Braveheart
Hollywood ist voll von Beispielen, in denen Schauspieler
früher oder später dem Drang nachgeben, auch hinter der Kamera zu stehen.
Besonders prominent sind dabei Superstars wie Robert Redford, die auch
als Regisseur Oscar-prämierte Filme abliefern. Dazu zählt auch „Mad Max“-
und „Lethal Weapon“-Star Mel Gibson, der 1993 mit dem
gefühlvollen Drama „Der Mann ohne Gesicht“ seinen sehenswerten Einstand
als Filmemacher gab. Die Doppelrolle des Regisseurs und Hauptdarstellers füllte
Gibson dann auch bei dem historischen Epos „Braveheart“ (1995)
aus, der immerhin mit fünf Oscars ausgezeichnet wurde.
Inhalt:
Seit der schottische König Ende des 13. Jahrhunderts
gestorben ist, ohne vorher einen Thronfolger zu benennen, nutzte König Edward
I. von England (Patrick McGoohan) den Streit innerhalb des schottischen
Adels dazu, die Macht in den schottischen Highlands an sich zu reißen. Doch
trotz der Bemühungen um den schottischen Adel und das harte Durchgreifen gegen
die schottische Zivilbevölkerung kann er seine Herrschaftsposition nicht
nachhaltig festigen.
William Wallace (Mel Gibson) wird in diese unruhige
Zeit hineingeboren und nach der Ermordung seines Vaters und seines Bruders von
seinem in Irland lebenden Onkel (Brian Cox) aufgezogen, der ihn auf
seine Reisen durch Europa mitnimmt und ihn nicht nur Lesen und Schreiben,
sondern auch Französisch, Latein und den Umgang mit dem Schwert lehrt. Wallace
kehrt als friedliebender Mann in seine Heimat zurück und will mit dem öffentlichen
Geschehen nichts zu tun haben. Als englische Truppen seine Frau Murron (Catherine
McCormack) hinrichten, schwört er Rache an den Besatzern und bricht mit
seinen Clansfreunden auf, um seine Landesgenossen in die Freiheit zu führen.
Edward, zu dieser Zeit in Frankreich, überträgt die
Verantwortung für die Niederschlagung des Aufstandes seinem schwächlichen, homosexuellen
Sohn, der sich aber nicht weiter um die Angelegenheit kümmert.
Wallace führt die schottische Armee bei der Schlacht von
Stirling Bridge an und erringt zusammen mit den Edelleuten, die sich nun doch
kampfbereit zeigen, den Sieg. Anschließend wird er in Edinburgh zum Guardian
of Scotland ernannt und zum Ritter geschlagen, doch bald geht es den
Edelleuten wieder nur um ihren eigenen Vorteil. Erzürnt über ihre
Zerstrittenheit kündigt Wallace einen Präventivschlag gegen England an und
nimmt York ein. Den Kopf des Stadtkommandanten, des Neffen Longshanks, schickt
er nach London. Edward, wieder in London angekommen, ist über die Einnahme
Yorks und die Tatenlosigkeit seines Sohnes so erzürnt, dass er dessen Freund
und Berater aus dem Fenster in den Tod wirft. Ein Anschlag von Prinz Edward auf
seinen Vater misslingt. Schließlich befiehlt der König seiner unglücklichen
Schwiegertochter Isabelle (Sophie Marceau), mit Wallace zu verhandeln.
Diese hat sich schon längst aus den kursierenden Erzählungen in Wallace
verliebt. Währenddessen greift Edward zu einer List: Während das Treffen mit
Isabelle Wallace ablenkt, schickt der König heimlich Truppen über den Seeweg
aus Frankreich nach Schottland, um Wallace den Nachschub abzuschneiden und ihm
in den Rücken zu fallen…
Kritik:
Dass über den schottischen Nationalhelden William Wallace
so wenig bekannt ist, konnte Drehbuchautor Randall Wallace („Pearl Harbor“,
„Wir waren Helden“) und Regisseur Mel Gibson nur in die Hände
spielen, denn das vom Minnesänger Blind Harry in den 1470er Jahren verfasste
Gedicht „Wallace“ ist das älteste schriftliche Dokument, in dem Wallace
als Volksheld dargestellt wird und der Grund für seinen bis heute anhaltenden
Bekanntheitsgrad. Nachdem es 1508 erstmals gedruckt worden war, verbreitete es
sich schnell über ganz Schottland, und Wallace wurde zum schottischen
Freiheitshelden. Auf dieser Grundlage inszenierte Gibson ein
dreistündiges Epos, das sich viele Freiheiten in Bezug auf die historische
Genauigkeit nahm, aber eindrucksvoll den Kern der Geschichte einfängt, nämlich
den zunächst aussichtlos erscheinenden Kampf einfacher schottischer Männer
gegen eine zahlenmäßig hoch überlegene englische Armee, die zudem über
gepanzerte Pferde und bessere Rüstungen verfügte. Was zunächst wie ein
unüberlegter, wahnwitziger Racheakt anmutet, entwickelt sich zu einem Prozess,
in dem es Wallace gelingt, auch die untereinander zerstrittenen Clans für die Freiheit
Schottlands zu vereinen und mit List und Verstand die Engländer auszutricksen
und sogar auf ihrem eigenen Gebiet zu schlagen. Gibson und sein Oscar-prämierter
Kameramann John Toll („The Last Samurai“, „Der schmale Grat“) fangen
dabei vor allem die prachtvollen Landschaftspanoramen ein, um zu zeigen, wofür
sich das Kämpfen lohnt, aber auch die brutalen Exzesse auf dem Schlachtfeld. Vor
diesem Hintergrund entspinnt sich die Geschichte einer neuen Liebe, auch wenn
die Chemie zwischen Gibson und Marceau längst nicht so überzeugt
wie die erste Liebe, die William Wallace erfahren durfte. „Braveheart“
überzeugt in der Darstellung des Lebens im späten 13. Jahrhundert auf den
britischen Inseln und in den von Verrat und Fallen geprägten politischen Manövern.
Auch wenn die abfällige, klischeehafte Darstellung der Homosexualität und das märtyrerhafte
Ende des schottischen Nationalhelden zu bemängeln sind, bietet Gibsons
zweite Regiearbeit eine packende Geschichte über Liebe, Tod, Verrat und Freiheit,
die zudem großartig von James Horner („Titanic“, „Der Sturm“)
vertont worden ist.








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