The House That Jack Built

Der dänische Filmemacher Lars von Trier hat seit Beginn seiner Karriere mit den ersten Kinofilmen in den 1980er Jahren sein Publikum sukzessive irritiert, verstört, provoziert und fasziniert. In den letzten Jahren, seit sich das Enfant terrible der Filmwelt zu seiner Depression bekannt hat, sind seine auf Zelluloid gebannten Exzesse zunehmend brutaler und zerstörerischer geworden. Nach den Sex- und Gewaltexzessen in „Antichrist“ (2009) und „Nymphomaniac“ (2013) sowie der Weltzerstörungs-Phantasie in „Melancholia“ (2011) weidet sich von Trier in seinem bis dato letzten Werk „The House That Jack Built“ (2018) an den Konventionen des Splatter-Horror-Genres.

Inhalt:

Der Ingenieur und Hobby-Architekt Jack (Matt Dillon) hat von seinem Erbe ein kleines Stück Land an einem See erworben und will dort seinen Traum vom eigenen Haus verwirklichen. Seine eigentliche Leidenschaft gehört allerdings dem Töten. Der unauffällig wirkende Mann, der sich selbst den Namen „Mr. Sophisticated“ gegeben hat, ist nicht wenig stolz darauf, bislang 60 Morde verübt zu haben, ohne dass die Polizei auch nur eine Ahnung von seiner Identität besitzt. Jack steht mit einem mysteriösen Mann namens Verge (Bruno Ganz) im ständigen Austausch und berichtet ihm von fünf scheinbar wahllos ausgewählten Episoden aus seinem Serienkiller-Leben. So lässt er sich von einer ahnungslosen Autofahrerin (Uma Thurman), die er nach einer Reifenpanne zum acht Kilometer entfernten Schmied fährt, so lange provozieren, dass er sie im Wagen mit ihrem defekten Wagenheber erschlägt, worauf sie ihn mit ihrem ironischen Geplänkel über Frauen, die nicht zu Fremden ins Auto steigen sollten, weil sie ja Serienkiller sein könnten, erst gebracht hat. Jack ist sich im Gegensatz bekannter Psychopathen allerdings bewusst, dass er zu dieser Gruppe gehört. So berichtet er Verge von seiner Zwangsneurose hinsichtlich seines Ordnungs- und Sauberkeitsfimmels. 
Als er beispielsweise eine ältere, alleinlebende Frau in ihrem Haus erst erwürgt und dann erstochen hat, kehrt er immer wieder ins Haus zurück, um zu überprüfen, ob er nicht noch eine Stelle mit Blutflecken übersehen hat. Als ein Polizist auftaucht, bindet er die zuvor aus seinem Lieferwagen vorausschauend entfernte Leiche mit einem Strick ans Heck seines Wagens und zieht die Leiche bis zu seinem Kühlhaus, in dem er seine oft kunstvoll arrangierten Leichen aufbewahrt, hinter sich her. Zum Glück hat ein plötzlich einsetzender Starkregen die Blutspur, die er bei seinem riskanten Manöver hinterließ, das ganze Blut weggespült. 
In weiteren Episoden berichtet Jack davon, dass er durchaus versucht hat, romantische Beziehungen zu führen. Seine Frau und seine beiden Söhne hat er allerdings bei einem Jagdausflug erschossen, seiner Freundin erging es nicht viel besser…

Kritik:

Auch wenn Lars von Trier vor allem in seiner letzten Schaffensphase, die mit seiner depressiven Erkrankung einherging, immer drastischere Bilder findet, die er ungeschminkt seinem Publikum vorsetzt, bettet er die an sich simplen Geschichte – sei es die einer Nymphomanin oder eines Serienkillers – in ein übergeordnetes Konstrukt, das philosophische, künstlerische und religiöse Ideen beinhaltet und so den Interpretationsraum für die Zuschauer weit öffnen. 
War es in „Nymphomaniac“ der belesene Seligman, der als asexueller Zuhörer die Geschichte der Nymphomanin immer wieder mit Bezügen zur Literatur, Musik und Religion kommentierte, greift von Trier das Konzept von „Nymphomaniac“ in „The House That Jack Built“ wieder auf, setzt es auch 1:1 um, bemüht Bilder von William Blake, Eugène Delcroix und Gustave Doré, verwendet statt der Fachtermini aus dem Angelsport diesmal aus der Jagd und sieht in Jacks mysteriösen Dialogpartner Verge sicherlich einen Nachfolger von Virgil aus Dantes „Die göttliche Komödie“
Am Ende verzaubert von Trier sein Publikum mit mystisch verzückenden Tableaus, die einen metaphysischen Komplex abrunden, den man sie so recht durchdringt, und vielleicht sind von Triers Verweise auf Hitler, Albert Speer, Goethe und die Geschichte der Kunst und Architektur auch nur dazu da, den Zuschauer zu verwirren, denn im Gegensatz zu „Nymphomaniac“, wo die Dialoge zwischen Joe und Seligman tatsächlich einen tieferen Sinn freilegten, bleibt „The House That Jack Built“ nur verstörend.

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