Nightmare Before Christmas

Für Tim Burton, den Meister des düster-skurrilen Films, war Special-Effects-Ikone Ray Harryhausen die erste große Inspiration, wie er immer wieder erzählt. Noch bevor er die Welt von Disney oder Namen von Schauspielern oder Filmemachern kannte, war er mit den visuellen Effekten vertraut, die Harryhausen seit den 1950er Jahren für Science-Fiction- und Fantasy-Abenteuer wie „Die Bestie aus dem Weltraum“, „Sindbads siebente Reise“, „Die drei Welten des Gulliver“, „Jason und die Argonauten“ und „Eine Million Jahre vor unserer Zeit“ kreierte. Nachdem Tim Burton 1982 mit „Vincent“ einen ersten Kurzfilm in der von Harryhausen verwendeten Stop-Motion-Technik realisiert hatte, präsentierte er 1993 mit „Nightmare Before Christmas“ den ersten abendfüllenden Spielfilm in dieser Technik. Unter der Regie von Henry Selick („James und der Riesenpfirsich“, „Coraline“) entstand so ein surreal verspieltes Weihnachtsmärchen der ganz besonderen Art. 

Inhalt: 

Jack Skellington, ein dürres Skelett im Nadelstreifenanzug, ist der Kürbiskönig und das große Vorbild aller Bewohner von Halloween Town, einer Stadt, in der viele gespenstisch aussehende Gestalten leben, die jedes Jahr ein besseres Halloween feiern wollen. Jack verfällt allerdings bei der Vorstellung, jedes Jahr das gleiche Fest zu feiern, in eine melancholische Stimmung. Bei einem Spaziergang durch den Wald gelangt er zu einem Baumkreis, in dem jeder Baum für einen anderen Feiertag steht. 
Als Jack neugierig die Tür zur Weihnachtsstadt Christmas Town öffnet, ist er von den bunten Farben, den strahlenden Lichtern und der Fröhlichkeit so angetan, dass er das Fest nach Halloween Town bringen möchte. Gegen die Einwände von Sally, die heimlich in Jack verliebt ist und ihren Schöpfer Dr. Finklestein, der sie aus Lumpen zusammengenäht hat, immer wieder vergeblich heimlich zu vergiften versucht, organisiert Jack das Basteln von Weihnachtsgeschenken und die Entführung des Weihnachtsmannes, damit Jack seine Rolle übernehmen und den Kindern in Christmas Town die Geschenke bringen kann. Doch die beschenkten Kinder reagieren eher panisch auf die gruseligen Präsente, die ihnen Jack als „Nikki-Graus“ unter den Tannenbaum gelegt hat. Als sie die Beschwerdeanrufe bei der Polizei häufen, setzt die Regierung sogar Raketen ein, um den falschen Nikolaus mit seinen Skelett-Rentieren vom Himmel zu schießen… 

Kritik: 

Erste Ideen zu „Nightmare Before Christmas“ entwickelte Tim Burton bereits 1982, als er eine Ausbildung als Trickfilmzeichner bei den Walt Disney Animation Studios absolvierte und in diesem Zuge den animierten Kurzfilm „Vincent“ inszenierte (der ebenso wie die Kurzfilmversion von „Frankenweenie“ auf der DVD von „Nightmare Before Christmas“ als Bonus enthalten ist). Doch bevor er das mit Skulpteur Rick Heinrichs und mit Unterstützung des Animationsdesigners Henry Selick geplante Projekt realisieren konnte, endete Burtons Ausbildung, worauf er zunächst die Filme „Pee-wees irre Abenteuer“ und „Beetlejuice“ realisierte. 
Nicht zuletzt durch die beiden erfolgreichen „Batman“-Filme und die Fantasy-Romanze „Edward mit den Scherenhänden“ hatte Burton schließlich ein Standing, das ihm eine Einigung mit seinem ehemaligen Arbeitgeber über die Realisierung von „Nightmare Before Christmas“ brachte. Der erste komplett mit der Stop-Motion-Technik umgesetzte Film ist eine typische Burton-Geschichte, ein „Grusical“, das mit einfallsreichen Kulissen verzaubert, deren Ästhetik auf den deutschen Expressionismus verweist, aber auch mit einem faszinierenden Arsenal verschiedener Figuren, die ihre Ursprünge bei Dr. Frankenstein, Dr. Seltsam und dem Boogie-Man haben. 
Die extrem aufwendige Technik, bei der die Figuren vor einem starren Hintergrund millimeterweise bewegt und abfotografiert werden, lässt das charmante Szenario äußerst lebendig wirken. Doch die mit witzigen Einfällen nur so strotzende Geschichte entfaltet vor allem durch die Musik von Danny Elfman ihre ganze Kraft. Als Frontmann und Gründer der avantgardistischen New-Wave-Band Oingo Boingo war Elfman bereits mit klassischem Songwriting vertraut und schuf für „Nightmare Before Christmas“ nicht nur einen gewohnt stimmungsvollen Score, sondern auch packende Songs, die er – im Original - zum größten Teil als Kürbiskönig Jack sogar selbst singt. 
Am Ende muss Jack allerdings feststellen, dass er doch lieber beim Halloween-Fest bleiben sollte, denn das kann er bekanntlich am besten organisieren. Seinen Ausflug in die ihm fremde Welt des Weihnachtsfestes werden aber weder er noch das Publikum missen wollen. 
„Nightmare Before Christmas“ ist ein beeindruckendes Zeugnis von Tim Burtons außergewöhnlicher Vorstellungskraft, die ihm in den letzten Jahren abhandengekommen zu sein scheint.  

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