System ohne Schatten

1980 gelang Rudolf Thome mit der Verfilmung von Jochen Brunows Drehbuch zu „Berlin Chamissoplatz“ einer seiner eindrucksvollsten Filme. Drei Jahre später fand sich das Gespann zu dem zukunftsweisenden Thriller-Drama „System ohne Schatten“ erneut zusammen – mit einem wiederum eindrucksvollen Ergebnis.

Inhalt:

Eigentlich entwickelt der vierzigjährige Informationstechniker Victor Faber (Bruno Ganz) Computerprogramme für Konzerne und Banken, doch seine wahre Leidenschaft gehört dem Schachspiel. So sitzt Faber, der sehr zurückgezogen in seiner West-Berliner Wohnung lebt und nur gelegentlich mit seiner langjährigen Freundin Renate (Sylvia Kekulé) ins Theater oder zu Ausstellungen geht, noch mitten in der Nacht vor seinem grün leuchtenden Bildschirm und sinniert darüber, wie er dem Computer beibringen kann, dass gelegentlich eine Figur geopfert werden muss, um zu gewinnen. Bei einer Vernissage, zu der er Renate begleitet, lernt er die Schauspielerin Juliet (Dominique Laffin) und ihren undurchsichtigen Freund Melo (Hanns Zischler) kennen. Die Partie Schach, die Faber und Melo gegeneinander austragen, kann Faber für sich entscheiden. Als er wenige Tage später von Juliet eine Einladung zum Abendessen erhält, interessiert sich Melo für die Möglichkeiten moderner Computertechnologie und kommt auf die Idee, mit Hilfe einer Manipulation im Bankensystem die täglichen Differenzen aus den Abrundungen auf ein Schweizer Konto transferieren zu lassen. Nach anfänglichem Zögern lässt Faber sich auf diesen Coup ein und eröffnet ein Konto in Zürich. Voraussetzung für diese Manipulation ist ein Einbruch bei der Bank, der von Melo organisiert wird. Doch die beiden von Melo engagierten Einbrecher erschießen einen Wachmann und zwingen Faber, Melo und Juliet zur Flucht in eine abgelegene Berghütte…

Kritik:

Mit „System ohne Schatten“ hat Thome einen ungewöhnlich vielschichtigen Thriller geschaffen, der auf mehreren Ebenen funktioniert. Auf der einen Seite zitiert Thome ausgiebig aus Jacques Doillons „Die Frau, die weint“ aus dem Jahr 1978, in dem Dominique Laffin ebenfalls die Hauptrolle verkörpert. Auf der anderen Seite thematisieren Thome und Brunow das Spannungsfeld zwischen unbegrenzten Möglichkeiten und ungeahnten Risiken der aufstrebenden Computer-Technologie. Vor diesem Hintergrund entwickelt „System ohne Schatten“ nicht nur eine reizvolle Dreiecksgeschichte, sondern auch eine Auseinandersetzung mit dem Dialog zwischen Mensch und Maschine, zwischen Wahrheit und Fiktion. Der futuristische Touch wird durch die musikalische Untermalung der britischen Musikerin Laurie Anderson, die für Thome die Zukunft repräsentiert, noch unterstrichen, die einen interessanten Gegensatz zu den Trommlern auf einer Schweizer Fassnacht bilden. Bruno Ganz, Hanns Zischler und Dominique Laffin spielen wunderbar zurückhaltend, eindrucksvoll sind vor allem die Bilder von Martin Schäfer („Die Katze“, „Der Stand der Dinge“)

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