruppen und denen von Präsident Madero (Alexander Knox) herrscht, hat sich der texanische Unternehmer Lee Arnold (Robert Mitchum) eine goldene Nase verdient, indem er mit seinem Flugzeug Waffen an die die Diktatur verteidigende „Colorados“-Armee liefert. Als sein Rückflug in die Heimat sich verzögert, ist er gezwungen, in einem nahen Dorf für eine Weile Zuflucht zu suchen. Ausgerechnet dieses wird von einem Trupp der Regierung überfallen und er wird Zeuge, wie die von ihm gelieferten Waffen unter den Einwohnern ein Massaker anrichten. Bevor es zu weiterem Blutvergießen kommt, greifen die Männern Pancho Villas (Yul Brynner) ein, einem Gefolgsmann des Präsidenten, der von den Bauern wie ein Held verehrt wird. Als Villa herausfindet, warum der Amerikaner vor Ort ist, zwingt er ihn, sich Villas Truppen anzuschließen, andernfalls wird er auf der Stelle hingerichtet. Schließlich bietet Arnolds Flugzeug eine gute Möglichkeit, das Vorhaben der Regierungstruppen aus der Luft auszukundschaften. Unter den argwöhnischen Augen von Villas rechter Hand, Fierro (Charles Bronson), gelingt nicht nur die Reparatur des Flugzeugs, sondern der Triumph in einem Gefecht, in dem die Truppen des Präsidenten eigentlich unterlegen sind.
Immer öfter findet sich Arnold in der Situation wieder, dass er Gefallen an dem Idealismus Villas, doch ebenso Abscheu für seinen offensichtlichen Mangel an Moral. Auch in den eigenen Reihen stößt der Revolutionär plötzlich auf Gegenwind, besonders nachdem er eigenmächtig ein militärisches Ziel erobern konnte. Gerade General Huerta (Herbert Lom) ist Villa ein Dorn im Auge, sodass er seinen Einfluss beim Präsidenten spielen lässt, um den Volkshelden in Ungnade fallen zu lassen.

Kritik:

Während Peckinpah, der mit einer Mexikanerin verheiratet war und eine Vorliebe für die mexikanische Kultur und Geschichte hegte, an einer möglichst authentischen Darstellung der Figur Pancho Villa (1878-1923) interessiert war, sorgte Robert Towne auf Yul Brynners Drängen hin dafür, den von der mexikanischen Bevölkerung als „mexikanischer Robin Hood“ verehrten Guerilla-Kommandanten in einem etwas gefälligeren Licht dastehen zu lassen. Allerdings verzichtet Kuliks Film nicht gänzlich auf kritische Untertöne. Das wird besonders in den Gesprächen deutlich, die Villa mit dem von ihm verehrten Präsidenten Madero auf der einen Seite und mit Lee Arnold in der Gefängniszelle auf der anderen Seite führt. Brynners fast schon stoisches Spiel betont das zwiespältige Bild eines Menschen, der mal als Held, mal als Despot agiert und weder ein Problem mit Polygamie noch mit dem brutalen Vorgehen seiner Männer hat.
Der in Spanien gedrehte Film erweist sich als interessante Mischung aus Kriegsfilm und (Italo-)Western, wobei Kulik nicht an imposanten Schlachtenszenen und brutalen Hinrichtungen spart. Das prominente Hollywood-Ensemble hinterlässt einen guten Eindruck, wobei Robert Mitchum als geschäftstüchtiger Amerikaner oft wie ein Fremdkörper wirkt, was in dem politischen Umfeld, in dem sich seine Figur bewegt, aber auch stimmig ist. Unterstützt werden die Stars von Darstellern aus dem italienischen und spanischen Genrekino bekannt sind (Maria Grazia Buccella, Diana Lorys, Fernando Rey, José Canalejas) und in einer kleinen Rolle im Finale ist auch Jill Ireland zu sehen, die Bronson 1968 heiratete. Untermalt von Maurice Jarres („Lawrence von Arabien“, „Doktor Schiwago“) stimmungsvoller Musik erweist sich „Pancho Villa reitet“ als kurzweiliges, auf historische Genauigkeit pfeifendes Action-Spektakel, das das Potenzial der Geschichte aber nicht ausreizt.

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