Wild Card

Seit Filmemacher Guy Ritchie den ehemaligen Wasserspringer Jason Statham für seine beiden Gauner-Filme „Bube Dame König grAS“ (1998) und „Snatch – Schweine und Diamanten“ (2000) entdeckt hat, legte der Olympionike eine grandiose Karriere als Action-Star hin, die vor allem durch die Filmreihen „The Transporter“, „Crank“ und „The Mechanic“ mit ihm in schlagkräftigen Hauptrollen angetrieben wurde. In Simon Wests „Wild Card“, der Verfilmung von William Goldmans „Heat – Nick, der Killer“, darf Statham neben seinem effektiv als Waffe eingesetzten Körper auch weitergehende schauspielerische Talente ausspielen.
Nachdem Nick Wild (Jason Statham) seine Vergangenheit als Söldner und Spieler hinter sich gelassen hat, träumt er nur noch davon, sich mit einem Segelboot auf einer griechischen Insel niederzulassen, doch dafür fehlt ihm einfach das nötige Kleingeld, das ihm auch seine Gelegenheitsjobs als Detektiv und Bodyguard nicht einbringen. Eher gelangweilt nimmt Nick den Job als Kindermädchen für den ängstlichen, sehr jungen Dotcommillionär Cyrus Kinnick (Michael Angarano) an, ihn durch die Casinos von Las Vegas zu führen und dabei auf ihn aufzupassen.
Als er Kinnick in einem weniger pompösen, ruhigen Casino abgesetzt hat, wird Nicks Aufmerksamkeit von seiner Ex-Freundin Holly (Dominik García-Lorido) beansprucht, die nach einem Besuch bei dem Gangsterboss Danny DeMarco (Milo Ventimiglia) nicht nur vergewaltigt, sondern auch übel zusammengeschlagen wurde. Um Rache an ihrem Peiniger üben zu können, braucht sie natürlich Nicks Unterstützung. Der erledigt seinen Job prinzipientreu ohne Einsatz von Schusswaffen, schaltet auch DeMarcos imponierende Bodyguards aus, muss sich dann aber vor Baby (Stanley Tucci) rechtfertigen, von dem DeMarco Wiedergutmachung für die Demütigung fordert, die ihm Nick angetan hat.
Währenddessen macht sich Nicks bislang gut gezügelte Spielsucht wieder bemerkbar. Mit dem mehrfach vervielfältigten Einsatz der 500 Dollar, die ihm Holly für seine Hilfe gab, ist er sich seiner Glückssträhne so sicher, dass sein Traum vom Segeln im Mittelmeer Wirklichkeit werden zu scheint …
Der im vergangenen Jahr verstorbene Oscar-Preisträger William Goldman hat zu einigen seiner eigenen Bücher wie „Der Marathon-Mann“, „Die Braut des Prinzen“ und „Magic – Die Puppe des Grauens“ die Drehbücher zu den Verfilmungen geschrieben, aber auch zu den Leinwandadaptionen anderer Autoren wie John Grishams „Die Kammer“, Stephen Kings „Dreamcatcher“ und „Hearts in Atlantis“ oder David Baldaccis „Absolute Power“. Sein 1986 veröffentlichtes Buch „Heat“ wurde noch im selben Jahr mit Burt Reynolds in der Hauptrolle verfilmt, 2015 legte Action-Regisseur Simon West („Con Air“, „The Expendables 2“) eine gelungene Neuverfilmung vor.
Vor allem gelingt es West, die Casino-Atmosphäre in Las Vegas durch die beteiligten Personen gut einzufangen. Statt der sonst üblichen Großaufnahmen der glitzernden und bunt leuchtenden Straßenzüge und den vermeintlich schicken Interieurs der Casinos bleibt West immer dicht bei seinen Figuren. Natürlich steht der plötzlich wieder mit seiner Spielsucht kämpfende Nick stets im Zentrum des Geschehens, aber auch die kurzen Gespräche mit der Casino-Angestellten Cassandra (Hope Davis) und der Kellnerin Roxy (Anne Heche) vermitteln eine Ahnung von Nicks unglücklichem Schicksal. Vor allem das Drama am Black-Jack-Tisch, als sich Nick zunehmend in einen vom Glück gepeitschten Rausch spielt, ist toll in Szene gesetzt und vermittelt glaubhaft das Ringen mit den inneren Dämonen, wenn es ums Aufhören oder Weiterspielen geht, um den phänomenalen Gewinn oder die tragische Pleite. Auch wenn die Action-Szenen spärlicher gesät sind als in üblichen Statham-Filmen, dürfen diese jeden Fan überzeugen. So ist Simon West mit „Wild Card“ ein glaubwürdiges Spieler-Drama mit einem überzeugenden Jason Statham gelungen, der hier mehr als nur seine Kampfkunst zur Schau stellen darf und von einem prominent besetzten Cast in den Nebenrollen unterstützt wird.
"Wild Card" in der IMDb

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