Konklave
Mit seinem neunfach Oscar-nominierten „Im Westen nichts
Neues“ (2022) setzte der deutsche Filmemacher Edward Berger die
Messlatte für sein nächstes Projekt extrem hoch. Es sollte wieder eine
Literaturverfilmung werden. Nach Erich Maria Remarques Klassiker der
Antikriegsliteratur, den bereits Lewis Milestone 1930 erfolgreich
verfilmt hatte, war es nun Robert Harris‘ Vatikan-Thriller „Konklave“,
der die schwierigen Prozesse während der Papstwahl hinter verschlossenen Türen
thematisiert.
Inhalt:
Als der bis dato amtierende Papst an einem Herzinfarkt
stirbt, wird auch Kardinal Lawrence (Ralph Fiennes), der Dekan des
Konklaves, herbeigerufen, der bislang nichts von der Herzschwäche des Papstes wusste
und sich erst einmal ein Bild von der Sache machen muss. Wer hat das Oberhaupt
der katholischen Kirche aufgefunden und worum ging es beispielsweise im letzten
Gespräch, das der Papst mit seinem potenziellen Nachfolger Kardinal Tremblay (John
Lithgow) geführt hat?
Drei Wochen nach dem Todesfall reisen die Kardinäle aus
aller Welt an, um ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche zu wählen.
Während Lawrence den eher liberal denkenden Kardinal Bellini (Stanley Tucci)
unterstützen will, scheinen neben Tremblay insbesondere zwei betont
konservative Kandidaten Chancen zu haben: der Italiener Tedesco (Sergio
Castellitto) und der Nigerianer Adeyemi (Lucian Msamati). In letzter
Minute trifft noch der aus Mexiko stammende Kardinal Benitez (Carlos Diehz)
ein, der ohne das Wissen der übrigen Kardinäle in Kabul aktiv war. Dieser sieht
wiederum in Lawrence den geeignetsten Nachfolger – obwohl dieser sich so bald
wie möglich vom Heiligen Stuhl zurückziehen möchte. Während der zunächst
erfolglosen ersten drei Wahlgänge werden Lawrence immer neue Informationen
zugetragen, die verschiedene Papst-Anwärter in ein schlechtes Licht rücken…
Kritik:
Bereits Robert Harris‘ Romanvorlage gibt nicht vor,
sich an realen Vorbildern orientiert zu haben. Das erlaubte sowohl Harris,
als auch dem Oscar-prämierten Drehbuch von Peter Straughan („Männer,
die auf Ziegen starren“, „Eine offene Rechnung“, „Dame, König, As, Spion“)
und Regisseur Berger, sich losgelöst von wahren Begebenheiten wunderbar
spekulativ eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Welt zu thematisieren.
Bereits die Anfangssequenz mit Lawrence strammen Gang durch die Gänge des
Vatikans bis zum bereits von verschiedenen Würdenträgern bevölkerten
Schlafzimmer des verstorbenen Papstes legt mit der dunkel brodelnden Musik von Volker
Bertelmann („Im Westen nichts Neues“, „Patrick Melrose“) den Ton für
das politische Intrigenspiel des nachfolgenden Konklaves. Ralph Fiennes („Der
ewige Gärtner“, „Coriolanus“) verkörpert Oscar-reif den von Selbstzweifeln
geplagten, in der Sache aber sehr organisierten Dekan, der mit den ihm
zugetragenen Informationen über die künftigen Papst-Anwärter so
unvoreingenommen wie möglich umgehen muss. Dabei hat er in seiner eigenen
Predigt zu Beginn des Konklaves selbst deutlich Stellung für eine liberalere Wahl
bezogen. Bei aller erhabenen Würde und strengen Methodik der Papstwahl lässt es
sich Berger nicht nehmen, die Kardinäle als Menschen aus Fleisch und Blut, mit
Hang zu ganz gewöhnlichen Sünden, zu beschreiben. Sie rauchen in Cliquen auf
dem Innenhof, checken regelmäßig ihre Handys, bereiten sich in ihren Zimmern
Kaffee aus der Pad-Maschine zu. Zwischen all diesen einflussreichen, teils
machthungrigen Männern ragt mit Schwester Agnes (Isabella Rossellini)
aber auch eine weibliche Schlüsselfigur heraus, die eher unbemerkt hinter den
Kulissen wirkt, aber Augen und Ohren offenhält, um im entscheidenden Moment ihre
Stimme zu erheben. Am Ende ist das Konklave doch nicht so von der Außenwelt
abgeschirmt, wie es sein sollte, was durch ein feinsinniges Finale nur betont
wird.
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