Frankenweenie

Bevor Tim Burton mit „Pee-wees irre Abenteuer“ (1985) und „Beetlejuice“ (1988) seine ersten abendfüllenden Spielfilme inszenierte, durchlief der zeichenbegabte junge Mann eine Trickfilm-Ausbildung bei Disney, doch fielen seine ersten dort fabrizierten Kurzfilme „Vincent“ (1982) und „Frankenweenie“ zu düster aus, um sie dort unterzubringen. Mit „Beetlejuice“ nahm Burtons Karriere aber so einen steilen Verlauf, dass Disney seinen ehemaligen Lehrling mit offenen Armen aufnahm, als dieser Lewis Carrolls Kinderbuch-Klassiker „Alice im Wunderland“ (2010) als Realfilm umsetzen wollte. Weitere zwei Jahre später durfte Burton mit „Frankenweenie“ für Disney sogar seinen Kurzfilm aus der Lehrzeit zu ebenfalls zu einem Trickfilm verarbeiten, der ganz in der Tradition von Burtons „Nightmare Before Christmas“ und „Corpse Bride“ steht. 

Inhalt: 

Der zehnjährige Victor Frankenstein (Charlie Tahan) lebt mit seinem Vater (Martin Short), seiner Mutter (Catherine O’Hara) und seinem Hund Sparky glücklich in der Kleinstadt New Holland. Kurz vor den Feierlichkeiten des Dutch Day veranstaltet der neue Wissenschaftslehrer Mr. Rzykruski (Martin Landau) einen Wettbewerb, für den sich auch Victor anmelden möchte. Sein Vater verknüpft die Erlaubnis allerdings mit der Auflage, dass sich der film- und wissenschaftsbegeisterte Victor auch sportlich betätigt. Tatsächlich gelingt ihm bei seinem ersten Baseballspiel ein spektakulärer Schlag, doch bevor er seinen Homerun beenden kann, reißt sich Sparky von der Leine los, rennt dem Ball hinterher und wird auf der Straße von einem Auto überfahren. 
Da sich Victor mit dem Verlust seines geliebten Hundes nicht abgeben will, nutzt er den Wissenschaftswettbewerb, um Sparky mit Hilfe von gebündelter Elektrizität zurück ins Leben zu holen. Das Experiment glückt zwar, doch werden auch Victors Klassenkameraden auf die wundersame Rückkehr des zurechtgeflickten Hundes aufmerksam und erpressen Victor, sie an seinen Erkenntnissen teilhaben zu lassen – sonst würden sie Victors Eltern über Sparkys Rückkehr ins Leben informieren. Doch die Bemühungen seiner Klassenkameraden bringen ganz neue Monster hervor: Als Bürgermeister Van Helsing (Dee Bradley Baker) die Festivitäten zum Dutch Day eröffnet und seine Nichte Elsa (Winona Ryder) als das diesjährige Dutch Girl vorstellt, stürmen ein monströser Mumien-Hamster, ein Godzilla-mäßiges Schildkröten-Monster und eine diabolische Kreuzung aus Katze und Fledermaus den Rummel… 

Kritik:

Bereits mit der ersten Szene gibt Tim Burton den Ton für die Langfassung seines Stop-Motion-Trickfilms „Frankenweenie“ vor, wenn Victors Familie – mit Sparky - einträchtig mit 3-D-Brillen vor der heimischen Leinwand sitzt und sich Victors Trickfilm-Variante eines Monsterfilms anschaut, entpuppt sich Burtons in Schwarzweiß gedrehter Film doch vor allem als Hommage an die Monster- und Horror-Film-Ära der 1930er, 1940er und 1950er Jahre, wozu nicht nur die Frankenstein-Thematik, sondern auch die entsprechenden Familiennamen Frankenstein und Van Helsing passen. 
Gerade Burtons Trickfilme erweisen sich als herrlich kompromissloser, fantasievoller Spaß voll skurriler Figuren und Handlungselemente, und auch „Frankenweenie“ merkt man in jeder Szene an, wieviel Herzblut der Regisseur in dieses Projekt gesteckt hat. Schließlich hat Burton schon mit dem 1984 entstandenen gleichnamigen Kurzfilm den tragischen Verlust seines Lieblingshundes verarbeitet und die Handlungsorte des Kinofilms auch den Schauplätzen seiner Kindheit angepasst. 
Die schwarzweißen Bilder, Danny Elfmans stimmungsvolle Musik und die liebenswerten, wenn auch oft überzeichneten Figuren geben den Rahmen für eine verspielte Hommage an die goldene Ära des Horrorfilms vor. „Frankenweenie“ verbindet auf herzerwärmende Weise Motive aus Mary Shelleys Klassiker „Frankenstein“ mit der Schwarzweiß-Ästhetik klassischer Universal-Horror-Filme und dem Thema einer innigen Freundschaft, für die man auch moralisch fragwürdige Entscheidungen trifft. Dabei bringt Burton ebenso seine Vorliebe für das Genre des Horror-Films als auch sein Faible für sympathische Außenseiter und ihrem Hang zu unkonventionellen Lebensweisen zum Ausdruck, würzt seine Hommage mit mehr oder weniger versteckten Zitaten, schrägem Humor und einer sympathischen Botschaft über die Macht der Freundschaft. 

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