Eden

Seit seinem zweifach Oscar-prämierten Weltraum-Drama „Apollo 13“ (1995) hat sich der Filmemacher Ron Howard immer wieder realen Ereignissen angenommen, um sie auf dramatische Weise auf die Leinwand zu bringen. Nach „A Beautiful Mind“ (2001), „Das Comeback“ (2005), „Frost/Nixon“ (2008) und „Rush“ (2013) drehte Howard dann auch vor allem Dokumentationen („Made in America“, „The Beatles: Eight Days a Week“, „Pavarotti“, „Rebuilding Paradise“, „Jim Henson: Ein Mann voller Ideen“), ehe er 2024 mit „Eden“ wieder auf die große Leinwand zurückkehrte und die Ereignisse aus dem Jahre 1934 verfilmte, die später als „Galápagos-Affäre“ bekannt wurden.

Inhalt:

Der deutsche Arzt und Philosoph Dr. Friedrich Ritter (Jude Law) wandert 1934 verfolgt mit seiner an Multipler Sklerose erkrankten Geliebten Dore Strauch (Vanessa Kirby) auf die bis dato unbewohnte Galápagos-Insel Floreana aus, um dort ein philosophisches Manifest zu verfassen, über dessen Fortschritte er in langen Briefen berichtet, die regelmäßig abgeholt werden. Davon, dass diese Briefe in den Medien ein sagenhaftes Echo hervorrufen, erfährt er erst, als der Weltkriegsveteran Heinz Wittmer (Daniel Brühl) mit seiner Frau Margret (Sydney Sweeney) und seinem Sohn kränklichen Harry ebenfalls seine Zelte in Deutschland abgebrochen hat, um seinem Idol auf der Floreana nachzueifern. Ritter ist alles andere als angetan von den Neuankömmlingen und versucht, sie auf Abstand zu halten. Nachdem ein Wildschwein allerdings Ritters Gemüsebeet verwüstet hat, nähern sich die beiden Paare gezwungenermaßen doch etwas an. Das empfindliche Gleichgewicht gerät allerdings in heftige Turbulenzen, als die egomanische, selbsternannte Baronin Eloise Wehrborn de Wagner-Bosquet (Ana de Armas) mit ihren zwei rivalisierenden Liebhabern (Felix Kammerer, Toby Wallace) auf der Insel landet und plant, ein Luxus-Hotel zu errichten (freilich ohne über die finanziellen Mittel dafür zu verfügen). Von nun an herrschen Neid, Gier, Hass und Gewalt in dem vermeintlichen Paradies…

Kritik:

Howard und sein Co-Drehbuchautor Noah Pink („Tetris“) haben die Ereignisse des Jahres 1934, in deren Verlauf drei der Inselbewohner getötet und drei weitere spurlos verschwunden sind, zu einem Aussteiger-Drama thematisiert, das zwar auch die Widrigkeiten des Überlebens und der Nahrungsbeschaffung aufgreift, sich aber vor allem auf die zwischenmenschlichen Beziehungen der drei Fraktionen auf Floreana fokussiert. Allerdings verkommen sowohl der wild vor sich hin philosophierende Dr. Ritter und die exzentrische Baronin zu grotesk überhöhten Karikaturen, dass die zunehmenden Spannungen in dieser Mikro-Gesellschaft kaum ernst genommen werden können. Es scheint, dass „Eden“ auf diese Weise die unterschiedlichen Darstellungen von Dore Strauch und Margaret Wittmer, die der Nachwelt vorliegen, ihrer Brisanz berauben will und ganz auf das Spektakel setzt, das die Rival:innen nicht mal innerhalb eines Jahres veranstalten. Während Jude Law („Sherlock Holmes“, „Der talentierte Mr. Ripley“) als zahnlose Karikatur verzweifelt das Heft in der Hand zu halten versucht und damit auch seiner Lebensgefährtin das Leben zur Hölle macht, und Daniel Brühl („Good Bye Lenin“, „Rush“) leider recht blass bleibt, dürfen vor allem die drei Hauptdarstellerinnen glänzen. Vanessa Kirby („The Crown“, „Pieces of a Woman“) bekommt dabei am wenigsten Gelegenheit aufzutrumpfen, aber Sydney Sweeney („The Handmaid’s Tale“, „Euphoria“) macht als junges und schüchternes Anhängsel ihres Mannes die bemerkenswerteste Entwicklung zur unerschrockenen Kämpferin für das Leben ihrer Familie durch. Und Ana de Armas („Knives Out: Mord ist Familiensache“, „Blond“) verkörpert überzeugend die verführerische Baronin, die leider feststellen muss, dass ihre Künste nicht bei jedem verfangen. Bei aller routinierten Inszenierung will jedoch nie der Funken überspringen, so dass „Eden“ am Ende erschreckend uninspiriert bleibt.

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