Telefon

Als Regisseur von Klassikern wie „Die Dämonischen“ (1956), „Nur noch 72 Stunden“ (1968), „Dirty Harry“ (1971) und „The Shootist – Der letzte Scharfschütze“ (1976) hat Don Siegel (1912-1911) Filmgeschichte geschrieben. Zu seiner weniger bekannten Spätwerken zählt der im Kalten Krieg angesiedelte Spionage-Thriller „Telefon“ (1977) mit Charles Bronson, Lee Remick und Donald Pleasence in den Hauptrollen. 

 

Inhalt:

Aus Angst vor einer mörderischen „Säuberungswelle“ gegen Alt-Stalinisten im Rahmen der neuen Entspannungspolitik der Sowjetunion gegenüber den USA flieht der sowjetische Nachrichtenoffizier Nicolai Dalchimsky (Donald Pleasence) in die Staaten – mit einem kleinen Büchlein Gepäck, das mit falschen Identitäten, Wohnadressen und Telefonnummern sogenannter „Schläfer“ bestückt ist. Bei diesen handelt es sich eigentlich um Agenten, die als Studenten rekrutiert und ausgebildet, mit amerikanischen Verhältnissen vertraut gemacht wurden und seither jahrelang unauffällig in den Staaten leben. Im Rahmen des auch dem neuen Parteivorsitzenden unbekannten Geheimprojekts „Telefon“ sind 51 von ihnen so konditioniert, dass sie beim Hören einer Gedichtzeile in Verbindung mit ihrem ehemaligen russischen Namen einen vorab festgelegten Sabotageakt gegen militärische oder Infrastruktureinrichtungen durchführen, wobei sie selbst entweder getötet werden oder sich anschließend selbst töten, um nicht gefasst zu werden.
Der mit einem fotografischen Gedächtnis ausgestattete KGB-Major Grigori Borzow (Charles Bronson) wird, nachdem er sich den Inhalt eines der Exemplare des gefährlichen Buches eingeprägt hat, über Kanada in die USA geschleust, um Dalchimsky auszuschalten, nachdem dieser schon einige Attentäter aktiviert hatte. Borzow wird bei seinem Auftrag von der in den Vereinigten Staaten lebenden Kollegin Barbara (Lee Remick) unterstützt, einer Doppelagentin, die auch in Diensten der USA steht und Borzow nach erledigtem Auftrag eliminieren soll, damit niemand beim Zentralkomitee der KPdSU je von dem „Telefon“-Programm erfahren kann.
Unterdessen wundert sich man bei der CIA in Langley, warum im Abstand mehrerer Tage Anschläge auf Ziele verübt werden, die mittlerweile eher bedeutungslos oder zumindest zweitrangig sind. Die Analystin Dorothy Putterman (Tyne Daly) weist ihre Vorgesetzten auf die den Attentaten vorausgegangene Eliminierung verschiedener sowjetischer Funktionäre und Dalchimskys Rolle im KGB hin, sodass sich die Spezialisten mit der Zeit ein Bild der Vorgänge machen können. Derweil hat Borzow eine Idee davon bekommen, wo der nächste Schläfer ein Attentat verüben könnte…

Kritik:

Nach einem Roman von Walter Wager und einem Drehbuch von Stirling Silliphant („Flammendes Inferno“, „In der Hitze der Nacht“) und Peter Hyams („Outland – Planet der Verdammten“, „Das Relikt“) hat Don Siegel einen grundsoliden, wenn auch extrem unglaubwürdigen Spionage-Thriller inszeniert, bei dem es der bereits nicht mehr ganz so frische „Death Wish“-Star Charles Bronson etwas ruhiger angehen lassen durfte. Statt satter Action bietet „Telefon“ Agenten-Geplänkel in den Führungsetagen sowohl beim KBG als auch der CIA, häufige Ortswechsel und beeindruckende Explosionen auf Militärbasen. Dabei entwickelt sich eine Katz-und-Maus-Jagd zwischen dem enttäuschten russischen Nachrichtenoffizier, der seiner heimischen Führung eins auswischen will, und dem linientreuen KGB-Mann Borzow, der sich sogar den Annäherungsversuchen seiner ihm zur Seite gestellten Kollegin Barbara unempfänglich zeigt. Mehr als der Road-Movie-Charakter des Films interessiert die Beziehung zwischen Borzow und Barbara, denn im Gegensatz zu ihrem männlichen Kollegen, der nur die Pflichterfüllung im Sinn hat, hinterfragt Barbara ihre Aufträge und hat bei ihrer Ausführung immer wieder Skrupel. Neben diesem stets präsenten Duo haben es die Nebendarsteller besonders schwer, Profil zu gewinnen. Am ehesten gelingt dies noch Donald Pleasence („Gesprengte Ketten“, „Halloween“) als aufgeregt von Telefonzelle zu Telefonzelle und von Tatort zu Tatort huschenden Ex-Agenten, aber auch Tyne Daly („Für alle Fälle Amy“, „Cagney & Lacey“) macht als messerscharfe CIA-Analystin eine gute Figur in einem etwas spröden Thriller, der vor allem wegen der beteiligten Namen interessant ist, für sich genommen aber kaum überzeugt.

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