Southpaw

Bereits Meisterregisseure wie Robert Siodmak („Rächer der Unterwelt“, 1946) und Stanley Kubrick („Der Tiger von New York“, 1955) haben dem Boxsport viel Platz eingeräumt, aber erst Sylvester Stallones Paraderolle in „Rocky“ (1976) machte das Boxen Blockbuster-tauglich. Nach Werken wie Martin Scorseses „Wie ein wilder Stier“ (1980), Jim Sheridans „Der Boxer“ (1997), Norman Jewisons „Hurricane“ (1999), Ron Howards „Das Comeback“ (2005) und David O. Russells „The Fighter“ (2010) legte auch Action-Spezi Antoine Fuqua („Der Equalizer“, „Training Day“) im Jahr 2015 mit „Southpaw“ ein Boxer-Drama vor, das vor allem durch die Geschichte hinter dem Kampf um Sieg oder Niederlage überzeugt.

Inhalt:

Der Halb­schwer­ge­wichtler Billy Hope (Jake Gyllen­haal) hat alles, wovon ein Profisportler und vor allem ein Mann nur träumen kann: Als amtierender Weltmeister kann er auf eine Reihe von über vierzig Siegen zurückblicken, hat mit Maureen (Rachel McAdams) eine bildschöne, ihn in allen Belangen fantastisch unterstützende Ehefrau und mit Leila (Oona Laurence) eine aufgeweckte Tochter, von dem herrlichen Anwesen, in dem Billy mit seiner Familie lebt, ganz zu schweigen. Doch nach einer Benefiz-Gala gerät Billys Leben in wenigen Sekunden auf den Kopf gestellt. Gerade als er mit Maureen die Veranstaltung verlassen will, wird er von seinem großmäuligen Rivalen Miguel Escobar (Miguel Gomez) provoziert. Statt die Dinge auf sich beruhen zu lassen, sucht Billy die Konfrontation; bei dem anschließenden Handgemenge löst sich ein Schuss, der ausgerechnet die unbeteiligte Maureen so schwer verletzt, dass sie in Billys Armen am Tatort stirbt. Danach stürzt Billy fürchterlich ab, flüchtet sich in eine Welt aus Alkohol und Drogen, schlägt bei einem Kampf den Ringrichter nieder, was Billy nicht nur eine Suspendierung einbringt, sondern auch den Verlust des Hauses und des Sorgerechtes für seine Tochter. Nachdem sich auch sein Freund Jordan Mains (Curtis „50 Cent“ Jackson) von Billy trennt, fängt der am Boden liegende Boxer von ganz unten an. Er mietet sich eine kleine Wohnung, besorgt sich einen Putzjob im Boxstudio von Tick Willis (Forest Whitaker) und fängt unter ihm wieder zu trainieren an…

Kritik:

Wer die „Rocky“-Saga kennt, wird ohne Probleme Parallelen der Handlung von „Southpaw“ zu dem dritten „Rocky“-Film von 1982 finden. Dort verstarb Rockys Trainer Mickey nach einem Kampf an Herzversagen, in „Southpaw“ verliert Billy seine Frau unter tragischen Umständen. Dass sie sein Halt im Leben darstellt, macht Fuqua schon in den ersten Szenen klar, als Maureen ihren Mann liebevoll vor dem Kampf in der Kabine in den Arm nimmt, und in den Momenten, als Billy im Ring richtig verdroschen wird und sie kaum noch mitansehen kann, was mit ihrem Mann passiert, sodass sie ihn nach dem Kampf zu einer Auszeit drängt. Fuqua versäumt es nicht, eine Reihe von Boxsequenzen zu präsentieren – davon lebt ein Boxerfilm in der Regel -, doch trotz der dicht an den Kämpfern eingefangenen Bildern, auf denen nur so das Blut spritzt und tropft, nimmt sich „Southpaw“ viel Zeit, das persönliche Drama von Billy Hope nachzuzeichnen. Der Film fängt auf dem Höhepunkt seiner Karriere ein und bildet die Stationen des von herben Verlusten geprägten Niedergangs nach und nach ab, bis sich Billy natürlich wieder aufrappelt. Die Trainingssequenzen mit seinem neuen Trainer im Gym deuten dabei schon an, dass aus Billy ein anderer Boxer wird, der nicht nur aus Wut boxt, sondern mit Köpfchen, dass er auch ein anderer Mensch wird, der wieder Zugang zu seiner Tochter findet. Das ist nicht besonders originell erzählt, aber gerade in den Kampfszenen brutal inszeniert und vor allem von Jake Gyllen­haal („Donnie Darko“, „Nightcrawler“) großartig gespielt.

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