Daddio – Eine Nacht in New York

Filme, die sich zum größten Teil in einem Auto abspielen, sei es als klassisches Road Movie, sei es als Teil eines Heist-, Horror- oder Action-Thrillers, gibt es zuhauf, aber so unspektakulär wie eindringlich intensiv wie „Daddio – Eine Nacht in New York“, das 2023 von Theater-Autorin Christy Hall inszenierte Regiedebüt mit Sean Penn („Mystic River“, „Im Vorhof der Hölle“) und Dakota Johnson („Am I OK?“, „Fifty Shades of Grey“), hat eine Fahrt in einem Auto wohl noch niemand auf die große Leinwand gebracht.

Inhalt:

Erschöpft von einem langen Flug erreicht eine junge IT-Expertin (Dakota Johnson) spät am Abend den John F. Kennedy International Airport in New York City und steuert beim Verlassen des Terminalgebäudes umgehend das erstbeste Taxi an. Sie schaltet den vor ihr befindlichen Bildschirm aus, atmet tief durch und legt ihren Schal ab. Während sich ihr Fahrer (Sean Penn), der sich Clark vorstellt, auf den Weg an ihr Ziel in Midtown Manhattan macht, empfängt die junge Frau immer wieder Textnachrichten auf ihrem Smartphone, die sie manchmal spontan beantwortet, dann wieder – nach besonders anzüglichen Nachrichten – ignoriert, indem sie das Telefon in ihre Handtasche legt und nachdenklich aus dem Fenster schaut. Als der Wagen nach einem Unfall weiter vorn auf der Straße länger halten muss, entwickelt sich aus dem zunächst unverfänglichen, doch interessanten Smalltalk ein intensiveres Frage- und Antwort-Spiel zwischen dem älteren Old-School-Macho und der intelligenten jungen Frau, die seine Tochter sein könnte. Dabei streifen sie nicht nur bestimmte Fragen über den Zustand der Welt, in der beispielsweise Geld nur noch zu einer bloßen Idee in der Cloud reduziert worden ist, sondern kommen auch auf familiäre und sexuelle Beziehungen zu sprechen…

Kritik:

Hätte Christy Hall einen klassischen Hollywood-Film inszeniert, würde das Geplänkel zwischen dem weißen Taxifahrer, der offensichtlich seinen Job liebt, und der jungen IT-Programmiererin auf der Rückbank zu irgendetwas führen, sei es durch einen dramatischen Einfluss von außerhalb oder durch eine überraschende Enthüllung, die das Leben der beiden Personen in dem Taxi für immer verändern würde. Darauf legt es die Autorin und Regisseurin mit ihrem ersten Film aber bewusst nicht an. Stattdessen verlegt sie die klassische Theaterbühne in das Innere eines Taxis. Für 100 Minuten sind Clark und seine Kundin nur zu zweit. Nun nicht ganz. Denn mit dem offensichtlichen Liebhaber/Freund, mit dem die junge Frau Textnachrichten und sogar anzügliche Bilder austauscht, kommt eine dritte Person ins Spiel, um die sich später ein Großteil des Dialogs zwischen Clark und seinem weiblichen Fahrgast dreht. Zwar wirkt Sean Penn als Clark auch äußerlich wie ein Old-School-Macho, der auch offen über seine Art der Beziehungen zum weiblichen Geschlecht redet, aber verwendet er seine Erfahrungen nicht, um die blonde Frau auf dem Rücksitz seines Taxis plump zu erobern. Stattdessen weckt er durch seine ausgeprägte Beobachtungsgabe ihr Interesse, so dass sie sich ihm nach und nach öffnet und sie ihn ebenso ausfragt wie er sie. Daraus entwickelt sich ein intensiver Austausch, der vor allem der jungen Frau neue Erkenntnisse über das Miteinander von Mann und Frau einzubringen scheint. Dass die anderthalbstündige Taxifahrt nie langweilig wird, liegt nicht nur am Drehbuch mit seinen wunderbaren Dialogen, sondern natürlich auch an den beiden Darstellern, die auf charismatische Weise die Leinwand füllen und der unspektakulären Geschichte Leben einhauchen.

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