Hallo, Mr. President
Der Oscar-prämierte Drehbuchautor Aaron Sorkin („Eine
Frage der Ehre“, „Der Krieg des Charlie Wilson“, „The Social Network“) zählt
fraglos zu den versiertesten Autoren in Hollywood und ist Garant für
intelligente Unterhaltung, bei der auch moralische Themen differenziert
thematisiert werden. Das trifft zwar auch auf die Vorlage für Rob Reiners
„Hallo, Mr. President“ (1995) zu, doch steht hier eindeutig eine
ungewöhnliche Romanze im Mittelpunkt.
Inhalt:
Seit drei Jahren ist der verwitwete Andrew Shepherd (Michael
Douglas) bereits Präsident der Vereinigten Staaten, wobei ihm der Tod
seiner krebskranken Frau sicher einen Bonus bei den Wählern eingebracht hat. Entgegen
allen guten Ratschlägen verliebt er sich in Sydney Ellen Wade (Annette
Bening), eine Vertreterin der Umweltlobby. Die resolute Frau war dem
Präsidenten bei einem Treffen mit einer Umweltorganisation aufgefallen. Diese
Organisation will den Präsidenten davon überzeugen, einen Gesetzentwurf im
Kongress einzubringen, der die Schadstoffemissionen innerhalb der nächsten zehn
Jahre um 20 Prozent reduziert. Der Präsident selbst geht von „realistischen“
zehn Prozent in seinem Gesetzentwurf aus. Shepherd steht kurz vor den Wahlen.
Seine Berater, Stabschef MacInerney (Martin Sheen), der politische
Berater Rothschild (Michael J. Fox) und Pressesprecherin McCall (Anna
Deavere Smith), haben alle Hände voll zu tun, um den noch hohen
„Marktanteil“ ihres Chefs zu halten und auszubauen. Doch die „uneheliche“
Liaison mit Sydney nutzt sein schärfster Konkurrent, der republikanische
Senator Bob Rumson (Richard Dreyfuss), um eine Charakterdebatte
wiederaufleben zu lassen, die bei der letzten Wahl nicht fortgeführt werden konnte.
Rumson lässt nichts unversucht, eine „unheilige Allianz“
zwischen dieser „moralisch fragwürdigen“ Liaison und der „ultraliberalen
Gesinnung“ Sydneys zu konstruieren, die vor dreizehn Jahren während einer Demonstration
vor einer brennenden US-Flagge abgelichtet wurde, um gegenüber dem Präsidenten
zu punkten. Als Shepherds Umfragewerte tatsächlich drastisch in den Keller
gehen, steht der Präsident vor der schwierigen Entscheidung, ein gegenüber
Sydney gegebenes Versprechen zu brechen, um den geplanten Gesetzesentwurf im
Kongress durchbringen zu können…
Kritik:
Rob Reiner hat zur Vorbereitung seines Films zwei Tage lang
den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton auf Schritt und Tritt
verfolgen dürfen, und tatsächlich stellt man sich als Zuschauer den Alltag des mächtigsten
Mannes der Welt so hektisch vor, wie es Sorkin in seinem Drehbuch
vorgezeichnet und Rob Reiner auf die Leinwand gebracht hat. Michael
Douglas („Basic Instinct“, „Wall Street“) verkörpert den US-Präsidenten
auf eine so einnehmende Art, dass es nicht schwerfällt, dass die vorlaute wie
kluge Umwelt-Lobbyistin Sydney Gefallen an dem charismatischen Führer der
freien Welt findet. „Hallo, Mr. President“ dreht sich viel um den Alltag
des Präsidenten, der ständig zu wichtigen Terminen eilen und wichtige
Entscheidungen treffen muss, sich aber auch die Zeit nimmt, mit seiner Tochter Schulthemen
durchzugehen und gesellschaftliche Verpflichtungen – mit Sydney an seiner Seite
– wahrzunehmen. Natürlich ist Andrew Shepherd eine Märchenfigur, zu gut und zu
integer, um als Präsident wahr zu sein. Das tut dem Film aber keinen Abbruch, weil
er von der charmanten Anziehungskraft zwischen den beiden Figuren lebt, die
sowohl von Douglas als auch von Annette Bening („American Beauty“,
„Bugsy“) herzerfrischend offen gespielt werden. Das hervorragende Drehbuch
mit den pointierten Dialogen, das spielfreudige Ensemble und die Oscar-nominierte
Musik von Rob Reiners Hauskomponisten Marc Shaiman („Misery“, „LBJ“)
machen „Hallo, Mr. President“ zu einem Feel-good-Movie der Extraklasse.








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