Nosferatu – Der Untote
Bram Stokers 1897 veröffentlichter Roman „Dracula“
zählt zu den meistverfilmten Geschichten weltweit. Bereits 1922 legte Friedrich
Wilhelm Murnau mit „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ eine atmosphärisch
dichte Leinwandadaption mit Max Schreck in der Hauptrolle des Grafen
Orlok – aus urheberrechtlichen Gründen durften die Namen aus dem Roman nicht
verwendet werden. Seither waren Bela Lugosi (1931), Christopher Lee
(1958), Frank Langella (1979), Klaus Kinski (1979) und Gary
Oldman (1992) in der Rolle des Vampirfürsten zu sehen. Nun nahm sich Robert
Eggers („The Witch“, „The Northman“, „Der Leuchtturm“) des Stoffes
an, wobei er sich mit „Nosferatu – Der Untote“ eher an Murnaus und Werner Herzogs „Nosferatu“-Filmen
hält.
Inhalt:
Bereits in jungen Jahren leidet Ellen (Lily-Rose Depp)
in der deutschen Hafenstadt Wisborg unter Einsamkeit und erweckt durch ihre
Gebete den transsylvanischen Vampir Nosferatu (Bill Skarsgård) aus
seinem Jahrhunderte andauernden Schlaf. Nosferatu besucht Ellen fortan mehrere
Jahre lang in ihren Albträumen und befriedigt ihre körperlichen Bedürfnisse,
bis sich die junge Frau im Jahr 1838 den angehenden Immobilienmakler Thomas
Hutter (Nicholas Hoult) zum Mann nimmt.
Um seinen Bund mit Ellen zu erneuern, erwirbt Nosferatu unter
dem Namen Graf Orlok bei der Firma von Thomas ein verfallenes Anwesen in
Wisborg. Er korrumpiert dessen Vorgesetzten Herr Knock (Simon McBurney) und
fädelt so ein, dass sich der frischgebackene Ehemann für die Unterzeichnung des
Kaufvertrags in die Karpaten begeben muss. Thomas lässt Ellen in der Obhut ihrer
Freundin Anna Harding (Emma Corrin) und deren Ehemann Friedrich (Aaron
Taylor-Johnson) zurück und macht sich auf einem Pferd auf die beschwerliche
Reise nach Osteuropa. In einem Wirtshaus in Transsylvanien wird er von den
Einheimischen eindringlich davor gewarnt, das Schloss des sich als Graf Orlok
ausgebenden Käufers aufzusuchen. In der Nacht hat Thomas verstörende Visionen
eines untoten Leichnams, setzt seine Reise aber dennoch unbeirrt fort und
findet schließlich das Grauen vor. Was der Makler indes noch nicht ahnt: Bei
dem Blutsauger handelt es sich um das Geschöpf, das Ellen seit ihrem
flehentlichen Rufen verfolgt. Als Orlok sich auf den Weg nach Wisborg macht,
eilt ihm Thomas hinterher. Derweil wird seine Frau von immer heftigeren
Krampfanfällen und Visionen heimgesucht. In ihrer Verzweiflung wenden sich die
Hardings an Prof. Albin Eberhart von Franz (Willem Dafoe), der schnell begreift,
woher die wahre Gefahr kommt…
Kritik:
Robert Eggers hält sich mit seinem „Nosferatu“-Remake
eng an die Vorlage von Henrik Galeen (1881-1949) für Murnaus Adaption
des „Dracula“-Stoffes und nimmt die bedeutendste Änderung darin vor,
dass er Ellen Hutter mehr in das Zentrum der Geschichte verankert und sie zur
Triebfeder für eine psychosexuelle Erweckung macht. Das hat nichts mit der
erotisch-sinnlichen Verführung zu tun, der wir noch bei Terence Fishers „Dracula“
(1958) und vor allem Francis Ford Coppolas‘ „Bram Stokers Dracula“
(1992) begegnet sind. Im Gegensatz zu den von Christopher Lee und Gary
Oldman verkörperten Vampirfürsten verfügt Eggers‘ Nosferatu über
keinerlei erotische Anziehungskraft. In „Nosferatu – Der Untote“ bekommen
wir nichts von der Tragik der Unsterblichkeit zu sehen. Nosferatu ist nur ein
gieriger Blutsauger mit lederner Haut, dunkel grummelnder Stimme und ungehemmtem
Machtwillen. Eggers‘ Film pfeift auf Originalität, präsentiert sich in
der Inszenierung sogar recht langatmig, punktet aber mit malerisch schönen
Bildern, die bereits seine früheren Werke ausgezeichnet haben. „Nosferatu –
Der Untote“ ist in erster Linie prachtvoll stilisiertes Gothic-Schauer-Kino,
das auf liebevoll gestaltete Kulissen und eindrucksvolle Kontraste und Schatten
setzt. Doch von den visuellen Stärken abgesehen bietet Eggers‘ Remake
recht biederes Schauerkino, das vor allem für die jüngere Generation
interessant sein dürfte.








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